Donnerstag, 18. November 2010

Hemlock Exordium - ein Review aus den 90ern

Hemlock: Exordium

Bittere Tränen habe ich geweint ob der süßen Vergänglichkeit aller irdischer Schönheit. Sie erschien mir in meinen dunkelsten Stunden und brachte mir Augenblicke der höchsten Glückseligkeit, bevor sie erlosch wie eine kleine Flamme im Sturm. Sie, die sie die Schönste und Anmutigste war, der ich je gewahr wurde, sie verstarb in meinen Armen. HEMLOCK ist tot.

Diese Band schickte sich an, das Erbe Rushs anzutreten. Sie verfeinerte den von Kanadas fast einzigartigstem Trio Sound, zerbrach die verkrusteten Struckturen des Progressivrocks und trieb diese Musik zu neuen Ufern der Intensität und emotionalen Tiefe. Grob umrissen könnte der Stil als eine Songwritingsession von Mitgliedern der Bands Adramelch, Rush, My Dying Bride, Saviour Machine, Skyclad und ELP beschrieben werden. Von jedem der genannten Acts haben sich HEMLOCK vielleicht (niemand wird es nun je erfahren) eine Inspiration geben lassen, wie denn nun originelle und gut durchstrukturierte Songs mit viel Seele zu klingen haben. Niemals haben sie aber auch nur eine Sekunde bei o.g. Rockheroen abgekupfert, sondern sind immer ihrer Richtung treu geblieben. Einzigartig auf dieser Welt war diese Band.

Man nehme da nur die von einer eigenartigen Melancholie geprägte Ballade „An Acacia in September“, ein Requiem für ein geliebtes Wesen, das von ihnen ging. Sie beschreibt die Gefühle, die in solchen Augenblicken entstehen, zeigt aber auch, daß es einen Weg gibt, neuen Lebensmut zu fassen und seiner Trauer Herr zu werden. Diese Ballade wird nur noch von Greg Lake mit „C’est la vie“ getoppt und wer letzteren Song kennt, weiß, was das bedeutet.

Am Schluß des Albums erwartet den Hörer ein Trip in eine gewaltige Märchenwelt. „The Immortal Legacy“, eine über fast 20 Minuten laufende Reise durch die Träume, die ein jedes menschliches Wesen in sich birgt. Musikalisch ist der Song eine Berg - und Talfahrt, ruhige, traumwandlerische Passagen werden von bedrohlich grollenden Heavyriffs abgelöst, die kurz darauf in sich zusammenfallen und wieder in schwebende, sanfte Momente übergleiten. Dieser Song wäre wunderbar zur musikalischen Untermalung des Filmes zu „Ronja Räubertochter“ geeignet gewesen, kam dazu aber leider 10 Jahre zu spät. Nevermind. Wer von euch ein Buch mit ähnlicher Story zur Hand hat und sich den Lesespaß mit passender Musik versüßen möchte, der sollte sich HEMLOCKS „Exordium“ CD zulegen. Alle anderen Metalheads mit Niveau und Progrocker haben die Pflicht dieser begnadeten Kombo wenigstens posthum die ihr zustehende Ehre zuteil werden zu lassen und somit die Jungs dazu zu bringen, sich zu reformieren (wieviele „ZU’S“ habe ich eigentlich im letzten Satz verbraten?).

Samstag, 9. Oktober 2010

SANCTA SANCTORUM - The shining darkness


(2010, Black Widow Records, Italien, 53.31)
01. The end is near
02. Black sun
03. Nothing left at all
04. Master of destruction
05. Desperate ways
06. When hopes are all gone
07. The soul of truth
08. Bread of tears
09. No expectations
10. When you die
Stefano Silvestri aka Steve Sylvester, einstmals Oberhaupt der esoterischen Heavy Metal -, später dann Elektrogoth meets Glamhardrock Kultband DEATH SS und großer 70s Progfanatiker, ist wieder dort angekommen, wo vor etwas über dreissig Jahren die Reise für ihn losging. Befreit vom engen okkult - esoterischen Korsett der (ehemaligen?) Hauptband spielen er und seine Mitstreiter, darunter Danny Hughes (Bass) und Thomas Hand Chaste (PAUL CHAIN, WITCHFIELD, Schlagzeug), zwei Recken der ersten DEATH SS Besetzung, einen ätherischen, bleischweren Doom, welcher rein klanglich die sinistere Horrorattitüde frühester DEATH SS aufgegriffen hat, aber durch psychedelische und verspieltere, am 70s Heavyprog orientierte Passagen auch Grenzen überschreitet. Der Sound ist natürlich heuer perfekt, brodelt und kocht förmlich aus den Boxen, wabert wie eine schwarzviolette Wolke in Deine Welt hinein. Diese Musik ist durchaus frisch und aktuell, auch mit dem über vierzig Jahre währenden Erbe, das sie mit sich herumschleppt. Nach dem recht futuristisch knarzenden und von der Melodie etwas modern – schrägen Einlauf gibt es mit „The end is near“ einen monströsen Doombrecher, der einerseits herrlich schwerfällig und monolithisch über Dich hinwegmarschiert, andererseits aber eine gewissen Grundeingängigkeit und sogar Hitqualitäten nicht verleugnen kann. DEATH SS lugen hier aus jeder Note hervor, nur eben in der Doomvariante. „Black sun“ könnte dann eher von Steve Sylvesters „Mad messiah“ Soloalbum sein. Eine fröhlich bunte Zaubermelodie, betörende Orgelsounds, fertig ist ein wunderbarer Popsong der späten 60er, aber mit aktueller Frische und Power zelebriert. Ein weiteres Kleinod in einer gewaltigen Sammlung grandioser Stücke. Mit dem folgenden „Nothing left at all“ wird es wieder heavy und verdammt wütend. Es ist weniger Doom im Spiel, sondern sehr wuchtiger, grooviger Hardrock mit tollen, aggressiven Orgeln und eben dem dämonischen Gesang des Meisters. Die ruppigen Melodien ergeben auch hier bald schon wieder ein sehr stimmiges, mitreißendes Gesamtbild und schenken dem Stück Hitcharakter. DEATH SS sind auch hier nicht fern, aber man merkt, dass da andere Musiker noch Mitspracherecht hatten, u.a. Thomas Hand Chaste, dessen düster – doomiges WITCHFIELD Projekt ebenfalls einen kompositorischen Einfluss hatte. Weiter geht es mit schwungvoll stampfenden und tänzelnden Rhythmen, monotonen Rhythmusgitarren, spacigen Keyboards und mächtigen Leadgitarren. Dazu kommt die rostige Stimme von Steve Sylvester, die eher erdige Melodielinien einbringt. Hier regiert für meinen Geschmack eher der Spacerock als der Doom, heavy ohne Ende reißt er Dir die Seele aus dem Leib. Gerade der Klangfreakout über den regulären Songstrukturen zum Ende des Stückes hin ist komplett wahnsinnig. „Master of destruction“ ist der Titel des Stückes. Mysteriös wird es bei „Desperate ways“, einer brodelnden Mischung aus 70er Heavypsyche, Urdoom und Horrormusik, vertreten durch die dieses Mal nicht ständig auftretende Orgel. Die Strophe ist noch zurückhaltend. Man spürt allerdings diese fast unerträgliche Spannung, als würden sich sogleich die Ereignisse überschlagen. Der Refrain dröhnt wuchtig, obschon er nicht die ganze Spannung löst, was aber durchaus so gewollt scheint. Erlösend ist der Abschnitt zum Ende hin, wo sich die Leadgitarren austoben, wo Sylvester auf den Strukturen sehr intensiv emotional abgeht, die Instrumentierung einen kochenden und dampfenden Klangmatsch ergibt. Einmal noch der Strophenteil angespielt, dann ist es vorbei. Spielen können die Jungs ja wahrlich, es ist ein Genuss, den Musikern zuzuhören, immer wieder schöne Feinheiten zu entdecken, obgleich es ja wirklich donnernder Hardrock ist, der uns hier serviert wird. Aber sie können ja auch sanft. „When hopes are all gone“ suggeriert in seiner Einleitung, dass hier eine schmerzerfüllte Verzweiflungsballade folgt, aber die Wahrheit ist noch irrsinniger. Steve Sylvester schreit mit einer Inbrunst seine Pein hinaus, wie man es gar nicht gewohnt ist, die Rhythmen torkeln eher umher wie ein waidwund geschossenes Tier, die Orgel könnte auch auf einem Begräbnis gespielt worden sein und die verzerrte und effektüberladene Gitarre dröhnt abgeflogen ihre Akkorde. Es folgt eine Passage mit gesprochenem Text auf spacigen Synthieeffekten und Gitarrendröhnen, dann geht es wieder in diesen emotional exaltierten Begräbnisdoom hinein, wobei Steve hier sehr traurig klingt und die Leadgitarre psychedelische Läufe über der schleppenden Grundstruktur ausspuckt. Es folgt ein Bruch, eine stampfende Rhythmik, der Bass wummernd wie eine Maschine, die Gitarre knarzend im Hintergrund, ein wütender Steve Sylvester darüber seinen Zorn hinausschreiend, im Hintergrund noch spacige Synties. Mit anderem Gesang hätte das hier auch von den Altmeistern HAWKWIND sein können. Die Gesangslinie bleibt kurz, es die Instrumente wabern nurmehr, dann ist es aus. Bei „The soul of truth“ erschafft zunächst die Orgel ein gewaltiges Klangbild, nicht düster, sondern eher majestätisch. Im Hintergrund sind wortlose Männerchöre zu hören. Bruch. Es groovt und rockt mit einer Schwere aus den Boxen, dass es kein Halten gibt. Verzerrte Bassläufe unterstützen als grandiose Melodien die Gitarren. Das sind durchaus moderne Anklänge, die dem Hörer zeigen sollen in welcher Zeit sich SANCTA SANCTORUM befinden. Dieser Song ist moderner Stonerhardrock mit steinalter Seele und saugt Dich regelrecht in sich auf. Ruppig und doch zugleich betörend gibt sich die Band hier. Zum Ende hin gibt es sogar wieder eine versöhnlichere, verträumt dahinfließende Passage. Fantastisch. „Bread of tears“ ist ein kurzer, grooviger Acidrocker mit übelst verzerrter Gitarre, mystischer Gesangslinie und pumpenden, hypnotischen Grooves, die sich für den Solopart etwas begradigen. Hier wird ein begnadeter Popsong geboren, der allein durch die donnernden Sounds, welche aus den Arrangements hervorquellen, die Charts verfehlen dürfte. 70er Einflüsse finden sich hier ganz offensichtlich, das fängt bei der packend gefühlvollen Gesangsmelodie an. Und so langsam komme ich drauf. Steve Sylvester mag zurück zu seinen Wurzeln geschielt haben, doch er ist noch einen Schritt weiter nach vorne gegangen, sprich, er hat sie alle irgendwie gelinkt und das auf unheimlich geniale, sehr ehrlich sympathische Weise. Doomfanatiker und Altfans der DEATH SS Band werden sich mit viel Geduld diesem Album annehmen müssen. Die Liebhaber der Elektroheavyglamrockphase von DEATH SS zum Ende hin könnten sich ebenso schwer tun, vielleicht noch schwerer, weil die Band hier wieder organische Klänge auffährt und eben mit dem alten Spirit spielt. Fakt ist, dass ein jeder freidenkende Heavyrocker mit Hang zu psychedelischen und spacigen Klängen hierauf abgehen wird. „No expectations“ ist stampfender Heavyrock, natürlich psychedelisch, hypnotisch, monolithisch und für diesen Musikerhaufen typisch ein absoluter Hit. Ich würde das Stück fast eher der WITCHFIELD Band zuordnen, aber das ist eigentlich egal, diese Zusammenkunft erleuchteter Geister schafft hier einen straighten, erhabenen Song, der Dir direkt ins Blut geht, tief in Deiner einen Flächenbrand entfacht. Die räudige Wolfsstimme von Steve Sylvester und die süßlich nach Verwesung duftenden Keyboards und Orgeln sind fantastisch. Hier wird großer Pomp aufgefahren, eigentlich, aber die erdige Produktion und diese dreckeligen Doomrockriffs wirken wie Bleigewichte, halten den Song am Boden. Und einer geht doch noch rein, oder? Ein majestätisch düsterer Stampfer, wer hätte das gedacht? BLACK SABBATH beeinflusst, also steinalter Bluesrock auf unheimlich dunkel getrimmt, gerade bei der Gesangslinie. Das ist absolut 70er tauglich. Die Orgel heult beschwörend und morbide, als wären wir auf einer Beerdigung. Steve singt mit etwas tieferer, aber weniger rostiger Stimme. Bass und Gitarren röhren infernalisch. Der Song gräbt sich Dir förmlich in alle Sinne ein. SANCTA SANCTORUM sind, wie DEATH SS schon, bohrend eingängig, dabei aber herrlich schräg und nihilistisch. Bei „When you die“ gibt es alle Trademarks beider Bands noch mal vereint. Die Leadgitarre ist grandios, brennt ein Feuerwerk ab, das sich gewaschen hat. Tolle, vom Irrsinn zerfressene Soli auf brodelnder Klanglava. Spacerock und Doom werden eins. Ich heiße Steve Sylvester und seine neue Band willkommen. Die alten und jungen Recken der italienischen Metalszene haben uns bewiesen, welche Kreativität tatsächlich noch in diesem Land steckt, abseits von der ganzen neoklassischen Bombastschiene. Tolle, auf surrealistische Weise knallbunte und doch zutiefst düstere Platte und ein Highlight für 2010 abseits der gängigen Genredogmen. Und BLACK WIDOW RECORDS haben sich zudem noch bei der Scheibe mächtig ins Zeug gelegt, die CD im superben "Magipack" (Digi halt) und die LP in zwei verschiedenen Vinylfarben rausgehauen. Grossartig!

Sonntag, 3. Oktober 2010

ABYSMAL GRIEF - Misfortune


(2010, Black Widow Records, Italien, 48.05)
01. Ignis Fatuus
02. Cadaver Devotion
03. Crypt of Horror
04. The Arrival of the Worm
05. The Knells Accurse
06. Resurrecturis
Dunkel sind die Hüllen des Todes. Und da der Tod eine Hauptrolle in der spirituellen Welt des Regen Graves aus der italienischen Hafenstadt Genua spielt, ist wohl klar, dass auch seine Musik entsprechend von Dunkelheit geprägt ist. Nachzuhören auf den älteren EPs der Band ABYSMAL GRIEF und ihrem grandiosen Debütalbum von 2007.

Nach drei langen Jahren schmieden die Horrordoomer, welche sich nunmehr als echte Band präsentieren, ein neues, sehr morbides Langeisen, gelegen zwischen den musikalischen Polen Gruftrock und Doom, von letzterem die erdig brodelnde Variante. Gleich der Opener „Ignis fatuus“ saugt den geneigten Fanatiker dunkelster Musik tief in die Abgründe der Verdammnis mit einem Gesang, der wegen seiner tiefen und dämonischen Lagen direkt aus einer feuchten, verwurmten Gruft zu stammen scheint. Dabei aber sind nach wie vor Harmonien in der kehlig knurrenden Stimme auszumachen. Der Einfluss des beschwörenden Gothicrocks der 80er ist hier deutlich spürbar. Die alten FIELDS OF THE NEPHILIM lassen grüßen, obschon ABYSMAL GRIEF einen anderen Ansatz einbringen und wesentlich minimalistischer als die verspielten, beinahe progressiven Briten zuwerke gehen und genüsslich auf simplen, aber effektiven Läufen verbringen herumschwanken können, als wären sie gerade frisch dem Grab entstiegen.

Der Opener hat einen entspannten, aber doch treibenden Groove und im Solopart eine aufgewühlte, kochende Leadgitarre zu bieten. Das zweitplatzierte „Cadaver devotion“ legt noch gut anderthalb Minuten an Länge drauf und stapft rhythmisch gesehen hypnotisierend daher, wie bei einem rituellen Urvolktanz, abgesehen von den kriecherischen Passagen reinen Dooms. Stets omnipräsent sind Keyboards respektive Orgeln. Gespielt vom passionierten Zylinderträger Labes C. Necrothytus, der auch für die schaurige Stimme die Verantwortung trägt und seit jeher das charismatische Antlitz dieser Band prägte.

Ein paar Schritte auf einem Weg aus Sand und Kieseln, das Klappern eines Eisentores, dann ist man in der „Crypt of horror“. Eine herrlich schmierige Orgel wie aus Horrorstummfilmen der 20er Jahre spinnt eine süßlich nach Verwesung duftende Melodie über brachiale, straight groovende Riffs. Auf allem thront wieder Necrothytus mit seinem faszinierend bösartigen Gesang. Abwechslungsreichtum? Hört mir auf. ABYSMAL GRIEF wollen Euch einspinnen, wollen Euch hypnotisieren und Eure Seele aussaugen, das schaffen sie mit der gekonnt monotonen Inszenierung ihrer Stücke, welche auf gewisse Weise eine nicht unerhebliche Eingängigkeit mit sich bringt. Die Chembaloklänge im hinteren Abschnitt des Songs, welche wohl statt eines Gitarrensolos als Zierde dienen, haben schon einen Ausdruck von Besessenheit. Gespielt werden sie virtuos, gemahnen an die Abritte alter Progrockhelden und gerade an denen mangelte es im Italien der 70er gewiss nicht.

Eine sehr düstere, sakrale Orgelmelodie und ein Horrorfilmsynthesizerlauf vereinen sich zur Einleitung von „The arrival of the worm“, einem der kürzeren Tracks hier. Diese Melodie walzt voran, ab und an von eintönig klingenden Glocken durchzogen. Darüber fängt Necrothytus nach einer Weile an, beschwörende Formeln zu murmeln. Wen er da nun heraufbeschwören möchte, wer dieser Wurm sein soll, das möchte man gar nicht wirklich wissen. Dieser nicht ganz Viereinhalbminüter verharrt auf den komplett dementen Orgel – und Synthesizerläufen, die im weiteren Verlauf immer mehr an Irrsinn zulegen, ohne ihren monotonen Gang aufzugeben.

Eine Kirchenglocke läutet mit einem dumpfen Schlag „The knells accurse“ ein, wieder sägt sich brodelnd die ultimativ verzerrte Doomgitarre durch ständig wiederkehrende Akkordfolgen, wiederum setzen sich mysteriöse Keyboards wie die Patina vieler Jahrzehnte auf ihren Strukturen ab. Gewisse Passagenwechsel halten das Lied spannend. Es ist und bleibt jedoch ein absolut sinisterer Kultdoom und durchgehend, bis auf wortloses Grollen und Ächzen im Hintergrund, instrumental. Die schweren Riffs und die makabren Orgelmelodien führen diesen Song. Ein prototypisches Doomsolo mit rollenden Noten, einer klagend jaulenden Gitarre entrissen, brennt und schneidet Dir die Sinne frei. Fahrt wird aufgenommen zum Ende des Stückes hin, die letzten anderthalb Minuten gibt es sogar rollende Doublebass Drums. Verwirrendes Glockenspiel lässt nicht nur meine Gesichtszüge, sondern gleich all meine Sinne entgleisen. Wow…

Höhepunkt dieser Horror Musik Orgie ist dann mit dreizehn Minuten „Resurrecturis“, der Rauswerfer. Die Riffs sind typischster Doom, auf ihnen liegen beschwörend erhaben düstere Orgeln. Dann kommt wieder Necrothytus mit seiner grollenden Grabesstimme und zeigt, wie der Zusammenschluss von BLACK SABBATH und den FIELDS OF THE NEPHILIM klingen könnte. Ein herrlicher Schlusspunkt für ein sicher fernab aller Mainstreamkonventionen und aller Genredogmen des wahrhaften Dooms liegendes, großes Album mit charismatischer Ausstrahlung. Als Horrorliebhaber wird man um diese Scheibe kaum rumkommen. Die Zukunft im Doomunderground gehört wegen ihrer querköpfigen Gothic / Doom Kreuzerei dieser Band. Nach knapp der Hälfte Spielzeit nehmen ABYSMAL GRIEF alle metallische Wucht aus dem Stück und lassen einen Bass eintönig grummeln, setzen Windrauschen ein und lassen es zwei Minuten drauf wieder herrlich krachen.

Für wagemutige Doomverfechter, die sich mit einer tiefen, grollenden und doch harmonischen Stimme anfreunden können. Ich möchte nochmals darauf hinweisen, dass ABYSMAL GRIEF sich zwar sehr stark mit dem Tod auseinandersetzen, dies auch auf eine sehr spirituelle Weise, jedoch mit Blackmetal und dergleichen nichts zu tun haben. Ihre Symbolik ist durchweg christlich geprägt, auch wenn man hier nicht selten eine hinterfragende Position vertritt. Alles in allem ein grandioser Bastard aus Doom und 80er Gothicrock der finstersten Sorte. Ich bin großer Fan.

Dienstag, 21. September 2010

MUGSTAR - Lime


(2010, Important Records, UK, 40.07 min)
01. Sunburnt impedance machine
02. Serra
03. Radar king
04. Beyond the sun
MUGSTAR sind eine britische Spacerockband aus Liverpool und passen so gar nicht zum Bild der Stadt am Mersey River. Keine Beatmusik, sondern betörend mystische Gitarrenmelodien und repetative Songstrukturen sind hier gefragt, Bands wie HAWKWIND, CAN, KRAFTWERK, früheste PINK FLOYD und ähnlich gelagerte Helden standen Pate. Da wären wir auch gleich im ersten Song. Die einleitenden Läufe sind herrlich dunkel und verzaubernd, die intensiven Gitarrenmelodien verbreiten eine sehr intensive mystische Atmosphäre. Ein wenig textloser Gesang erscheint, entschwindet rasch wieder. Es ist der einzige Gesangseinsatz auf dem kompletten Album. Eine sich stets wiederholende Basslinie drängt in den Vordergrund. Um sie herum bauen sich Strukturen von Schlagzeug, Gitarren, Orgel und Synthesizer auf, mal der gekonnt inszenierten Monotonie der Basslinie folgend, mal eruptiv und wild. Die Stimmung hier ist hypnotisch, den Rand der Ekstase touchierend, bei einigen Breaks sogar überschreitend. Hier lassen, rein von der Ausstrahlung her, die alten Helden grüßen und MUGSTAR schließen direkt zu ihnen auf. Dann ein abruptes Ende, der Song bricht zusammen, ist fort. Wohin geht die Reise nun? Gewabere vom Synthesizer, ein treibender Beat, ein Basslauf, welcher diesem Beat folgt. Sporadische Einspielungen der relativ klaren Acidgitarre, ein Saxophon mit frei gespielten Läufen und verschiedene synthetisch erzeugte Klapper - und Blubbergeräusche betören Dein Gemüt. Du schwebst auf diesem nach wie vor hingebungsvoll die Monotonie zelebrierenden Sound, bis dass alle Klangspuren miteinander verschwimmen und zu einem Strom verschmelzen, der Dich mit sich trägt. Keyboardmelodien erscheinen und bringen durchaus einen Hauch Wave / Pop mit sich, der den Spacerock von "Serra" gekonnt auflockert. Hier sind die Einflüsse von TANGERINE DREAM und KRAFTWERK sehr deutlich, werden mit CAN Elementen verbunden. Wenn man denn Vergleiche braucht. Ich bin fasziniert, denn auch wenn viele Bands heuer Spacerock spielen und sich auf die alten Helden und Tugenden berufen, man muss dafür geboren sein. MUGSTAR sind es. Zum Ende von "Serra" hin kommt eine schöne Farfisaorgel ins Spiel, welche an amerikanische Westküstensounds von 1968 denken lässt, der Garten des Lebens öffnet dem Schmetterling aus Eisen hier seine Pforten. Schöne melodische Independentrockgitarren kontrastieren die knarzende Orgel. Very british, indeed. Aus der Monotonie heraus werden wunderschöne Melodien geboren, die nicht von dieser Welt zu stammen scheinen und doch bleibt "Serra" seiner Linie treu, lässt nicht ab von den spröden Saxophoneinsprengseln und den repetativen Grundstrukturen. "Radar king" hiernach ist ein heftiger Rocker mit intensiven, brodelnden Melodien und donnernden Rhythmen, der wie ein vom Sturm aufgepeitschtes Meer tobt und wütet, aber auch ganz sachte, entspannte Momente in sich trägt, welche der geprügelten Seele einige Augenblicke der Ruhe gewähren. Der Song nimmt einige Kurven und gelangt über verschlungene Pfade ans Ziel, lässt betörende Passagen über wuchtigen Rhythmen schweben, trägt Dich mit Kraft hinaus ins freundliche Universum, direkt zur Quelle des universalen Bewusstseins. Ja, das hier ist definitiv Musik, welche Dich auf eine andere Ebene bringt. Auch "Radar king" hat diese Steigerungen der Intensität hinein in wilde, krachende Bereiche, die jedoch stets von straighten Bassläufen getragen und von dunklen, machtvollen Melodien im Zaum gehalten werden. Nun sind wir der Sonne verdammt nah gekommen und haben uns direkt unter ihr einen Platz besorgt, so verheisst der nächste, letzte Titel. Eine knarzende Orgel macht den Anfang, dazu gesellt sich ein hübscher Independentbass. Ein leichtes Schlagzeugspiel reiht sich ein und schon schwebt man auf einem wundervollen Klangteppich hinfort. Da ist aber doch wieder der wortlose, mystische Gesang im Hintergrund. Hinhören lohnt sich also doch. Flatternde Synthesizer verdichten die Atmosphäre, sachte gespielte Gitarrenjauler tauchen auf, weit hinten im Klangdickicht verborgen. Dann ein Bruch und die Rückkehr in den schwebenden Teil des Songs. Die Atmosphäre ist so friedvoll, so erhaben. Hier steckt die pure Liebe in jedem kleinen Detail. Der Gesang wird sogar lauter und doch bleibt er nur ein kleines Detail in einem üppigen Arrangement. Die Gesamtmelodie des Stückes mag sich wiederholen, aber was auf diesem Album wiederholt sich nicht? Sie flüstert Dir zu, wie Du mit dem universellen Bewusstsein verschmelzen kannst, wie Du Deinen Geist befreien kannst. Und im Grunde ist sie sogar das Werkzeug dazu. Also, der britische Spacerock mit krautigen Wurzeln ist am Leben und stärker denn je zuvor. Sogar die Urväter HAWKWIND haben ja in diesem Jahr eine neue Platte gemacht. Ich kann diese Scheibe von MUGSTAR jedem Fan krautig spaciger Klänge empfehlen, sofern die Seele weit offen steht und man sich treiben lassen kann. Grandiose Scheibe, wenn auch nicht innovativ. Aber dann frag ich mich auch, warum man Perfektion mit Innovationen zerstören sollte? MUGSTAR sind das Universum und das Universum ist perfekt...

Sonntag, 5. September 2010

OBSKURIA - Burning sea of green


(2010, World In Sound, BRD/USA/PERU, 45.52)
01. A - bun - dance
02. Somewhere
03. Why?
04. Black magic
05. Under the gallows
06. Slow stone
07. Memories of Mysteria
08. Screaming like a whirlwind
09. Burning sea of green
Dem guten alten Acidrock und Heavypsyche geht es momentan anscheinend besser denn je. Die spassige Jamband OBSKURIA aus Deutschland, Peru und den USA bestätigt dies. Eigentlich war es ein Studiojam anlässlich des TRIP IN TIME Festivals 2006, dort traten u.a. die TREACLE PEOPLE aus Süddeutschland, die 70er US Acidrocker DRAGONWYCK und die peruanischen Spacepunks LA IRA DE DIOS auf, wurden von WORLD IN SOUND Labelchef und Festivalmacher Wolf abgefüllt und zum Jam gebeten, inklusive Coverversion von METALLICA "For whom the bell tolls" und ab dafür. Ein acidrockig heavypsychedelisches Album erschien 2007 und man dachte, dass es das gewesen sei. Falsch...2010 sind OBSKURIA wieder da. Ihr Heavypsyche ist geblieben, mal bluesiger, mal etwas moderner mit dezentem Waverockeinschlag und hektisch groovenden Rhythmen, aber stets wunderschönen Melodien. Die Mitglieder der TREACLE PEOPLE sind aus dem Line Up verschwunden, LA IRA DE DIOS komplett verblieben, dazu als Gitarrengott DRAGONWYCK Mastermind Tom Brehm. Hinzugekommen sind Organistin Sandra Disterhöft, Sänger Matthias Schäuble und Sängerin Murielle Stadelmann. In dieser Besetzung ist eine mächtige Acidrock CD gelungen, welche die klassischen Motive und Elemente des Genres in die Gegenwart trägt und erfrischt auf die geneigten Säureköpfe loslässt. Allein der fast dreizehnminütige Titeltrack am Ende der Scheibe ist schon eine grandiose Abfahrt, pendelt zwischen brodelndem Psychedelicbluesrock, verhalltem Orgelhardrock auf Basis von Blues und Boogie und krachenden Soundwällen mit Freakoutcharakter bzw. steigert sich von einer Station zur nächsten. Sängerin Murielle liefert eine heimsuchende, betörende Performance ab. Sie ist eine klassische Blueschanteuse, bringt aber bei diesem Stück eine gewaltige Portion LSD geschwängerter Phobien ins Spiel und lässt den Hörer regelrecht erbeben.
Neben "Burning sea of green" hat sie noch einen besonders starken Moment. Eine Acidrockband covert SLAYER. "Black magic" um genau zu sein. Hier regiert der fröhliche Psychedelicpunkrock mit lyrisch deftig satanischer Kelle, die natürlich unfreiwillig komisch wirkt, da die SLAYER Burschen beim Komponieren des Songs wohl alle erst 16 bis 20 Jahre jung und durchaus grünohrig waren. Anyway, im Psychedelicrockgewand klingt das Stück frech und frivol und lädt zum Besinnungslostanzen ein. Sweet! "Under the gallows" ist das Meisterstück von Sänger Matthias, welcher für mich eher zu Indie - und Postpunkbands bzw. 80er Gothic / Gruft Sounds passen würde. Ein sehr schöner Kontrast zu Murielle und für dieses ungezwungene, freimütige Album gerade richtig. Und so ist "Under the gallows" ein Mix aus hektischem Wave / Postpunk Sound der 80er mit nervösem, hypnotischem Drumming, simplen Gitarrenthemen, Sandras Old School Acidorgel, monoton betörendem Gesang und pumpendem Bass, der zwischen 60ern und 80ern seinen eigenen Weg sucht. In der zweiten Hälfte wird der Song ekstatisch, die Gitarren surren und zischen effektüberladen dahin, die Leads kommen wie von einem Besessenen zelebriert, alles scheint schier zu explodieren. Wer jetzt nicht zusammenbricht, der braucht diese Scheibe nicht zu hören. OBSKURIA machen es richtig und vereinen die Vergangenheit und die Gegenwart zum Sound der Zukunft. Das Album klingt so leidenschaftlich und bittersüß wie die Psychedelicscheiben der späten 60er, hat aber gleichzeitig die Melancholie späterer Independend - und Gruftrocksounds dabei. Und es wirkt stets wie aus einem Guss. Wenn das hier nur eine Jamband ist, dann würde mich mal interessieren, wie eine feste, konsequent durchgezogene Zusammenarbeit klingen könnte. Es ist grandios...

Sonntag, 11. Juli 2010

VERGESSENE JUWELEN: PLUTO - Pluto


(1971, Victor, UK, 37.08)
01. Crossfire
02. And My Old Rocking Horse
03. Down And Out
04. Shes Innocent
05. Road To Glory
06. Stealing My Thunder
07. Beauty Queen
08. Mistere Westwood
09. Rag A Bone Joe
10. Bare Lady
Einen erdig groovenden Hardrock brachte uns diese britische Formation auf ihrer 1971 beim VICTOR Label erschienenen LP. Drei treibende Fetzer mit geradlinigen Melodien und Riffs bildeten das eröffnende Triumvirat der Scheibe, bevor mit "She's innocent" eine sanft dahinschwebende Ballade die Szenerie betritt, bei der die akustische Gitarre wunderschöne kleine Läufe spinnt, die durchaus einen folkigen Hintergrund haben könnten, für einige lautere Momente dann aber das Szepter an eine knarrende Heavyklampfe abgibt. Gerade in ihrer typischen Art liegt ihre Schönheit und die großen Gefühle entspringen der Schlichtheit. Entspannt und locker rockt die Gruppe hiernach voran, wobei ich es nicht als den Standardmachohardrock der frühen 70er bezeichnen würde. Ein leicht dunkler Hauch entströmt einem Song wie "Road to glory", bei dem der Sänger schon zu hinterfragen scheint, ob ein kompromissloses Beschreiten dieses Weges ganz richtig ist. Doch der hypnotisch groovende Instrumentalpart am Songende lässt keine weiteren Gedanken darüber zu, der Sänger ist bereits auf diesem Weg gefangen und geht ihn bis zum bitteren Ende. Auch cooler Boogie ist den Engländern nicht fremd, selbst wenn es ein wenig tief im Standard gehaltener Sound ist. Sie machen es mit Liebe und Leidenschaft. Die Soli des Gitarristen, eine Orgel oder dergleichen findet hier nicht statt, sind hingebungsvoll und dampfen vor Lust. Besessenheit? Nun, ganz so ekstatisch geben sich PLUTO nicht. Ein wenig härter wie die FACES oder die ROLLING STONES, cool und bluesig wie die GROUNDHOGS, aber straighter und entspannter. Den frühen 70ern in allen Belangen gerecht werdend halt. Sie können aufdrehen wenn sie wollen, doch sie warten ab. Die mehrstimmigen Popgesangsharmonien bei "Beauty queen" scheinen auf die Charts zu zielen, aber das ist okay so. Sie haben Charme und Seele, wie der ganze, gemässigte Rocksong. Sicher eine Scheibe, für die man nicht unbedingt töten wollen würde, bis man ihre Seele erkennt und sich überlebenstief in sie verliebt. Die Band hat trotz der Standardstilistike Charisma, der helle, spitze Gesang ist eigenständig. Gutes Teil für Freunde gepflegter Rockpackungen, die eben auch mal verhaltener sein dürfen.

REINSTER UNDERGROUND: MAHOGANY BRAIN - Smooth sick lights (


(1972/77, Pôle, Frankreich, 47.52)
01. Green Winter Of Revolvers
02. Cathedral’s Skirts
03. Church
04. Purple Overdose No. 102
05. Silkskin Dawn
06. Tongues-Movie: Doctor Cloud
07. Rose Sad Sea
08. Diamond Voices Of Stars
09. Burning The Vibes
Hier haben wir ein Beispiel dafür, was passiert, wenn man einem Haufen Hippies und Revoluzzern ohne Vorkenntnisse von Musik Drogen und Instrumente gibt. MAHOGANY BRAIN sind ein französisches Freiformprojekt, das vorliegende, 1977 auf dem avant gardistisch orientierten PÔLE Label veröffentlichte Album wurde bereits 1972 in einem Anfall kollektiven Wahnsinns und im Zustand tiefsten Rausches aufgenommen. Es klingt vollkommen aus der Bahn geraten, degeneriert, strukturlos und aller Orientierung beraubt. Aber blicken wir einmal hinter die Fronten dieses dadaistischen Klangausbruchs und wir werden trotz der eher unprofessionellen Liveaufnahmen vom Juninachmittag 1972 einen Haufen Musiker mit Plan entdecken. Gitarrist, Bassist und Schlagzeuger sind nämlich nicht einfach nur musikalische Neanderthaler, die bis zum Haaransatz bedröhnt und halluzinogenisiert sinnlos auf ihre Instrumente eindreschen. Es ist eine kollektive Liveaufnahme, eine Jamsession, wie sie für jene Zeit, eher aber noch für die späten 60er typisch war. Hippiemusik, frei, improvisiert und durchaus ein wenig versiert, auch wenn vieles schräg und neben der Spur klingt. Der experimentelle Krautrock glühte bereits einer wilden Sonne gleich vom Horizont und das färbte auch auf die Nachbarländer ab. Was AMON DÜÜL, die 1, nicht die 2, da 1968 in ihrer gewaltigen Session eingespielt hatten, was dann in den kommenden Jahren zum Teil zu Unrecht von gierigen Plattenfirmen als "Psychedelic underground", "Paradieswärts Düül", "Collapsing" und "Disaster" veröffentlicht wurde, ist keinen Deut anders als das, was MAHOGANY BRAIN hier verzapfen. Vielleicht noch einen Zacken revolutionärer, weil früher dran. Ja, wie in rasende Besessenheit oder besessene Raserei verfallen gibt sich die Band hier in den eruptiveren, freiförmigeren Momenten, hat aber mit "Silkskin dawn" durchaus auch eine niedliche Psychedelicrocknummer mit bekifft schrägem Frauengesang. Und wer sich die Mühe macht, dieses Inferno ein zweites oder drittes Mal zu durchleben, der wird in den verworren lärmigen Klangströmen sogar die eine oder andere berührende Melodie ertrinken sehen. Boogieeinflüsse, Psychedelic, Blues, Freejazz, die Jungs und das Mädel wurden durchaus beeinflusst. Ich würde ihnen die frühen, freiesten PINK FLOYD, VELVET UNDERGROUND feat. Nico, AMON DÜÜL und Leute wie Zappa und Beefheart als Vorbilder zuordnen, vielleicht noch Jazzer wie Coltrane, auch wenn das etwas weit hergeholt scheint. Sicher sind die Vorbilder spielerisch noch versierter, außer dem teutonischen Kollektiv, aber die Richtung stimmt. Für Freunde von betörend süßem Psychedelicpop ist das hier nicht geeignet, eher für einen Acidfreakout, bei dem man nicht unbedingt nach der Herkunft der Pilze und Säfte fragt, die da auf den Tisch kommen und wobei man schon mal das kleine blaue Raumschiff starten sieht. Der Sound der Scheibe ist natürlich wie ihre kompositorische Beschaffenheit, rau, matschig und unproduziert. Und doch finde ich diesen Gewaltjam von der ganzen Art her, von seinem Ausdruck und der Art, wie er mich berührt, so ergreifend faszinierend. Ich bin regelrecht verliebt, kann aber genauso nachvollziehen, dass Musikliebhaber mit anderen Ansprüchen extrem hasserfüllt darauf reagieren. Nur für Grenzgänger und - überschreiter.

Mittwoch, 26. Mai 2010

VERGANGENE GROSSTATEN: SONIC VIOLENCE - Jagd


(1990, Peaceville, UK, 49.20)
01. Saturation
02. Crystalization
03. Blasphemer
04. Tortured (Dub)
05. Adrenalin
06. Ritual
07. Symptom
08. Force
09. Manic
10. Glory
Aus der englischen extremen Musikszene der 80er kommen auch diese freundlichen Herrschaften hier, SONIC VIOLENCE, die 1990 mit ihrer LP "Jagd" auf PEACEVILLE RECORDS einen Klassiker monolithisch atonaler Musik geschaffen, die im weitesten Sinne dem Industrial zuzuordnen ist. Industrialrock oder - metal, je nachdem wie man die Wucht und den Grad der Verzerrung der Gitarrenfraktion deuten möchte. Kein Song kommt ohne diese donnernden, quietschenden,schnaufenden, schwerfällig ackernden Klampfensounds aus, welche an eine gewaltige Dampfmaschine erinnern, in die sich zuweilen ein leichter Hauch von Melodie einfügt, wenn der Gitarrist entweder kleine Änderungen in seinen nach wie vor atonalen Strukturen zulässt oder minimalistische, dennoch eindringliche Notenfolgen spielt. Darunter rattern Bass und Schlagzeug repetative, hypnotisch wirkende Grooves herunter, perfekt abgestimmt, mit jedem Schlag an seinem Platz. Der Maschinenführer brüllt darüber zornig und mit stets charismatischer Stimme seine Kommandos. Ja, das sitzt. Man sieht vor dem geistigen Auge schwitzende, muskulös gebaute und von oben bis unten mit Öl und Ruß verdreckte Arbeiter diese machtvolle Soundmaschine in Gang halten. Das ist in der Tat Industrialmetal. Einflüsse lassen sich bis zum monotoner gehaltenen New Wave und minimalistischeren Postpunk der späten 70er und frühen 80er zurückverfolgen, die sägenden, dreckig infernalischen Klampfen zeugen von einer weiteren Verwandtschaft zum britischen Hardcore / Grindcore / Deathmetalspektrum, siehe AMEBIX, AXEGRINDER, NAPALM DEATH. Fans von Bands wie GODFLESH oder den etwas später aufgetretenen, noch deathigeren PITCH SHIFTER sollten sich dieses Goldstück bei Sichtung einverleiben. Mächtig beeindruckende Scheibe.

Mittwoch, 5. Mai 2010

FORGOTTEN NORTH auf RADIO ZUSA im Raum Lüneburg

In der Sendung RASTENSCHLEIFER auf dem Sender RADIO ZUSA im Raum Lüneburg haben wir mit FORGOTTEN NORTH eine erste Radioappearance.

Dem Rastenschleifer Team unseren herzlichen Dank!

Samstag, 17. April 2010

RIP Lora 19? - 16.04.2010

Ich bin gerade geschockt, gegeißelt und völlig geplättet. Lora, der Kultpapagei, sozusagen die gute Seele unserer Lieblingskneipe in Glückstadt wurde gestern Nacht vom Hund eines Gastes zu Tode gebissen.

Lora war ein Inbegriff von Rock'n'Roll, liebte guten Metal und Heavyrock, insbesondere die V 8 Wankers.

Ich vermag meine Gefühle nicht in Worte fassen...

Mittwoch, 14. April 2010

VERGESSENE JUWELEN: MONEY - First investment


(1979, Gull, UK, 35.39 min)
01. Mari-Anna
02. Leo the Jester
03. (Aren't We All) Searching
04. Geneva
05. Cosmic Lullaby
06. Opening Night
07. Finale
08. Statements and Demands
09. Remembering (M.G.O.)
10. Goddess
Eine episch progressive Hardrockschlacht wird auf dieser Wiederveröffentlichung geschlagen. MONEY sollten eigentlich zur Speerspitze der NwoBHM gehört haben, landeten leider, trotz Deals bei Gull Records (u.a. JUDAS PRIEST in frühen Tagen) auf den hinteren Rängen, denn sie waren gerade so in der Startphase der Bewegung präsent, haben 1980 nach einer letzten EP wieder das Handtuch geworfen. „First investment“, das Album, ist von 1979, zu früh, zu verspielt, zu progressiv vielleicht für den verdienten Megaerfolg. Der Opener ist ein unaufdringlicher, aber liebenswerter Heavyrocker mit ellenlangen Soli und noch recht straight. Melodischer, ätherischer und proggiger wird es mit „Leo the jester“, welcher später noch auf einer NwoBHM Compilation landete. Da sind nachdenklich stimmende ruhige Parts, fröhlich dahinschwingende, leicht abgehobene Strophen, sanfte, symphonische Refrains von großer Erhabenheit und sehr intensive instrumentale Zwischenpassagen mit packenden melodischen Soli. Alles sehr eingängig aufgebaut. „Aren't we all searching“ ist ein geradliniger Hardrock mit cooler Melodie und ein paar abgehobeneren, progressiven Läufen. Anspruchsvoll und doch schön zum Mitgehen geeignet, ein Ohrwurm. Dieser Song war die 78er Single A Seite, dessen B Seite hier als Bonus verwurstet wurde. In seinem Mittelteil wird wieder furios soliert, dennoch bleibt man melodisch. Immer wieder gibt es kleine Gitarreneruptionen, die dem Song noch ein wenig mehr Wucht verleihen. Du liebst die Scheibe auf der Stelle.“Geneva“ ist ein kürzerer, aber sehr progressiver Rocker mit euphorischer Melodieführung und vielen Wechseln. Irgendwie leicht schräg und sperrig, aber definitiv cool. Man hatte mit solchen Stücken den klassischen Progrock bereits hinter sich gelassen, war moderner, der frickeligeren Seite des Neoprog zugewandt. Ein schönes Instrumentalstück auf der Akustikgitarre ist „Cosmic lullaby“, welches dann von einem spacigen Synthesizerblubbern beendet wird. „Opening night“ ist dann ein A Capella Song mit Elementen alter britischer Folk – und Chormusik. Nicht unbedingt Metal, aber verdammt gut und für eine eher progressive Platte durchaus tragbar. Mit „Finale“ wird dann wieder hart, melodisch und fröhlich, ja geradezu hymnenhaft euphorisch gerockt, obschon die Verspieltheit dieses Stückes nicht unerheblich ist. Irgendwo zwischen härteren SWEET, YES, QUEEN und JUDAS PRIEST mogelt sich die Band hier durch die Botanik und macht ihre Sache so abartig gut. Der Gesamtsound der Scheibe ist natürlich typisch 1979, aber dafür sehr transparent. Schön roh und ungezähmt klingt „First investment“. Hier zeigt sich eine Band von Könnern sehr inspiriert. Lovely. „Statements and demands“ ist wieder theatralischer, melodisch progressiver Rock mit härterer Kante, verspielt, ätherisch, eigensinnig, mit einigen Elementen alter britischer Musik in der Strukturierung und Melodieführung. „Remembering (M.G.O.)“ rockt geradlinig, mit schöner, unkomplizierter Melodie und leichtem Feeling härterer Rocksachen der damaligen Zeit wie UFO oder MONTROSE. Geil ist dann der letzte originale Albumtrack „Goddess“, schöner, verspielter Hardrock mit vielen mystischen, ruhigen Passagen und epischer Ausstrahlung. Die Band hat einige geheimnisvollere Stimmungen in dieses Prachtstück eingebaut. Feine Sache! Für NwoBHM Liebhaber, Freunde progressiven Hardrocks wie CHASAR, SHIVA oder SARACEN und PALLAS ist das hier eine Pflichtübung. Die Band schreibt eigenständige Songs, die auch nachhaltig im Schädel bleiben! Und es gibt eine Wiederveröffentlichung auf CD mit einem coolen Bonustrack! Kaufen!

VERGESSENE JUWELEN: RAVENS'HEAD - From the darkness


(2002, Privatpressung, Australien, 48.32)
01. Martyr
02. Arcana
03. Play Me For the Fool
04. Did You Ever
05. The Gates of Hell
06. Closing My Eyes
07. Tears in the Rain
08. Legend
09. Do You Believe
10. Sands of Time
11. How Many Times
Hier tut sich ein neues australisches Pflänzchen auf, aber was für eins. Die Sängerin gehört zu den kraftvollsten ihrer Zunft seit den guten alten Acid Tagen, das Riffing ist, trotz Hardrockroots und Eingängigkeit, verdammt heavy, es überrollen einen die Gitarrenläufe praktisch. Dazu donnern Bass und Schlagzeu einen geradlinigen, dennoch mit hintergründigen Details gespickten Beat. Gewaltig? Oh ja! Epische Momente, schneller Heavymetal mit rockigem Ausdruck, ein dezent entfesseltes Feeling und eine Menge Wahnsinn prägen dieses Album. Die Boyz und das Girl sehen zwar ganz und gar nicht nach dem irren Metal aus, den sie da spielen, aber was tut das schon zur Sache, man sollte eben ein Buch nicht nach dem Einband beurteilen, gerade in der heutigen Zeit. Irgendwie müssen Ravens‘ Head doch gekifft und zeitgleich noch Ekstasy geschmissen haben. Ihre Songs haben ein wahrlich losgelöstes Feeling und gleichzeitig die Kraft einer tollwütigen Dampflok. Das hier ist Heavysound der ehrlichsten Art. Es wird nicht mit sphärischen, ruhigen Momenten gegeizt, doch kommen die immer nur dann zum Tragen, wenn es der Sache, sprich der Atmosphäre dient. Allerdings ist es auch nicht unbedingt schlecht, mal eine echte Ballade zu hören, wie das extrem relaxte, von wunderschönen Melodien getragene „Did you ever“, welches vor Melancholie nur so strotzt und doch eine sehr hoffnungsvolle Atmosphäre besitzt. Es ist eben noch nicht zu spät. Pure Magie wird hier offenbahrt. Ravens‘ Head sind keine typische Truemetalband, wie wir sie tagtäglich in fast schon inflationärer Zahl erdulden müssen. Keine schwuchteligen Trällermelodien, keine auf hart getrimmten Popsongs, dem Gaylord sei Dank! Und mal ehrlich, wen würde ein Song wie „The Gates of Hell“ nicht mitreißen, balladesk beginnend mit einer der ergreifendsten Melodien der Rockgeschichte, sich dann nach und nach steigernd bishin zu einer beinahe explosionsartigen Wendung in Richtung Powerriffing. Im stampfenden Mid Tempo entwickelt dieses Stück eine unglaubliche Wucht. Das Solo ist von erhabenem Irrsinn. Hier tut sich ein Hardrockklassiker auf, wie ihn einst Bands der Marke Winterhawk, Amulet, Y & T, Full Moon, Sorcery und Deep Purple gespielt haben könnten. Monumental, wirklich monumental, von mitreißender Eingängigkeit und gewaltiger Tiefe. Auf dieser Basis fußen hier alle Stücke, ob nun straight ahead oder episch. Die Soli spielen eine gewaltige Rolle, werden hingebungsvoll zelebriert und einem Notenfeuerwerk gleich inszeniert. Das Rhythmusfundament trägt den Geist des Hörers hinfort, die Seele, welche vom Gesang in Brand gesteckt worden ist. Zeitlos, jawoll ja, völlig Zeitlos ist diese Scheibe. Vielleicht erinnert einen die Produktion an die heutige Zeit, aber natürlich verdirbt sie den Charakter der Stücke nicht, wie leider bei vielen anderen Bands immer und immer wieder. Sie ist warm, lebendig, freundlich. Ravens‘ Head geben wirklich einen Dreck auf irgendwelche Dogmen, die ihnen vielleicht die Truemetalsippschaft aufdrücken wollen könnte. Sicher, dort könnte ein nicht unwesentlicher Teil ihrer Klientel hausen, aber deswegen sich gleich zum Affen machen und in Klischees suhlen, die ohnehin schon einen realsatirischen Zug angenommen haben, no fucking way. Hardrock und Metal gehen bei den Australiern Hand in Hand, marschieren einträchtig beieinander in Richtung Schlachtfeld Musikindustrie, wo sie hoffentlich eine Chance zum Marodieren bekommen. Wenn Rachel ganz frivol die Lippen spitzt und fragt: „Do yu believe“, was schreit Ihr da wohl? YES!YES!YES!YES! Killer!

VERGANGENE GROSSTATEN: CLOVEN HOOF - Cloven hoof


(1984, Neat Records, UK, 34.09)
01. Cloven Hoof
02. Nightstalker
03. March of the Damned
04. Gates of Gehenna
05. Crack the Whip
06. Laying Down the Law
07. Return of the Passover
Man muß der heutigen Metalgeneration ja mal ein paar Schläge auf den Hinterkopf verpassen, damit sie sich ihrer wahrhaftigen Herkunft besinnt und der Magie, die sie selbst schon längst verdrängt hat, wieder Herr wird. Und was eignet sich dazu nicht hervorragender als eine alte Cloven Hoof Scheibe? Obschon die späteren Alben wie „Dominator“ und „A sultan’s ransom“ von gar erstklassiger Qualität waren ist das dämonisch - theatralische Debüt wahrlich das bekannteste und verbreitetste Werk der Briten. Und es geht sogleich in die Vollen mit der Bandhymne „Cloven Hoof“. Sie beginnt mit einem treibenden, mittelschnellen Part, auf dem eine eruptiv erscheinende Gesangslinie liegt, geht über in einen ruhigen, dunklen Abschnitt, der etwas beschwörendes an sich hat, macht eine Biege zurück zur schieren Kraft des Stahls, läßt für kurze Zeit nochmal die Ouvertüre in Erscheinung treten und begibt sich weiter des Weges, eine andere ruhige Passage leitet den sehr intensiven Schluß ein, über dem sich infernalische Soli türmen. Sänger David hat eine angenehme, in mittleren Lagen beheimatete Kraftstimme, mit der er den Songs den letzten Schliff verpaßt. Cloven Hoof sind in ihrer Ausrichtung sicher unkompliziert und dennoch nicht oberflächlich. „Nightstalker“ ist im Anschluß an „Cloven Hoof“ eine straighte Bangerhymne mit eingängigem Refrain und schön schwerem Riffing, hat alles in allem einen erdigen Touch. Dennoch auch hier können es die Engländer nicht lassen, einen Song im Song einzubauen, ein Solopart mit abgeändertem, tänzelnden Rhythmus und düsterer Melodie. GEIL! Quasi den „Nightstalker“ symbolisierend, wie er Dich des Nachtens heimsucht, hehehe. Da laufen einem doch eiskalte Schauer über den Rücken. Ein kurzes Instrumental, getragen und doch von Heavygitarren dominiert, ein Marsch der Verdammten, schließt sich an. „March of the damned“ hat eine melancholisch wirkende Melodie, welche über einen wahrlich majestätischen Ausdruck verfügt. Nächstes Stück ist die Hymne „Gates to Gehenna“, oftmals als LP Titel angesehen. Ein mittelschneller Heavysong basierend auf einem Triolenrhythmus, mit gewaltigem Refrain und einigen sehr sphärischen Breaks. Die Ausstrahlung hat etwas sehr dämonisches, als sei einer der Fürsten der Finsterniß persönlich im Studio zu besuch gewesen und man hätte ihm zu Ehren nun einen Willkommenssong angestimmt. So sollte Metal klingen, besessen, einfach nur besessen, man höre hier nur Sänger David, wie er seine Obsession hinausschreit. Cloven Hoof verfügten damals nicht gerade über einen absoluten Supersound, auch für 80er Verhältnisse nicht, dem Material hat das jedoch nur gutgetan, es explodiert nahezu vor Lebendigkeit und furioser Leidenschaft. „Gates to Gehenna“ wechselt übrigens auch kurzzeitig seine Ausrichtung, ein Song im Song, diesmal etwas länger. Die verwendeten Parts sind allesamt straight und nachvollziehbar arrangiert, so daß die Hörerschaft keine Furcht vor übertriebener Zurschaustellung musikalischer Fähigkeiten haben muß. Und wem der vorherige Song zuviel des Guten war, der wird mit „Crack teh whip“ entschädigt, einem einprägsamen Hardrocker stampfender Natur, dessen Gitarrenlinien einfach, aber auch verdammt heavy und effektiv sind. Cloven Hoof sind quasi die britische Antwort auf Cirith Ungol und Manilla Road, rockig eben, ultraheavy, kauzig, erfüllt mit Magie und inspiriert, einen völlig eigenen Weg zu gehen. „Laying down the law“ ist ein weiterer Beweis für diese These, straight ahead schreddernd, mit kraftvollen Berserkervocals und wieder diesen betörenden Melodien. Episch und dazu noch völlig wahnsinnig wird es mit dem neunminütigen „Return of the passover“. Es beginnt mit einem wahrlich an Düsterniß kaum zu übertreffenden Part, bei dem nur Gitarren zu hören sind, einige heavy, andere vorsichtig vorausfühlend, wieder andere infernalisch gestrichen wie mit einem Geigenbogen. Eine satanische Symphonie zur Einstimmung und dann ein stampfendes Riffinferno mit einer Dich fortreißenden Melodieführung. Wieder simpel, dennoch aber extrem beschwörend in der Wirkung. Die majestätischen Soli bei diesem Song und seine schiere Wucht lassen ihn zu einem absoluten Klassiker seiner Ära werden. Man wird von seiner Intensität einfach hinfortgeweht, ohne auch nur annähernd Widerstand leisten zu können. Der ganze Song hat zuweilen einen echt doomigen Charakter, was damals nicht ungewöhnlich war. Für alle NWoBHM Heads natürlich eine Pflichtübung, auch wenn die meisten die elegantere Spätphase mit Sänger Russ North und eternalen Kultscheiben wie "A sultan's ransom" bevorzugen. Ich finde beide Welten, in welchen der gespalt'ne Huf je stand, unsterblich betörend schön.

Mittwoch, 17. März 2010

VERGESSENE JUWELEN: SLEEPY JOHN - Sleepy John


(1970 / 2004, USA, Gear Fab, 72.38)
01. River
02. Al capa strong
03. Nothing
04. Dragons
05. Prelude to a dream
06. Seasons
07. Losing my plow
08. Hard workin‘ woman
09. I’m just happen to be (in love with you)
10. Monday blues
11. You say
12. Trying to fly
13. Blue sky
14. Cowboy
15. Searching for the world
Die Musik auf dem vorliegenden Album entstand schon 1970, daher sollte man sich nicht darüber wundern, daß hier kein rasender Powermetal, sondern entspannter und doch oft sehr entfesselter Heavyrock mit feurigem Gitarren – und Orgelspiel zu finden ist, wie der komplett explodierende Schlußpart von „River“, dem eröffnenden Track uns unter Beweis stellt. Der Sound der Scheibe wird sicherlich heutigen Standards nicht mehr gerecht, ist aber lebendig und ehrlich, man hat das Gefühl, als stünde die Band direkt neben einem. Sleepy John standen immer noch an der Schwelle von den 60er Psychedelicbands zum 70er Hardrock. Ausladende, die Sinne raubende Jams und Soloparts gehören ebenso zum Repertoire wie geradlinige, aggressiv treibende Momente mit eindringlichen Melodien. Gerade der oft ekstatisch wirbelnde Drummer ist eine absolute Ohrenweide und nur ein kleiner Teil des packenden Gesamtbildes. Die Stücke sind verspielt, fließen aber sehr natürlich voran und bleiben nachvollziehbar. Ein paar Freakouts hier und dort lassen den Fluß der Stücke nicht stocken. Auch wenn die Gitarre nicht immer übelst verzerrt klingt, die sehr hingebungsvolle Art, wie sie bearbeitet wird, erweckt das Gefühl von immenser Wucht. Ab und an wird die Fuzzbox eingeschaltet und ein brodelnder Zerrklang schleicht sich ein und säbelt Dir die Bauchdecke auf. Nach zwei harten Rockern braucht übrigens jede Band einmal eine Pause, da kommt eine mit üppigen Orgelarrangements versehene, in Melancholie schwelgende Ballade wie „Nothing“ gerade recht. Auch hier gibt es einige Augenblicke, in denen sich die Band der Dramatik des Stückes halber in lautere Gefilde begibt, die dann aber wieder den sanftmütig dahinschwebenden Passagen Platz machen. Oder man beachte die vollkommen irre instrumentale Mittelpassage von „Dragons“, welche mit manischen Leads vollkommen hypnotisierend wirkt. Der Hardrock ist hier nicht alleiniges Stilmittel, auch softere, versponnen schwingende Songs mit leichtfüssigerem Ausdruck werden kurzerhand eingeflochten, beschwören eine friedvolle Sommerstimmung herauf mit ihrem tänzelnden Beat und der betörende Melodien singenden Leadgitarre. Das war damals, 1969/70 eben noch so Usus, nicht eindimensional zu denken und zu komponieren und doch das Material durch einen markanten Punkt wie aus einem Guss klingen zu lassen. Das ist Sleepy John geglückt. Vergleicht man diese Band mit der heutigen Mainstreamrockmusik, sollte man immer mit vor Ekel verzerrtem Gesicht der modernen, uninspirierten Plastikmucke den blanken Arsch zuwenden, um es mal salopp zu sagen. Entweder wird heute psychotisch gebrüllt, gelangweilt herumgenölt oder gejammert. Sleepy John hatten Leidenschaft und ungezähmte Lust in ihren Stücken, wechselten gerne die Passagen von den Hauptthemen hinein in Jams, aus denen komplett abgeflogene Soloeinlagen oder den Hörer in Trance und Ekstase versetzende Melodien und Läufe hervorgingen. Wie beim eigentlich schwebenden „Seasons“, in dessen Mittelteil nach osteuropäuischer Folklore und Psychedelic Heavyrock klingende Passagen eingegliedert werden, zwischen denen die Band locker und ohne Stockungen wechselt. Der Song allein hat mehr verschiedenartige Passagen als manche Band in ihrer gesamten Diskographie. Er schwillt an, wird sehr intensiv und zwingt Dich zum Veitstanz, er fließt in schwebendere Momente über, gerät in verspielte, Abschnitte hinein mit verdrehten Brücken, wird dann geheimnisvoll und dunkel, rockt bodenständig und endet mit einem Schrei und Gitarrengefiedel nach der Wiederkehr der folkig anmutenden Läufe aus dem Mittelteil. Wow...ich muß mich erst mal setzen. Ein irgendwo zwischen Country und Klamauk angesiedelter Song schließt sich an. „Losing my plow“. Beinharte Rocker mit Scheuklappen werden jetzt laut aufschreien, als komödiantische Einlage ist das hier allerdings sehr erfrischend. Spielerisch, das merkt man gleich, sind Sleepy John bei den hochklassigen Bands zu suchen. Immer wieder bringen sie Einfälle, die das Material sehr abwechslungsreich machen und natürlich erfordern, daß man sich öfter damit beschäftigt. Für reine Hardrockfanatiker wird die Scheibe zum Spießrutenlauf, das kann ich schon jetzt behaupten. Man bringt bluesige Einlagen, die so verschmitzt wirken, daß es schon parodistischen Charakter hat und das nicht einmal, aber man bringt dies so ehrlich und authentisch, daß man es der Band einfach abnimmt. Wenn man sich also an eine sehr vielschichtige Band mit ebensolcher CD herantraut, sollte man sich Sleepy John mit dem selbstbetitelten Erstling auf den Einkaufszettel kritzeln. Genügend Persönlichkeit besitzt hier selbst der standardisierteste Blues, daß man von mangelndem Wiedererkennungswert wohl kaum sprechen kann. Es macht einen Heidenspaß, den vier jungen Herren bei der Darbietung zu lauschen. Ähnlich geartet, vielleicht etwas wilder, war das erste Led Zeppelin Album, welches gut anderthalb Jahre zuvor erschien. Sleepy John hatten leider nie das Glück einer regulären Veröffentlichung, erst 2004 erbarmte sich das US Label Gear Fab, die beiden 70er Aufnahmesessions als CD rauszuhauen. Das Ergebnis spricht für sich.
Die CD ist schön aufgemacht mit Bandgeschichte und Illustrationen. Mit knapp 73 Minuten ist sie auch nicht zu kurz.

SEASONS OF THE WOLF - Once in a blue moon

(2007, USA, Eigenpressung, 56.38)
01. Wings of doom
02. Snaggletooth
03. Nikhedonia
04. Ghost woman
05. In the shadows
06. Behind the eyes of evil
07. The reaper
08. Battle scars
09. Alien landscapes
10. The edge of time
11. Peace on earth
12. Name your poison
Dies ist nicht das erste Album der amerikanischen Formation SEASONS OF THE WOLF, sondern, lasst mich mal zählen, bereits die vierte Veröffentlichung und es hat sich irgendwie nicht viel verändert. Barry "Skully" Waddell, sein Bruder Wes und ihre Mannschaft donnern einen eigenwilligen, typisch amerikanischen Powermetal mit dunklen, aber sehr eingängigen Melodien und hintergründig agierenden Keyboards. Letztere sollten nicht überbewertet werden, denn man legt das Gewicht eindeutig auf die sehr natürlich klingende Gitarre von Skully. Am Sound ist eigentlich auch nichts zu meckern, eventuell am zuweilen etwas klinischen Schlagzeug, bei dem man aber vom Spiel her merkt, daß da ein Mensch sitzt. Aber auch das ist gut im Mix untergebracht. Nach zwei schnellen, fetzigen Metalhymnen an den ersten beiden Startplätzen schwenken SOTW beim dritten Stück plötzlich um. Ruhiges, dunkles Intro auf der Gitarre mit dezenter Keyboardbegleitung, dann ein schleppender Beat, schleppende Gitarren, mysteriöse Keyboardläufe und beschwörender Gesang. Wes Waddell singt hier zumeist in mittleren Lagen, sehr emotionsgeladen, geht aber auch gerne höher. Der Song ist bis auf eine kurze Passage düster und morbide. Das waren nun "Wings of Doom", "Snaggletooth" und "Nikhedonia".
Was kommt jetzt? "Ghost Woman". Aha, okay. Das eröffnende Riffing rockt schon mal gewaltig, die Strophe hat einen sehr eingängigen Ausdruck, geschickt werden die Geschwindigkeiten variiert. Amerikanischer Melodicmetal auf Düsternis getrimmt? Der Gesang kann reichlich kauzig wirken. Die Keyboardorgeln über den schrubbenden Riffs geben dem Stück eine majestätische Ausstrahlung. Skully soliert im klassischen Heavyrockerstil und sollte Vögel wie Michael Schenker locker in Richtung Wand spielen. Ein potentieller Minihit, dem auch der eigenwillige Stil Wes Waddells mit seiner screamigen Stimme in den Höhen nichts anhaben kann. Einem Rob Halford lassen wir das auch durchgehen, oder? Geiles Teil!.
Das Intro zu "In the shadows" wirkt poppig, nein, der groovige Song wirkt eher mainstreamig. Bluesig, mit Offbeat Rhythmen, aber sehr cooler Melodie in Strophe und vor allem Refrain. Ist mal anders, ist einprägsam und gefühlvoll inszeniert. Auch wenn SEASONS OF THE WOLF die Musik nie neu erfinden, man meint nie wirklich, daß ihre Songs einem wohlvertraut vorkommen. Das ist ihr Vorteil. "In the shadows" wird dann zum Solo hin ein wenig energetischer, Skully geht hier in die Vollen. Der klassische Rock bleibt aber insgesamt erhalten und das balladeske Feeling auch.
Ohne die Vocals hätte das hier von den PINK FLOYD der späten 80er, David Bowie der frühen 80er, eventuell den Rolling Stones zur gleichen Zeit sein können. Nicht Metal, höchstens Poprock, aber atemberaubend schön gemacht.
Zwischen erdigem Stampfmetal und schleppenden, dunkleren Parts bewegt sich "Behind the eyes of evil", das auch wieder majestätische Riffs, Leads und makabre Synthieläufe vereint, sowie Wes Weddells unnachahmliche Stimme. Eigentlich ein guter Hardrocker, der aber durch eine massive Dosis Mystik und Doomfeeling herrlich abgedreht klingt. SEASON OF THE WOLF spielen gerne mit klassischen Hardrockthemen herum, aber sie machen diese zu ihren ganz eigenen Stilmitteln.
"The reaper" kommt im Anschluß an "Behind the eyes of evil" und sorgt mit kraftvoller Strophenmelodie, packendem Riffing im wiederum hardrockigen Stil, wuchtigen Orgelkeyboards und Wes' emotionalem Gesang für Hitstimmung. Das Teil hat Charakter und Seele. Eventuell hätte der Refrain noch ausgeprägter sein können, noch mitreißender, aber das sind Oberflächlichkeiten. Skully bürstet seiner Klampfe diverse nackenzerbrechende Riffs vom Hals.
Eine Metalhymne mit galloppierendem Leitriff ist dann "Battle scars" und hier gibt es diesen hymnischen Powerrefrain, wie ihn heuer soviele Bands wieder und wieder angehen und kläglich daran scheitern. Obschon "Battle scars" der typischste Heavy Metal Song hier ist, SEASONS OF THE WOLF brillieren. Man will die Fäuste gen Himmel strecken und lauthals mitgröhlen. Geiles, wildes Solo von Skully, dann eine kurze, nur vom Synthie übernommene Passage, die Gitarre brät rein und jemand spricht mit verzerrter Stimme hierüber. Klassischer 80er Stil. Die Band steigt erneut ein und spielt einen doomig - schleppenden Abschnitt, den Skully wieder mit seinen irren Leads veredelt, dann geht es wieder zurück ins galloppierende Hauptthema des Stückes. Warum kann ein Rock'n'Rolf das nicht mehr? Warum können MANOWAR soetwas nicht mehr? Warum ist mir das angesichts der neuen SEASONS OF THE WOLF Scheibe so egal?
Stakkatokeyboards und ein Hammersolo bilden den Anfang von "Alien landscapes". Während die Synthies den spacigen Touch geben, sorgt das Solo für Erdverbundenheit. Das Schlagzeug setzt ein und es geht weiter, nun bekommt der Song einen tranceartigen Ausdruck. Der Song schlägt irgendwann in einen sphärischen Spacerocker um, der auch HAWKWIND auf deren letzter Scheibe gut zu Gesicht stünde.
Stampfend und düster rockend gerät man an "The edge of time" und es bleibt dabei, hier wird erdig, aber finster gerockt und gedonnert, daß einem die Haare zu Berge stehen und der ganze Körper mit einer Gänsehaut bedeckt ist. Killer Synthiesolo im Mittelteil!
"Peace on earth" ist energetischer, aggressiver mit abgeflogenem Gesangseffekt. Wes schimpft mehr als daß er singt, aber das mit unheimlich eindringlicher Stimme. Der Gesamtausdruck des Stückes ist wieder spacigerer Natur. Ein stapfender Part mit coolen Bassläufen und packendem Beat macht sich breit. Entwickelt sich zu einem majestätischen Moment puren Dooms und gerät dann wieder in Fahrt. Der Song legt gewaltig an Intensität zu, scheint schier zu bersten, explodiert letzten Endes in spacigen Lärm hinein und ist weg.
Und am Ende des Albums grooverockt uns "Name your poison" mit Spacerockorgeln, Insgesamt schwebt der Song die ganze Zeit um Dich herum und die eigentlich typische Hardrockgesangslinie piesackt Dich regelrecht. Skully entlockt der Klampfe feine Riffs und Leadharmonien. So kann man also auch aus erdigem Heavyrock noch spannende Musik zaubern, eh? Du gehst bei diesem Song absolut mit, die Beats packen Dich, wirbeln Dich durcheinander.
Ganz atemlos verlässt Du nun dieses Album, brauchst ein paar Sekunden Erholungszeit. Dann bist Du wieder voll da und willst mehr davon, mehr, viel mehr. Killerscheibe und absolute Empfehlung!

OGRE - Seven hells


(2006, USA, Leafhound Records, 56.27)
01. Dogmen (Of Planet Earth)
02. Soldier Of Misfortune
03. The Gas
04. Woman On Fire
05. Review Your Choices (PENTAGRAM-Cover)
06. Sperm Whale
07. Fleash Feast
Die 70er sind ja wieder schwer im Kommen, weil gerade damals die Rockmusik einfach frischer, inspirierter und leidenschaftlicher klang, ohne zu viele Genredogmen und mit sehr ungezwungener Kompositions – und Spielweise. Und da kommen stellvertretend für die neue Welle urtraditioneller Rocker OGRE aus dem US Bundesstaat Maine ins Spiel. Anders als bei vielen aktuellen Bands schwingen sie keine aggressiv – stumpfe Stonerkeule, sondern orientieren sich am beseelten Spiel der Frühzeit, klingen dabei aber frisch und wirklich inspiriert. Wäre da nicht beim Opener der verzerrte Bass an einer Stelle, den man eher bei britischen Hardcore / Metal Bands der späten 80er vermuten würde, kein Mensch würde einem Glauben, daß OGRE eine aktuelle Band im Alter so von Anfang bis Mitte 30 sind. Kommen wir nun zu den Songs. „Dogmen (of planet Earth)“ nennt sich der wild rockende Opener, welcher schon gleich mit einer herrlich schaurigen Sci Fi Geschichte aufwartet, bei der es um zur Erde zurückkehrende Weltraumreisende geht, die feststellen müssen, daß ihr ehemaliger Heimatplanet nun von sehr hungrigen Hundemenschen bewohnt wird, inklusive Gemetzel beim Rückweg zum Schiff natürlich. Ein markantes, aber dennoch urtraditionelles und irgendwo wohlvertraut klingendes Grundriff und die frech frivolen, etwas helleren, nasalen Vocals von Bassist Ed Cunningham sorgen musikalisch für helle Freude. Klar, OGRE erfinden den Heavyrock garantiert nicht neu, aber immerhin klingen sie so, als hätten sie ihn gerade neu erfunden. Ross Markonish an der Leadgitarre brennt einen mörderischen Lauf nach dem nächsten von ihrem schlanken Hals, lässt sie wie einen getroffenen Hundemenschen aufjaulen, erfüllt sie mit der Seele des Blues und der morbiden Schönheit des Todes, welche dem Doom entströmt (der ja seine Wurzeln auch im Blues hat, oder woher kommen BLACK SABBATH nochmal?). Schon hier wird klar, das Zusammenspiel der Musiker ist traumwandlerisch. Einer legt vor, die anderen steigen drauf ein, ohne daß sie großartig festgelegte mathematische Songstrukturen brauchen. Pure Magie.
Richtig schmierig doomig geht es dann in „Soldier of misfortune“ weiter, welcher einen mahnenden Mittelfinger in Richtung der Kriegstreiber im amerikanischen Senat ausstreckt. Warum die Geschichte ausgerechnet aus der Sicht eines Vietnamsoldaten erzählt wird, liegt wohl daran, daß dieser Krieg für die USA die entwürdigendste Niederlage in ihrer militärischen und politischen Geschichte war und zudem noch mit grausamsten Mitteln geführt wurde, noch grausamer als der zweite Weltkrieg vielerorts. Ross‘ Leadgitarre jault und brummt hier vollmundig und betört den Zuhörer auf der Stelle, zum Ende hin bricht die doomige Struktur des Stückes auf und man wird mit einem lockeren, treibenden Boogeypart inklusiver schön ungezähmter Soli nochmals durchgepeitscht.
„The gas“ walzt tonnenschwer in bester alter 70er Doommanier aus den Speakern, die Melodie ist so elegant simpel wie eindringlich gehalten, daß sie sich augenblicklich in die Seele einfräst. Herrlich wieder das Zusammenspiel der Musiker, an einer Stelle gibt es eine Betonung vom Schlagzeug mit den Becken, von der jaulenden Leadgitarre und einem jodelnden Schrei von Basser Ed, die ganz unisono im Song eingebaut sind. Es ist nur eine kurze, aber sehr herausstechende Passage, die sehr auffällig die Klasse der Band unterstreicht.
Gehen wir mal einen Schritt fort vom Doom, hin zum mächtig groovenden 70er Hardrock, jener wird bei „Woman on fire“ exzessiv zelebriert mit brodelnden, eruptiven Riffs, einer Unmenge an sehr entfesselten, kaum enden wollenden Wahwahsoli, die sich in ihrer Intensität mit zunehmender Spieldauer noch steigern, ein paar schleppenderen Momenten und natürlich der packenden, mitreißenden Eingängigkeit, die dem ganzen Genre zueigen war und ist, insbesondere aber den Songs von OGRE, um die es hier geht. Die Jungs fetzen wie besessen, sind dabei die coolsten Rocker auf Erden, speziell der Nasalgott Ed Cunningham, der wie ein reinkarnierter Bon Scott klingt, allerdings fieser, theatralischer, mystischer. Ein absolut charismatischer Sänger.
Kultig wird es mit dem nächsten Stück, einer Coverversion der US Doompioniere PENTAGRAM, die zeitgleich mit BLACK SABBATH den Lavarock vorantrieben, ihn mit erfunden haben, leider aber nie die ihnen zustehenden Erfolge feierten. „Review your choices“ heißt deren 99er Album, so heißt auch dieser Song und doch ist er gar nicht so brandneu, sondern entstammt, gleich einem Großteil des Repertoires PENTAGRAMS auf ihren aktuellen Alben, den frühen bis mittleren 70ern. Der Song in der OGREschen Fassung ist Doom, Blues, Hardrock, emotional, eigenwillig und mitreißend. Natürlich ist es nicht leicht, PENTAGRAM Sänger Bobby Liebling vom stimmlichen Ausdruck (weil, ein Techniker ist der nicht wirklich) her nahezukommen, Ed Cunningham schafft das, auch wenn seine Stimme komplett anders klingt. Es ist die Theatralik, dieses beschwörende Element. Herrlich.
Noch zwei Songs, dann sind wir mit der Scheibe durch. „Sperm whale“ ist ein zum größten Teil instrumentaler Rocker zwischen den üblichen OGRE Zutaten, doomig, bluesig, treibend hardrockig, er fetzt mit eindringlichen, packenden Riffs, richtig leidenschaftlichen Wahwahleads, bei denen Band wie auch Zuhörer in einen Trancezustand fallen sollten, bekommt dann aber eine für heutige Musik besondere Wendung. Ein monumentales Schlagzeugsolo, wie es vor 36, 37 Jahren viele Bands am Start hatten, selbst auf ihren Scheiben, wird hier äußerst wild und lustvoll inszeniert. Drummer Will Broadbent ist ohnehin ein Rhythmuswizard, nur am Wirbeln und am kloppen, die verrücktesten und doch coolsten Figuren am Basteln, hier tobt er sich aus. Irgendwann springt das Stück zum Ende hin in eine Passage mit spacig jaulender Gitarrenarbeit, dazu einer straighten Basslinie und eben jenem eruptiven 70er Drumming über, auf der Basser Will ein paar Zeilen erzählt, dann auch singt. Mit einem bluesigen Scream geht es wieder in den Anfangspart zurück zum groovenden Hardrock. Man ist bis hierhin gekommen und restlos begeistert, aber auch restlos ausgelaugt, denn diese Scheibe reißt mit, fordert, schleudert Dich umher.
Nun darf man ausruhen, tief unten in modrigster Gruft, denn es ist Zeit für einen der mystischsten, düstersten Doomsongs aller Zeiten. „Flesh feast“, schrabt sich schwerfällig mit von morbiden Synthesizerklängen untermaltem Grundriff aus den Boxen. Ross haut immer wieder herrlich fantasievolle Melodiebögen in das schleppende Gewalze hinein, während Ed einfach alles in Grund und Boden singt. Wow. Dies ist einfach eine wahnwitzige Hymne reinsten Dooms. Ein monumentaler Abschluß für ein monumentales und doch so bodenständiges Album. Solch ehrliche und sympathische Band ist ein seltenes Vergnügen in unserer harten Rockmusik geworden, also hegt und pflegt sie gut. CD gibt es direkt bei der Band als Japan Import für 18,00 US$ inklusive Porto. Schreibt den guten Ross doch mal an, der beißt nicht.

NO BROS - Hungry for the good times



(2006, Österreich, Eigenpressung, 50.10)
01. Manifest Your Destiny
02. Hello Hello
03. Three Horned Dragon
04. Way More Of This
05. Hungry For The Good Times
06. Carry On
07. Caledonia
08. What’s Going On In Paradise
09. Creed For Flesh
10. Blind
11. Metal Thanks
Ja ist das ein Hammer! Eine neue NO BROS Scheibe nach 20 Jahren Pause, dann noch mit einem meiner Lieblingssänger, Lem Enzinger von den österreichischen Kultmetallern U8, die es damals locker als Mischung aus RUSH und SAXON hätten schaffen sollen und doch nur Kultstatus genießen. Wie auch immer, ich schweife ab vor Begeisterung. Lem singt zwar um einiges bluesiger und tiefer als früher, aber ist und bleibt ein klassischer Heavyrocker, der zu den ganz Großen gehört. Nun ist er der „Neue“ in der Band, die Restbesetzung hat schon auf den klassischen NO BROS Scheiben der 80er aufgemuckt, daß sich die Balken bogen. Die inzwischen leicht angegrauten und etwas weniger behaarten Herren sind mit der neuen Scheibe zurück zu ihren frühen Werken gegangen, also ganz klassischer, straighter Heavyrock mit fetten Orgelsounds, einigen coolen, abgeflogenen Synthies, krachender, straighter Gitarrenarbeit mit wirklich leidenschaftlich inszenierten Soli von Ösi Legende Klaus Schubert (mit dem Sänger Lem ja auch schon länger Musik macht) und erdigen, treibenden Rhythmen. NO BROS machen mit diesem Album mal eben einen großen Teil der neuen Scheiben klassischer Bands unnötig, bringen RIOT an den Rand des Absturzes (wobei deren aktuelle CDs noch sehr nett sind), treiben UFO darüber hinweg, lassen Bands wie die finnischen Chartstürmer und Grand Prix Gewinner LORDI als eben die Clowns dastehen, die sie auch sind. Hier reiht sich eine Hymne an die nächste, ganz urtraditionell, dem Hörer angenehm vertraut vorkommend im typischen Stil der frühen 80er und sogar späten 70er, aber voller Frische und Liebe zur Musik steckend. Da können sich ähnlich geartete Neubands und alte Helden noch was abgucken. Ich will hier keine Bands dissen, aber NO BROS zeigen echt mal wieder, wie solche Musik donnern und krachen kann, nein, muß. Klar sind sie mainstreamtauglich und natürlich werden sie fettere Konzerte geben, aber hey, Underground oder Mainstream oder irgendwo dazwischen, solange die Songs so dermaßen reinfetzen wie bei NO BROS ist es alles vollkommen egal, Klassifizierungen zählen da nicht, sondern nur das Herzblut, welches durch die Songs strömt. So ist der Hardrock alter Schule noch schön lebendig! Ganz großes Kino!

VERGANGENE GROSSTATEN: AXEGRINDER - Rise of the serpent men


(1988 / 2006, UK, Peaceville, 63.53)
01. Never Ending Winter
02. Hellstorm
03. Life Chain
04. War Machine
05. Evilution
06. Rise Of The Serpent Men
07. The Final War
08. Malfunction [Bonus]
09. Virtual Reality [Bonus]
10. I Need Face [Bonus]
11. Slow Motion Rewind [Bonus]
Ein eher besinnlicher, unverzerrter Gitarrenlauf zu Beginn, dann eine stampfend metallische Einleitung, wohin soll uns diese Scheibe noch führen? AXEGRINDER kommen aus dem England der späten 80er und haben ihr Album über Peaceville veröffentlicht, das kann also nur finsterster Grindcore sein. Okay, ganz so derbe sind sie nicht. Der erste echte Song „Hellstorm“ ist wuchtiger, dreckiger Metal mit thrashigen, punkigen und fett rock’n’rolligen Elementen, wie ein Mix aus CELTIC FROST, DISCHARGE und MOTÖRHEAD. So soll es dann auch weitergehen. Es groovt und treibt ohne Ende, nach den groovigen Passagen wartet man aber vergebens auf ein Blastbeatfeuerwerk. AXEGRINDER legen mehr Wert auf die ultimative Wucht denn auf sinnloses Geprügel. Verzerrt scheint hier alles, Bass, Gitarre, Gesang. Das macht den Anfang von „Life Chain“ so besonders spannend. Nun denkt man aber, daß es gleich im NAPALM DEATH Höllentempo losgeht, wenn der tänzelnde Anfang vorüber ist und sich Sänger Trev mit tiefer, rauher Stimme ausgeschimpft hat. Nein, dem ist nicht so. Das stets vor sich hin donnernde und doch groovende Feeling des Openers wird übernommen. Es fällt auf, daß die Stücke sehr eingängig sind. AXEGRINDER waren wohl in den späten 80ern das, was man heute als „Metalcore“ einstufen würde, eine gelungene Symbiose aus wütendem Hardcore und fiesem Thrash und Deathmetal. Bei „Life Chain“ gibt es sogar einen schönen, etwas flotteren Solopart, was eben die Metaleinflüsse nochmals unterstreicht. Mir fällt dieser scheppernde, aber ultimativ düstere Gitarrensound an allen Ecken und Enden auf. Ein schönes Keyboardintro gibt es für „War Machine“. Sehr melancholisch und dunkel, fast an alte 70er Horrorfilme erinnernd mit Gothictouch. Ja, schräg, aber warum nicht? Dann bricht die Hölle los. Das Schlagzeug wirbelt entfesselt, die Gitarren feuern intensive, mitreißende Riffs ab und der Bass pumpt aggressiv im Hintergrund. Dann ein Bruch, nur Bass, zurückhaltendes Schlagzeug und unverzerrte Gitarre, wieder ein Umschwung in eine mittelschnell walzende, alles zermalmende Passage mit diesen herrlichen Mühlsteingitarren und schon geht der fünfte Song mit einem Basslauf sehr ruhig aber spannend los. „Evilution“ steigert sich in einen Rifforkan rein, der zwar für Sekunden straight nach vorne marschiert, aber wieder in diesem wellenhaften Groove vom Schlagzeug endet. Irgendwo in der Mitte des Stückes bekommt man ein jaulendes Gitarrensolo serviert und einen sehr eingängig wirkenden Refrain, dann noch ein Tappingsolo und wieder Gejaule. Was sind AXEGRINDER eigentlich? Deathmetaller? Rocker? Punks? Musikalisch war die Symbiose perfekt, machte und macht unheimlich Spaß. Der Sound ist natürlich anders als heute. Digitale Glanzproduktionen gab es 1987/88 noch nicht, Satan sei Dank. Hier klang alles räudig, dreckig und infernalisch, dadurch aber so natürlich und lebendig wie nur möglich. Leben ist nicht perfekt! Perfektion bedeutet Tod. Okay, back to the Music! Wieder geht es mit unverzerrten Gitarren, zurückhaltend im Indierockstil los. Dann sägt auf einmal eine Zerre rein und es wird verdammt heavy. Aus den Riffs sprechen die Emotionen, die rohen, tiefen Vocals sprühen über vor Zorn. Der Song ist gut arrangiert und auch wenn das Spiel sehr entfesselt und rauh klingt, die Band spielt exakt. Sie sind keine technoiden Instrumentalgötter wie damals MAJESTY (die sich ein Jahr später in DREAM THEATER umbenannten und ihr gefeiertes Debüt rausbrachten), sie spielen einfach mit Leidenschaft und intensivsten Gefühlen, die aus jeder brodelnden Note strömen. Tolle Steigerungen auf Bass und Gitarren durchdringen Deine Sinne, setzen sich unweigerlich in Dir fest. So sehr es auch scheppert, „Rise of the Serpent Men“ ist richtiggehend melodisch. Ein langer und sehr progressiver Song.
Piano vom Keyboard leitet „The final War“ ein. Nun wird es gänzlich schmusig? Klare Gitarren betören Dich, eine entspannte, schwebende Atmosphäre entsteht. Sobald Trev aber den Mund aufreißt, ist es mit der Herrlichkeit vorüber, zudem kommen einige Augenblicke später die Weltuntergangsgitarren wieder und walzen mörderisch über Deine Seele. Ja und dann? Dann tritt wieder der ruhige Part ein. Wow, doch nicht nur eine Einleitung. Dieser Abschnitt schwimmt in Melancholie und unterschwelligem Zorn.
Welch eine Scheibe! Klar, 1988 nur den Hardcorefreaks vorbehalten, weil es eben noch keine Möglichkeiten gab, sich mit Informationen vollzusaugen. Dabei hätte sie ebenso den Thrashfanatikern, Deathmetal (CELTIC FROST) - Fans (die damals ja von der „Cold Lake“ bitterst enttäuscht waren), Hardcoremaniacs und sogar toleranten Schwermetallern (die, denen alle Kaliber gefielen) eine Gänsehaut verschaffen können. Was nicht ist, wird vielleicht werden, oder? Ach ja, Bonustracks gibt es auch. Vier Stücke von WARTECH, der AXEGRINDER Nachfolgeband. Musikalisch war es sauberer, sehr progressiv, schräg und finster, aber noch immer metallisch. Vergleichbar sicherlich mit VOIVOD, KILLING JOKE und solchen Sachen. Die Songs sind sehr spannend, mit abgeflogenen Läufen, feurigen Soli, sehr kranken Melodien und Disharmonien. Wem sie nicht gefallen, der kann ja nach „The final War“ die CD abstellen, Wagemutige hören und genießen bis zum Ende.

VERGESSENE JUWELEN: GRAVY TRAIN - Staircase to the day


(1974, UK, PYE, 43.57)
01. Starbright Starlight
02. Bringing My Life Back To Me
03. Never Wanted You
04. Staircase To The Day
05. Going For A Quick One
06. The Last Day
07. Evening Of My Life
08. Busted In Shenectady
GRAVY TRAIN hatten mit ihrem 1970er Debüt eines meiner frühen Lieblingsalben jener Tage abgeliefert, ein Mix aus dramatischem Hardrock, progressiven und folkigen Flöten, brodelnder Psychedelik und einem Schuß Blues. Nun hatten wir damals eben 1970 und die progressive Rockmusik war erst kurz davor, aus ihren Kinderschuhen auszubrechen. 1974, der Progrock hatte Hochkonjunktur und ich kam als einziges Kind meiner Eltern in einer lauen Sommernacht auf die Welt, waren GRAVY TRAIN schon meilenweit von progressiven Klängen entfernt. Hardrockiger Mainstreamsound mit ab und zu spacigem Einschlag wurde geboten. Der Opener „Starbright starlight“ war ein straight groovender Rocker mit eingängiger Melodie und einem mittelschnell anschubsenden Beat aus rhythmischen Orgelriffs, pumpendem Bass, hart geschlagener Akustikgitarre und schlacksigem Drumming. Zum Ende hin zirpen sphärische Synthieläufe darüber hinweg, was die Affinität zum Spacerock klarmachen soll. Eine gute Partynummer, sicher, man merkt aber schon, daß kompositorisch die Luft langsam dünn wurde. Ausgedünnt war sie dann gleich mit dem zweiten Song „Bringing life back to me“, einer schmalzigen Schmachtballade mit etwas mehr Dramatik im Refrain, allerdings auch aufgeblasenen Gospelchören an selbiger Stelle. Geschmeidig, radiotauglich, platt, aber doch nett zu hören. Das hätten NAZARETH nicht schmachtender hinbekommen. Seufz! Eigentlich ist sowas schon wirklich aus, wenn man sich das Debüt vor Augen hält, aber ich mag nach wie vor die angerauhte, charismatische Stimme des Sängers und ich gehöre auch zu den Leuten, die guten Mainstreamrock der 70er vertragen, so z.B. das 73er „Get your dog off me“ Album der Ex Progger BEGGAR’S OPERA oder eben diesen Schmalztopf. Paßt schon, paßt schon. Reich und berühmt sind sie damit nicht geworden. Aber zum Glück ist das Geschmachte rasch vorüber und treibender Rock setzt ein. Boogey, Blues, recht flott gespielt. Die Gitarre könnte allerdings etwas mehr braten und was ist das da perlendes im Hintergrund? Ein E Piano? Eine Orgel? Ich weiß es nicht. Der Song hat ordentlich Schmackes, trotz der Mundharmonika und der fehlenden Hardrockgitarre. „Never wanted you“ hat einen leicht verspielten Mittelteil, der sich langsam immer mehr steigert und dann wieder in schwelgerischem Mellotronpomp landet. Aber schön gemacht! Coole Screams des Sängers und doch einige energiereichere, aber nicht direkt „heavy“ zu nennende Passagen. Der Titelsong bringt die vom Debüt her liebgewonnene Melancholie mit unverzerrter Gitarre und betörenden Flötenläufen, die später Unisono mit der Gitarre laufen, zurück. Verträumte Psychedelic, melancholischer Pop der späten 60er, ein wenig folkige Atmosphäre mit Wurzeln im viktorianischen England, eine sehr schöne Regenwetternummer, eingängig aber doch mit Substanz und viel Gefühl, sehr einprägsam auch. Zwar nicht innovativ, aber einfach nur schön. Die betörende Leadgitarre verweist auf die großen Brüder PINK FLOYD, während man doch insgesamt mehr Pop in sich trägt. Verglichen mit der aktuellen Chartmusik, selbst dem80er Plastikmainstreamrock und den Schlagern der 70er ist das hier ganz großes Kino und auch ohne jetzt schlechte Musik heranzuziehen, um diese Scheibe besser dastehen zu lassen, dieser Song kann echt was. Analoge Synthies verschönern die Atmosphäre noch zusehends, das Mellotron und „Aaaah“ – Chöre treten hinzu. Natürlich ist das reichlich bombastisch und irgendwie in Gigantomanie versunken, aber solange dabei solche fetten Songs rauskommen gehe ich mit den Komponisten konform.
Mittelschnell dahinschlendernder Hardrock, sehr entspannt und cool, wird einem mit „Going for a quick one“ geboten. Alles klar, ein Ficksong, wie er im Buche steht. Ebenfalls nicht herausragend, aber packend genug, um mich zu überzeugen. Ein paar Choreinlagen und ein wenig Pomp sind auch hier nicht fehl am Platze, obschon es die Band wirklich erdiger angehen lässt. Auf einmal sind alle Instrumente ausser dem Schlagzeug fort, dann setzt das Grundthema wieder ein und darüber soliert ein analoger Moogsynthesizer. GRAVY TRAIN hatten wohl schon mit dem Vorgängeralbum einen elenden Reinfall hingelegt und waren kompositorisch wohl wieder auf dem aufsteigenden Ast. Nun kenne ich „Second birth“ nicht und irgendwie will ich das auch nicht. Die beiden progressiven Frühwerke auf dem VERTIGO Label und dieses zweite Album auf PYE reichen völlig. „The last day“ ist mehrteilig aufgebaut, straighter, entspannter Rock mit folkigen, spacigen, epischen und sehr peacigen Melodien im Anfangspart, wo akustische Gitarren über relaxten Bass – und Schlagzeugläufen eine üppige Grundlage für den gequälten, rauhen Gesang liefern. Dann ein Gitarrenübergang und schon schwebt man über einem stampfenden Beat dahin, wo Gesang und Flöte ein wenig freakiger, schräger daherkommen. Entwarnung, man landet wieder in der Eingangspassage. Dieses Stück ist auf jeden Fall eine sehr schöne Spacehymne ohne zu harte Gitarren. Und noch mehr Melancholie. Ein Klavierthema eröffnet „Evening of my life“, ein E Piano steigt ein, spielt über den Grundlauf eine schöne Leitmelodie. Dann schwelgt man in bombastischem Schönklang, einer absoluten Superballade, die ELTON JOHN nicht gewaltiger hinbekommen hätte, wohl aber mit weniger Substanz servieren würde. Auch wenn das alles schon zu sehr nach fluffigem Soundmuskelspiel klingt, es ist nicht schlecht, aber sehr kurz.
Rockig wird es nochmals zum Schluß, mittelschnell, schlendernd vom Beat her, obercool und trotz der wohlvertrauten Kompositionsweise mitreißend und einprägsam. Ein schöner Kraftrock zum Ende mit jaulender Gitarre, verzerrter Slideklampfe für die Soli. Ein Boogeykracher mit Bombastchor im Refrain. Das Ding wird Proggern nicht reingehen, ich find es klasse. Im Mittelteil bricht der Song dann aus sich selbst heraus in einen wirbelnden Hardrockpart, der sich hypnotisch – monoton zu einem wahren Inferno hinsteigert. Das war mal sehr angesagt, hehehe, aber hey, ob nun 1969 oder 1974, es verfehlt seine Wirkung nicht. Mellotronleads sind auch diesem Song nicht fremd, was absolut rockt. Ja, verdammt. „Busted in Schenectady“ rockt komplett. Dann bricht der Song auf einmal ab und man wähnt sich bereits am Ende der Scheibe, aber nein, eine Wahwahgitarre überzeugt einem vom Gegenteil, ein entspannter Groove tritt auf. Funkiger Hardrock? Bitte, paßt schon, wenn es denn so cool gemacht ist wie hier. Absolute Hymne zum Schluß der LP mit irrsinnigen Schreien.
Eigentlich hätten es GRAVY TRAIN mit diesem Album schaffen sollen, weiß der Schinder, warum es ihnen nicht gelang. Schlechter als NAZARETH auf deren besten Alben waren sie nicht. Eher noch weniger oberflächlich. Schade drum. Wenn man die Scheibe mal bei Ebay oder im Second Hand Laden sieht und gerade Lust auf 70er Prog / Pomp / Hardrock hat, sofort zulangen.

Sonntag, 14. März 2010

VERGANGENE GROSSTATEN: MAY LYNN - May Lynn


(1988, Dänemark, Shark Records, 38.00)
1. Soldier
2. Joey Don't Care
3. The Shelter of the Night
4. Breakout
5. Dangerous Games
6. Backstreet Life
7. Fit for Fight
8. Long Way from Home
Diese höllenrare CD aus den späten 80ern hab ich bereits vor einigen Jahren günstig auf erstanden, irgendwo im Second Hand Laden oder auf einem Flohmarkt, nun, bereut hab ich es nicht. Ich bin jetzt im Moment grad beim fünften Song "Dangerous games" und bange mein Resthaupthaar zu den straighten, einprägsamen Riffs, treibenden Abgehvierviertelbeats und packenden Melodien. Skandinavienmetal pur, wie ich meinen möchte. 220 VOLT, die PRETTY MAIDS, MINDLESS SINNER, eventuell die harten Sachen der frühen EUROPE Scheiben vor "Final countdown" können beim melodischen Metal der Dänen Pate gestanden haben, SILVER MOUNTAIN vielleicht noch, es ist diese Schiene. Hochmelodisch, eingängig, stampfend bis treibend mit elegantem Ausdruck, der sich natürlich vom rohen Strassenheavymetal abhob. So sind MAY LYNN sicher keine Lederjackenrocker, sondern eher gut gekleidete Melodiker mit Hang zu knackiger Gitarre und solider Grundhärte. Gerade die mehrstimmigen Arrangements beim Leadgesang, die allenthalben auftauchen, schmeicheln den Ohren und der Seele. Böse Zungen könnten AOR Einflüsse in den Raum werfen, das weise ich nicht von MAY LYNN, aber sie sind geschickt in die Stücke eingeflochten und drängen die Band nicht krampfhaft in Richtung Radio, auch wenn so mancher Song wie das stampfende "Backstreet life" tatsächlich geschmeidig genug wäre, einem eher ruhiger gestimmten Radiopublikum den Tag zu versüßen. Aber dann sind da wieder diese grandiosen Gitarren, die betörend schönen Leads, die einfach nicht für die oberflächlichen Mainstreamer gedacht sind. Das könnte eher MAGNUM Freunden gefallen, obgleich der skandinavische Einschlag sehr deutlich zum Vorschein kommt. Ist 1988 auf SHARK RECORDS erschienen und könnte somit noch ab und an in Grabbelkisten deutscher Händler auftauchen. Bei Sichtung zuschlagen, die Scheibe ist todgeil, wenn man denn melodischeren, skandinavischen Metal liebt. Und für die romantischeren Momente wird der Stahlkopf dann ja mit flottem Heavy Metal entschädigt, dem eine hymnische Ader nicht abzusprechen ist. Klasse!

BRAN BARR - Sidh


(2010, Frankreich, Trollzorn, 58.44 min)
01. Origin - The Birth Of Fearg
02. Celebration - Son of Nuadh Amhach
03. Fury - Exile Of The Orphan
04. Passage - The Curse Of The Manimal
05. The Call - Gathering The Tribes
06. Rebirth - Morgan's Gift to Righ'Sidh
07. Profedïez
08. Revelation - In The Dominion of Kernunnos
09. Journey - The Grand Quest For The Magical Acorn
10. Ode Aux Lointains Souverains (Stille Volk cover)
Eigentlich wähnte ich mich aus dem Blackmetal schon so weit raus, dass ich mir ab und an DARK THRONE oder meine alten BURZUM LPs (ich geb es ja zu) anhören kann, aber mehr alten NWoBHM oder eben meine hunderte von 70s Progressive - und Heavyrockalben (die meisten auf CDr in einem Geheimarchiv, ja, ich bin ein Poser) anhöre. Nun, eine Band wie die vorliegende weiss mich aber zu packen. Denn die Franzosen BRAN BARR, die genau wie NYDVIND aus der Gegend um Paris kommen und sogar noch personell verwandt sind, spielen einen wunderschönen Folkblackmetal. Die Musik ist rasant und doch höchst melodisch in den derben Teilen, sie kann aber auch verzaubernd schön sein, wenn akustische Instrumente das Ruder übernehmen und eine sehnsuchtsvolle keltische Melodie erklingen lassen.Wiederum dann wird meist jenes Ruder zurück gen Metal gedreht, mit kräftig sägenden Rhythmusgitarren und packenden Riffs. Der traditionelle Heavy Metal Anteil ist nicht unbedingt als gering einzustufen und wird einige tolerantere True Metaller sicherlich versöhnlich stimmen, sobald "FOLK" und "BLACK METAL" ins Gespräch gebracht werden. Es wird sogar gerne einmal heroisch mit melodischer Stimme gesungen. Ansonsten aber geben BRAN BARR in allem was sie tun Stulle. Instrumental hat man ihnen nichts vorzuwerfen, das klingt tight auf den Punkt. Die Produktion ist rau belassen, lebendig mit schön scheppernden Becken an den Drums. Guter Schlagzeuger übrigens. Ein gute Anspieltipp ist der dritte Song "Fury - Exile Of The Orphan", welcher sämtliche Bandtrademarks in sich vereint. Speedmetalraserei, Blasteruptionen und furiose Soli, betörende Folkanteile, zorniges Knurren und Heldengesang. Das ist in der Tat ein feister Spass mit dieser Band, die im Juli 2010 unser schönes HÖRNERFEST musikalisch zum Brodeln bringen wird. Oder der sechste Song "Rebirth - Morgan's Gift to Righ'Sidh", welcher verstärkt mit Folkelementen aufwartet, neben den schwungvollen Passagen mit donnernder Bombarde über packenden Riffs auch auf zauberhafte Tin Whistle Abritte auf ungezähmten Blackthrashattacken setzt, jedoch eben mit der verstärkten Tendenz zur keltischen Urmusik. Und als drittes Wunderwerk unter all den Wundern stelle ich "Profedïez" vor, das mit urtraditionellem keltischen Gesang, der eher auf Lautmalerei denn echte Texte setzt, seinen Lauf beginnt und immer kraftvoller, treibender Wird, wobei die Tin Whistle beharrlich auf ihrem Kurs bleibt und nur die Rockinstrumentierung Fahrt aufnimmt. Mittelschnell wogende Hymnenhaftigkeit wird in mancher Passage auch hier in Anspruch genommen. Im Grunde ist hier sogar nur eine Grundmelodie gegeben, auf der die Rockparts aufgebaut werden, mal flotter, mal wogend, aber stets der Melodie der Tin Whistle folgend. Gigantisch. BRAN BARR spielen mit einer immensen Leidenschaft und Entschlossenheit zum wilden Tanze auf, Hut ab! Eigentlich hätte die Scheibe bereits vor drei Jahren draußen gewesen sein sollen, aber manchmal macht einem das Schicksal einen Strich durch die Rechnung. Ein Glück, dass sich mit TROLLZORN das richtige Label fand. TROLLZORN haben mit dieser und den drei zuletzt besprochenen Bands WULFGAR (SE) und NYDVIND gerade im folkigen Blackmetalbereich heisse Eisen im Feuer, da sie sehr viel Wert auf gutes Songwriting mit Wiedererkennungswert und gute Musiker legen, zwar sicherlich einen angesagten Sound bedienen, dies aber aus Überzeugung tun und auch täten, wenn es eben kompletter Underground wäre. Ein Label mit Blindkaufgarantie. Der Folkblackmetal von BRAN BARR mag eventuell keine Neuerungen in das Unter -, wie auch das Muttergenre bringen, da eine Band wie CRUACHAN das schon 1994 bis ins Detail, nur mit dreckeligerem Sound ausgetüftelt hat, aber sie werden den Altvätern keltisch melodischen Blackmetals gerecht mit ihren sehr gefühlvoll inszenierten Stücken, die mir Herz und Leib entflammen lassen. Ich freu mich auf den Sommer!

Samstag, 6. März 2010

THE FLYING EYES - The flying eyes



(CD, USA, World in Sound, 2009, 42.23)
Part A: Bad blood
01. Lay with me
02. Better things
03. Bad blood
04. Don't point your god at me
05. She comes to me

Part B: Winter
06. We are not alive
07. Red sheets
08. Around the bend
09. Winter
10. King of nowhere

Ich bin manchmal eher abgetörnt von den aktuellen musikalischen Entwicklungen. Das, was ich gerne höre, ist zuweilen bis zu 50 Jahre alt, die modernen, von digitaler Totproduktion und ätzenden, abgehackten, gefühllos und unkreativ gespielten "modernen" Krachgitarren, bis zu einer ganzen Oktave tiefer gestimmt, beherrschte Rockmusiksparten begeistern mich kaum bis noch viel weniger und wenn dann mal eine Retroband auftaucht, so ist oft die Vorlage wirklich geil, die durchgepauschte Kopie hingegen nur ein müdes Lächeln wert. Wenn überhaupt. Wirklich geil hingegen waren einige neuere Acts aber doch, vor ein paar Jahren ORANGE SUNSHINE aus Holland, die als Fuzzgitarrenpowertrio den alten BLUE CHEER (die damals durchaus noch aktiv gewesen sind) und anderen Helden wie CREAM und MOUNTAIN Konkurrenz zu machen drohten. Zuletzt waren es die Amis ASTRA mit ihrem Heavyprog a la KING CRIMSON und die acidbluesigen Heavyrocker DE WOLFF aus Holland, die mich wirklich zu packen wussten. Heuer sind dann nun THE FLYING EYES, Psychedelicrocker aus den USA dran, genauer aus Baltimore in Maryland. Bekannt ist der Bundesstaat für eine gesunde Doomszene, zu der u.a. EARTHRIDE, REVELATION, AGAINST NATURE, IRON MAN und LIFE BEYOND zählen oder zählten. Aber Psychedelicrock? Nun, wir dürfen gespannt sein. Auf der vorliegenden CD sind beide EPs der Band vereint worden, die "Bad blood" und die "Winter", jeweils einen Teil ergebend, der wiederum aus fünf Songs besteht. Fangen wir also mit dem "Bad blood" Teil an, lassen uns vom lässigen Bluescountryrock "Lay with me" einstimmen. Nicht durchgehend countrybluesrockig bleibt es, denn irgendwann setzen verzerrte, brodelnde Gitarren ein und sogar ein dahinschwebender melancholischer Psychedelicpart wird hier aufgefahren. Großes Kino. Aber was einen wirklich an die Pforten der Wahrnehmung und hindurch trägt, ist die Stimme des Sängers, die ein volles, warmes Timbre besitzt, etwas rau und dreckig kommt, in mittleren Lagen daheim ist und da eher die tieferen Gegenden bevorzugt, hervorragend zum "White Boy Blues" passt und einen mit ihrer hypnotischen Art betört, ja direkt aus dem Totenreich zu uns zu sprechen scheint, denn so singt doch nur einer, der Poet und Rauschmagier aus Venice Beach, Jim Morrison persönlich. Dagegen wirken die Songs der EP an sich ja noch recht konventionell, haben aber Charme und sind tatsächlich gut komponiert, locker strukturiert, mit Leidenschaft und Lust auf Sex, Liebe und Leben zelebriert und inbrünstig heruntergezockt. So auch der fetzigere Rocker "Better things", der unvermittelt abbricht und dem bluesigen Titelstück platz macht, welches zum Ende hin in ein melancholisches Psychedelicstück umschlägt. Treibender Bluesrock ist dann "Don't point your god at me", mit seiner grandiosen Farfisaorgel und den jaulenden, brodelnden Leadgitarrenklängen, die oft eine beschwörende Stimmung in ihrer innigen Vereinigung herbeirufen. Dieses Stück hätte gut zu "The Doors" (1967) oder dem finalen Meisterwerk "LA Woman" gepasst, wohl eher noch zum 71er "LA Woman", da 1967 noch nicht so sehr mit Sägegitarren experimentiert wurde, oder? Nun, egal, grandios, gigantisch, beschwörend, magisch, purer Sex für die Sinne. Ich sehe eine Legion von Acidrockern, die zu dieser Musik gezeugt wurde. Ob THE FLYING EYES Drogen nehmen, ist mir jetzt nicht bewusst, aber ihr Spiel klingt sehr entspannt und auf gewisse Weise davongeflogen, kann dennoch ekstatische Ausmasse annehmen und läuft stets abseits von allem Mainstreamgetue. Hier wird die Musik gelebt wie gespielt. Ein letztes schönes Highlight des "Bad blood" Abschnittes der CD ist "She comes to me", eine wundervolle Acidballade, deren Gitarrenmelodie ein wenig wie aus der Bahn geratener Folkrock klingt und Assoziationen an die BEATLES weckt, "Norwegian wood", you know? Dann aber kommen DOORS und LED ZEPPELIN in tiefster, friedvoller Stimmung zusammen und rauchen zusammen den großen Friedensjoint, der die britische und amerikanisch westküstliche Rockmusik für immer vereint. Eine eindringlichere Musik hab ich selten gehört, auch nicht von den Originalen der 60er. Das Cello in der zweiten Strophe vertieft den emotionalen Ausdruck des Stückes noch so sehr, dass ich meine Tränen der Rührung kaum zurückhalten kann und dahinschwelge, mich in bunten Welten verlieren und diese triste, kaltgraue Realität nie wieder betreten möchte. "When she comes...she comes for me...", aaah, ein einzigartiger Traum. Und so bauscht sich der Song dann auch mal kurz im Schlagzeugbereich auf, wird wild, explodiert beinahe, nur um wieder zurückzufallen auf eine Orgelpassage mit bezaubernder Melodie, bei der es einige rückwärts laufende Orgeleinlagen gibt. Wow, nun hinterlässt es mich beinahe gebrochen, da treibt ein fetter Hardrock drauflos und ich werde vom unwiderstehlichen Groove mitgerissen. "We are not alive" ist der Titel, nun, wetten möchte ich nicht darauf. Eine eruptive Mischung aus fetzender Gitarre und kräftiger Orgel bildet die Grundriffs, wobei in der Strophe Gesang und Rhythmuscrew das Sagen haben. Das Feeling ist so urtypisch 69, 70, 71. Gar nicht "retro", sondern authentisch. Der schwebende Psychedelicpart in der Songmitte hat was für sich, ebenso wieder mystische Freakout mit brodelnden Klampfen und wildem Drumming, dann der furiose Ausbruch mit krachenden Orgeln und Äxten und der abrupte Schluss. Bluesig und rockend geht es wieder zurück in die Mitte der 60er zu "Red sheets", wo die DOORS tatsächlich noch die DOORS OF PERCEPTION gewesen sind. Die Hardrockeinlagen passen aber nicht zur Zeit, klingen eher nach 1971 oder 72. THE FLYING EYES springen geschickt zwischen den Jahren und auch wenn von 1965 bis 1972 nur sieben solcher Jahre vergangen sind, so war die Entwicklung in der Musik doch so gewaltig, wie sie später nie mehr sein sollte. Ein jammiger Leadgitarrenausbruch mit verzerrtem Bass spricht von moderner Aufnahme, denn diese Art mit einem Song die Seele des Zuhörers weichzukochen, ist bereits vor vierzig Jahren vollends perfektioniert worden. Eigentlich kann ich jetzt schon nicht mehr, aber "Around the bend" bringt mich wieder runter, hier wird wiederum ruhiger, mit effektüberladen wabernden Gitarren, Folkrockfeeling und Sonnenschein im Gemüt geboten, ganz entspannt und wunderschön. Mein Kaffee ist alle, merke ich gerade und es macht mir nichts aus, gefangen in der dämmerigen Strophe des Stückes und wieder ausgespuckt, hinaus auf die Straße zum Weiterziehen im lockeren Refrain. Die Strophe spricht von Lagerfeuer, Kuscheln und mehr mit fremden, aber besonders schönen Mädchen, einem Joint hier, etwas Meskalin da. Und man schwebt dahin über die weiten Wege, vorbei an allem, was die Zeit so vergessen hat dastehen lassen. Mit etwas Gitarrenfeedback setzt das Titelstück ein. Lockerer Boogie, erdiger Bluesrock und geheimnisvolle Psychedelik treffen auf einander, paaren sich auf einem Fundament aus sexy Rhythmen und geben einen lässigen Groover ab, der einen weiteren Hit im Fundus der Band darstellt. Ich fasse es nicht, wie hinreißend und bewegend diese Mucke ist. Man könnte sich über Stunden diese CD reinziehen, sich in Trance tanzen und immer wieder neue Grenzen der Wahrnehmung überschreiten. Nur wenige Alben, auch bei den Originalen der 60er, hatten solch eine gigantische Wirkung. "Tje Doors" von 1967, das Debüt der kalifornischen Helden war ein solches. Irgendwann ist man in "Winter" dann bei einem eher dem Prog zuzurechnenden, ruhig dahinfließenden Part angekommen, der in einen treibenden, bis in die pure Ekstase hineingehenden Part mündet, über dem irrwitzig soliert wird, dann stampfend wie bei Tänzen der amerikanischen Ureinwohner mit Acidrockbekleidung die Sinne betört und in die Unendlichkeit entgleitet. Ruhig, auf gewisse Weise fröhlich und doch nachdenklich kommt der "King of nowhere" dahergeschlendert. Das ist ausnahmsweise mal nicht so DOORS lastig, ich kann aber nicht sagen, woran es mich erinnert. US Psychedelic Singer Songwriter der späten 60er, ja. Vielleicht VELVET UNDERGROUND? Vielleicht Neil Young, vielleicht beides zusammen? Vielleicht an die fragile Bekifftheit mit verstimmten Gitarren, die MONSTER MAGNET Anfang der 90er zelebriert haben? Oder an 80er Alternapsyche wie SEBADOH? Nun, die Helden der 80er und 90er haben sich eben an den gleichen Wurzeln orientiert wie nun THE FLYING EYES. Das sachte, zerbrechliche und so himmlische Glockenspiel mit ganz sanfter Gitarre am Songende ist noch einmal eine gigantische, wenngleich zauberhaft sinnliche Erfahrung, dann kommt das Ende. Eine kurze Note noch und es ist vorbei. Und ich, meine Damen und Herren, ich bin spirituell ausgebrannt, nurmehr ein Häufchen Asche, aus dem mein Geist wie der mystische Vogel Phoenix neu geboren wird. Hallelujah! Dies ist mehr als nur eine CD, dies ist eine spirituelle Erfahrung.