Freitag, 21. September 2018

VERGESSENE JUWELEN: Bulbous Creation - You don't remember dying (USA, Recorded 1969/70, Rockadelic 1995 / Reissue O-Music 2011)




01. End of the page
02. Having a good time
03. Satan
04. Fever machine man
05. Let's go to the sea
06. Hooked
07. Under the black sun
08. Stormy monday

Manche Alben kommen spät zu einem. Ich selbst habe, als grosser Heavypsychedelic Rock Fan seit meinen späten Teenagertagen, seit ich im Grunde BLACK SABBATH und die DOORS, dazu CREAM und HENDRIX für mich entdeckt hab, diese Band erst 2006 in meinen Fokus bekommen. 1996, als ich meine erste grosse Entdeckungsreise in die Welt von Undeground Prog und Acidrock der 60er undn70er begann, gab es dieses Kleinod auch erst ein knappes Jahr. Aufgenommen um die Jahrzehntwende 69/70 herum schlummerte das Material 25 Jahre im Bandarchiv. Das kultig verquere Rockadelic Label hat dann die Aufnahmen in die Finger bekommen und eine erste reguläre (nehme ich mal an) LP Version auf die Menschheit losgelassen, damals schon kaum erschwinglich für den eher wenig Geld habenden jungen Musikliebhaber. Bei Odin, ich hätte sie mir wohl trotzdem gekauft. 2006 lernte ich BULBOUS CREATION dann über diverse Download Blogs kennen und bekam sie als überirdisch geniales Heavy Psychedelic Rock Monster angepriesen. Das geschah bei vielen Platten damals so, die im Original ausser Reichweite, stilistisch ansatzweise im richtigen Genre und qualitativ okay waren.

Und irgendwie beginnt das Album mit "End of the page" auch sehr zahm und verhalten im typisch verträumten Spät 60er Acidfolk Stil mit bluesigen Untertönen, einer romantisch - melancholischen Atmosphäre, die an laue Sommerabende auf den Klippen über der Bucht von San Francisco denken lässt. Der Song sticht nur mit seiner textlichen Endzeitstimmung aus der Masse heraus. Ein schöner Song natürlich, gefühlvoll umgesetzt, aber an dieser Position irreführend. Wäre was für die Albummitte gewesen, denn so war das Album für mich kein HEAVY PSYCHEDELIC MONSTER, sondern eine typische Hippiescheibe. Der Download verschwand im CDr Archiv, weitere zehn Jahre gingen ins Land und ich stolperte über eine CD Neuauflage. Gekauft, "End of the page" als schön empfunden und weitergehört. "Having a good time" ist dann tatsächlich der Acid Rock Feuersturm, den ich eigentlich als Albumopener erwartet hätte. Forsches, treibendes Drumming, angriffslustige Rockgitarren, eine dreckige, helle Stimme, die das Rock'n'Roll Leben preist und dabei immer etwas manisches, verzweifeltes mit sich trägt. Geiler Scheiss. Schön fuzzige, wilde Soli veredeln diesen Donnerschlag, der bereits die großartigen Talente von vier jungen Musikern zeigt. Gerade das Schlagzeug spielt nicht einfach nur den 4/4 Takt durch, sondern groovt polyrhtyhmisch und schwungvoll auf den Punkt.

Kann es noch besser werden? Der mittelschnelle, bluesige Heavyrock von "Satan" bejaht dies. Die Melodien sind eigentlich typisch für diesen düsteren Blusrock und Hardrock jener Tage, die Notenfolgen weichen nicht von den damals schon Jahrzehnte geltenden Schemata des Blues ab, aber die Art und Weise ihrer Zusammensetzung ist neu, frisch und bringt Wiedererkennungswert. In der Tat hat die Platte eine sehr eigene Seele und auch wenn sie im Stil dem archetypischen 1970er Heavy Acid Sound folgt, sie ist absolut eigenständig. "Satan" brodelt derweil unaufhaltsam in die Seele des Hörers hinein und raubt ihm die bunten Illusionen der Hippietage. Das hier duftet nach Großstadt, Hinterhof, Schlaglöchern in den Strassen, Verlassenheit, Resignation. Noch besser kommt das im walzenden "Fever machine man". Das Schlagzeug fällt wieder als erstes auf und wenn man genau hinhört, besteht der besessene Groove aus vielen kleinen, technisch virtuos zelebrierten Figuren. Gesang und Gitarre duellieren sich gerne, gerade im vollkommen irrsinnigen Mittelteil. Die Gitarre ist hier schön schmutzig, knirscht und sägt. Eine coole Orgel hat sich als gleichwertiges Leit - und Begleitinstrument eingeschlichen, lässt fantastische Soli vom Stapel. Der Bass hält derweil ganz entspannt ein bis zwei Variationen des Grundlaufes präsentierend den Song zusammen. Wenn der Gitarrist dann hier und da komplett ausgeflippt soliert, springen beim Hörer definitiv alle Sicherungen raus.

Aber es wird noch eine Schippe draufgelegt. "Let's go to the sea" beginnt mit einem wuchtigen Lauf aus Bass und Schlagzeug, entpuppt sich dann als epischer Hardrock mit betörender Gesangsmelodie, verhaltener in der Strophe, in Richtung Refrain dann immer überbordender und wilder. Genauso wie die in schillernden Farben explodierende Gitarre, deren eruptiver Ausdruck auf dem ganzen Album schon beeindruckt, aber hier wirklich alle Ketten sprengt. Coole Riffs, die sicherlich auch bei anderen Rockbands ihrer Zeit vorkommen, werden hier zu einer echten Bedrohung für die Seele. Der hypnotische Jam im Mittelteil ist absolut entrückt. Da wird sogar ein atonales Mundharmonika Solo zu einer klanglichen Köstlichkeit. Urplötzlich schlägt der Song um, jetzt kommt hier tatsächlich der typische "Evil Woman" Vierviertel und die Band rockt hart. Gesang, dann ein absolut entfesseltes Solo, coole Bluesrockige, aber härter vorgetragene Riffs und Ende. Wow, ich liege am Boden.

Diese Band aus Kansas City hatte eigentlich anderes im Sinn, als komplett vergessen zu werden. Heute sollten sich Fans von echtem Heavypsychedelic nicht mehr lumpen lassen und eine der vielen Reissues in LP und CD Format zu sich holen. Leider haben Sänger Paul "Parky" Parkinson und Gitarrist Alan Lewis nichts mehr von ihrem späten Ruhm, beide verstarben schon 2001 (Parkinson) respektive 1998 an Krebs. Umso eindringlicher wirkt das Album, wie ein letzter Gruß aus der jenseitigen Welt. "Hooked" ist der sich anschließende knarzende Grooverocker mit Orgel, zerrig dreckiger Gitarre und einem seiner Wut und Verzweiflung Luft machenden Sänger. Dabei sind hier die Merkmale des Bluesrock am deutlichsten. Textlich geht es um Knast, Drogen und das Leben am Rande der Welt. Keine bunten Tücher, keine Liebe, keine Blumen, kein Frieden. Lewis soliert hier wieder als ginge es um sein Leben, wenn er nicht gerade seine zerstörerischen Akkordfolgen vom Stapel lässt. Parkinson geht extrovertiert aus sich heraus. Er ist kein großer Techniker, sondern ein Rocker, ein Blueser, ein Geschichtenerzähler von der Strasse, eine Art Protopunk und dadurch einzigartig.

"Under the black sun" schließt sich "Hooked" an, ist aber energetischer, treibender, wilder, bei gleichbleibend hoher, kaum zu ertragender Intensität. Die Orgel spielt sich zuweilen wild solierend in den Vordergrund, während Bass, Schlagzeug und Gitarre für einen fiebrig brodelnden Unterbau sorgen. Der Beat reisst Dich derweil komplett mit sich in einen Strudel aus Wahnsinn. Urplötzlich ist der Song vorbei.

"Stormy Monday" am Ende des Albums ist dann Blues, reiner Rockblues auf Basis der alten Musik, allerdings etwas extrovertierter und wuchtiger durch die Rockinstrumentierung mit abgeflogenem Drogenfeeling. Das hier ist der Kater nach all den Exzessen der letzten 35 Minuten. Und noch einmal scheint die Band wirklich aufdrehen zu wollen, gerade im Bereich der Leadgitarre. Dieser typische 70er Bluesrock hätte sich sehr gut auf dem ersten LED ZEPPELIN Album oder bei BLUE CHEER gemacht. Mich erinnern BULBOUS CREATION an die Texaner JOSEFUS mit ihrem "Dead man" Album, welche ebenfalls Blues, Psychedelic und Hardrock vermengten und gleichsam verzweifelt, düster und wütend klangen.

Ein Album, das man sich wieder und wieder anhören kann, das einen nicht loslässt und immer tiefer in die seelischen Abgründe der frühen Post Hippie Zeit hineinzieht. Es kann verstörend wirken, es ist aber am Ende eine Befreiung.

Mittwoch, 12. September 2018

Ein Held ganz nah...



Jordan Macarus - Joel Peter, Suse, Stan (2016)

Jordan Macarus ist aus seinen WINTERHAWK Zeiten einer meiner Helden der Rockmusik. Hier allein mit seiner akustischen Gitarre in einer Küche...sanft, melancholisch und absolut intensiv.Ich liebe die Musik dieses Mannes. Danke an meinen Buddy Ray Dorsey, dass ich Winterhawk und Jordan Macarus kennenlernen durfte.

VERGESSENE JUWELEN: BREAKER (CAN) - In days of heavy metal (1982)




(Iron Head, Kanada, 1982)
01) Livin' free
02) Satan's lyre
03) Easy rider
04) In days of heavy metal

Heavy Metal ist für mich durchaus mehr als nur Musik, es ist für mich Lebensphilosophie und irgendwo auch ein quasireligiöser Kult mit anbetungswürdigen Fetischen, einer gewaltigen Menge an Propheten und Heiligen, einer großen Spiritualität und fantasievollem Weltbild. Die Welt des Heavy Metal und ihr Lebensstil sind geprägt von Heldentum, Mut, Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Leidenschaft und großer Liebe zum Leben und zu den Gleichgesinnten. Die Elite des freien Daseins sozusagen, die Macht des Fußvolkes, eine Welt, in der tyrannischen Herrschern Paroli geboten wird und wo die stählernen Ritter noch ehrenhafte Kerle sind. Hier leben auch Amazonen und in Leder und Jeans gewandete Strassenkämpfer, deren hehres Ziel es ist, den Gedanken der Freiheit und des erfüllten Lebens in der Welt fest zu verankern.

Was für eine Einleitung, liebe Freunde, aber manchmal überkommt es mich. Gerade bei einer Band wie BREAKER aus Kanada, welche von allen drei mir bekannten BREAKER Bands meine liebste ist. Natürlich sind die US BREAKER aus Cleveland mit ihrem "Get tough" Album und ihren weiteren Veröffentlichungen eine Macht, natürlich sind die deutschen BREAKER mit "Dead rider" eine coole Truppe, aber die ungeschlagene Nr. 1 sind die Kanadier mit ihrer Mini LP von 1982. 23 Minuten Heavy Metal mit rockendem Einschlag und unvergleichlichen Melodien, die sich nach wenigen Durchläufen förmlich in der Seele festgebissen haben und bei jedem Hören einen Cocktail aus Glückshormonen und Adrenalin in den Körper des Headbangers jagen, während er die mächtigen, packenden Refrains aller Stücke laut mitsingt.

Es beginnt mit "Livin'free", einer Akkordfolge, einem galloppierenden, sich langsam steigernden Rhythmus und einer aufwühlenden, machtvollen instrumentalen Einleitung. Die Strophe wird von klaren Gitarren und einer schönen Gesangslinie begonnen, im zweiten Teil dann kräftiger und geht ohne Bridge in einen Refrain über, der Dich als Hörer in ein wunderschönes Chaos der Gefühle stürzen wird. Dieser kantige, eingängige Rocker gehört wohl zu den großartigsten Heavy Metal Hymnen aller Zeiten. Der Mittelteil wird auf treibendem Grundrhythmus förmlich zelebriert, die Solopassage bekommt eine schöne Einleitung mit "Ohohooo" Chören, bevor der Leadgitarrist dann kurz steilgehen darf und ein solider Heavy Metal Part in eine ruhige Passage überleitet, der dann eine halbe Strophe und ein Refrain folgen.

Man ist noch ganz im Rausch, da donnert schon "Satan's lyre" aus den Boxen. Erdig, ehrlich und cool, purer Heavy Metal Rock, unkompliziert und auf den Punkt gespielt. Der Refrain ist ebenso direkt und einfach, aber absolut treffsicher. Das Solo ist feurig, wild, steckt voller ungezähmter Lust, was natürlich dem diabolischen Thema des Textes entspricht. Satan steht hier stellvertretend für brodelnde Lebenslust und das drückt der Song auch aus. Sämtliche SAXONS, JUDAS PRIESTS, ACCEPTS und sonstige Anführer der HM Band Community im wirtschaftlichen Sinne haben hier eine ebenbürtige Undergroundband im Nacken.

Entschlossen rockt dann im etwas forscheren Shuffle Rhythmus "Easy rider" durch die Heimstatt des Headbangers. Die Strophe hat eine einfache, aber packende Struktur, der Refrain ist etwas ausladender, mit einem "Easy Rider" im Chor gesungen und einer Antwort des Leadsängers mit längerem Text. Sehr schön gemacht. Die Solopassage ist wieder straight, das intensive, brodelnde Gitarreninferno liegt auf einem Grund aus rollenden Drumtriolen. Die Band ist perfekt eingespielt. Der allgemeine Klang ist rau und sehr höhenlastig, was allerdings nur noch mehr zum bodenständig ehrlichen Charme der Musik beiträgt.

BREAKER schreiben Stücke für die Ewigkeit, eternale Hymnen des Heavy Metal, die eigentlich von einer gewaltigen Fanlegion regelrecht verschlungen werden müssten und sich bestens auf SAXONS ein Jahr zuvor erschienenem Meilenstein "Denim and leather" oder RIOTS "Narita" und "Fire down under" Klassikern gemacht hätten. Nichts da, BREAKER verschwanden und wurden nur noch von Raritätenjägern als Tresorfutter bei findigen Händlern erstanden, wenn denn die EP überhaupt noch auftauchte. Das hat mit der CULT METAL CLASSICS Reissue nun eine Wendung genommen.

Wir haben jetzt drei der vier Stücke auf der Platte, sprich die komplette A Seite, unter die Lupe genommen. Die B - Seite ist dran. In gut 11 Minuten wird hier etwas zelebriert, was als Heavy Metal Version des epischen Neoprogs von MARILLION und PALLAS durchgehen kann. Melodien aus dem altbritischen, mittelalterlichen Folk im Heavy Metal Stil gespielt, getragen im Tempo, aber kraftvoll im Ausdruck sind die Eröffnung dieser epischen Bombe. Dann stapft der Rhythmus, während Gitarren und Bass dezent galloppieren. Darüber liegt eine mitreißende Gesangslinie, so erhaben und verzaubernd, dass einem förmlich die Sinne schwinden. Ähnliches kann ich über die folgende ruhige Passage berichten, in der viele wortlose Chöre über schwebenden, jedoch wuchtig schweren Riffs und Melodien liegen. Dann ein Bruch und es wird treibender, entschlossener, wilder. Ein feuriges Solo setzt ein, immer wieder begleitet von Gesang. Dann bekommt man erneut eine dahinpreschende Heavy Metal Passage um die Ohren geknallt, auf der die Gesangslinie reitet, welche Dich förmlich durchdringt und mit sich fortzieht. Nach wie vor sind alle Abschnitte unkompliziert aufgebaut, gehen umgehend ins Ohr und ins Herz. Allein der epische Songaufbau, welcher das lange Stück mit einer spannenden Dramaturgie versieht, hat schon einen progressiven Ausdruck. Hier scheint es, als wären tatsächlich zwei Stücke zu einem verschmolzen. Nun, BREAKER machen hier keine halben Sachen, alle Übergänge der einzelnen Parts sind logisch, haben Fluss und halten den Hörer im Bann der Musik.

Mein Fazit ist, dass hier leider eine begnadete Truppe wieder komplett untergegangen ist, weil wahrscheinlich der Weg von der lokalen Bühne ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit zu weit war. Schade ist, dass die Wiederveröffentlichung keine Bonustracks und somit keine Albumlänge hat. Anscheinend war dies alles, was BREAKER jemals aufgenommen haben. Irgendwo gibt es noch eine Single von IRON HEAD, die zwei vor dieser MLP entstandene Aufnahmen beinhaltet, aber erst nachträglich 1998 unter dem Titel "Second to none" veröffentlicht wurde. Die Songs hätten sicher noch auf die Platte gepasst, wenn schon kein Demomaterial und keine vernünftigen Liveaufnahmen existieren. Nun, lieber 4 Grandiose als 8 halbgare Songs. BREAKER müssen gehört werden, die Songs der Band müssen leben. Und unter all den nach der alten Musik gierenden jungen Recken und Maiden in der neuen Heavy Metal Szene sollte sich die Mär von dieser EP im Nu herumsprechen.

Dienstag, 11. September 2018

VERGANGENE GROSSTATEN: QUARTZ - Quartz (Jet Records, 1977)




(Jet Records, 1977)
01. Mainline Riders
02. Sugar Rain
03. Street Fighting Lady
04. Hustler
05. Devil's Brew
06. Smokie
07. Around and Around
08. Pleasure Seekers
09. Little Old Lady

Die ehemaligen BANDYLEGS waren 1977 als QUARTZ wieder auferstanden und gehörten zu den Schützlingen vom gleichaltrigen, aber ungleich erfolgreicheren BLACK SABBATH Mainman Tony Iommi. Dem schweren Birmingham Sound, siehe auch JUDAS PRIEST, trug man damals gerne Rechnung, wobei QUARTZ weniger Düster, wohl aber zwischendurch melancholisch waren und insgesamt weniger spektakulär als ihre beiden weltberühmten Mitstreiter. Erstklassig waren sie trotzdem auf ihre Weise, denn die Stücke hatten Charakter und einen ganz ureigenen Ausdruck.

Schon der Opener „Mainline riders“ macht das deutlich. Mittelschnell, schwer rockend und bereits bei den eröffnenden Akkorden eine gewisse hymnenhafte Grundepik verbreitend stampft er aus den Boxen und zieht Deine Faust augenblicklich in die Höhe, während Dein Kopf sich im Takt wiegt. Die Gitarre bringt durch eine Dopplung in verschiedenen Oktaven eine eigenartig dunkle Atmosphäre mit sich, nachdenklich, bittersüß. Und das bittersüße Element ist stets gegeben, im ruhigen, entspannten „Sugar rain“, in der Ballade „Little old Lady“, während die Band auch gut zu rocken weiß. „Sugar rain“ hat viel vom gerade zu seiner Zeit aktuellen AOR Sound, ist sphärisch, hat verspielte Passagen, vereint die sanften mit den treibenden Momenten. Ein schönes Stück Rockmusik mit dezentem Hardrockeinschlag, kein Heavy Metal wohlgemerkt.

QUARTZ standen noch vor der großen NWoBHM, waren 70er, waren AOR und Hardrock, ohne den Schmalz der großen Majorproduktionen. In „Sugar rain“ gibt es sogar spannende progressiv Momente, auf denen eine Querflöte im besten JETHRO TULL Stil soliert. Der treibende Heavy Boogie Beat von „Street fighting lady“ und die erdige, hymnische Gesangslinie deutet in die Zukunft, ist prototypisch für den ehrlichen, herzlichen NWoBHM Sound, der schon zwei Jahre später in aller Ohren sein sollte. Beim flotteren „Hustler“ sind wieder die gedoppelten Gitarren und schönen Harmonien zu finden, welche ebenso typisch NWoBHM sein werden, aber auch eine sanfte, wenngleich treibende Strophe mit akustischen Gitarren. Der Song ist nicht ultimativ heavy, rockt aber und hat eine wundervolle Melodieführung.

QUARTZ bauen auf Eingängigkeit, aber ihre Stücke sind durchdacht, komplex aufgebaut, sehr dynamisch. Gefühlvolle Melodien finden sich überall auf dem Album und stimmen den Hörer melancholisch, wenn nicht wie im Stampfer „Devil’s brew“ eine sehr ausgelassene Stadionrockstimmung vorherrscht. Der Refrain ist sehr euphorisch und mitreißend. Immer wieder landet das Stück in einer spacigen Passage, mit eher erzählendem Charakter. Als würde man die Geschichte einer abenteuerlichen Sternenfahrt musikalisch untermalen, mal heroisch, mal mystisch. Ein schönes Stück Musik, welches u.a. auch gut auf die „Sabotage“ und „Technical ecstasy“ von BLACK SABBATH gepasst hätte, zwei Alben, die ja auch nur ein bis zwei Jahre vorher erschienen sind. Kein Wunder, dass Keyboarder Geoff Nicholls später dann ganz bei Iommi anheuerte.

„Smokie“ ist dann ein kurzer Akustikgitarreneinspieler, niedlich, aber sehr flüchtig. Vielleicht aber auch deswegen von so unvergleichlich fragiler Schönheit. „Around and around“ als Dampfhammerrocker wirkt hiernach doppelt wuchtig, hat wieder diese herrlichen Twin Gitarren (auch wenn eigentlich nur ein Gitarrist offiziell dabei ist, aber im Studio kann man ja alles machen) und Melodien zwischen Euphorie und Nachdenklichkeit. Schön ist der schwebende Einschub mit herrlichen Leadgitarren und Orgel. „Around and around“ ist wie „Devil’s brew“ ein epischer Hardrocksong mit eher lebensfroher Atmosphäre, dessen unkomplizierte, aber punktgenau sitzende Riffs Spannung erzeugen.

„Pleasure seekers“ ist brodelnd heiß und dabei total cool, ein hymnischer Song, auch hier mit schönen doppelläufigen Gitarren und von einer unglaublichen Geschmeidigkeit. Das Stück groovt ganz ungemein. Eigentlich läuft hier der Bluesrock mit klassischem Südstaatensound zusammen, wird aber durch die britische Erdverbundenheit in eine ganz andere Richtung getrieben. Das ist sexy. Hört nur die schönen Stakkatogitarren unter den Hauptriffs oder die wunderbare Leadgitarre, welche den Gesang begleitet. Das hier ist ein Hit vor dem Herrn.

„Little old lady“ beschließt das Album dann mit Melancholie und herbstlich bitterer Süße. Meist sanft balladesk, sind auch einige schöne rockende Momente enthalten. Man sieht förmlich die Blätter von den Bäumen unter grauem, wolkenverhangenem Himmel regnen. In der Tat ist gerade Herbst, wo ich dieses Review schreibe. Der Song passt perfekt.

Mein Fazit für das Album ist, eine kompositorisch hervorragende und spielerisch ausgezeichnete Band zu hören, die sicherlich nie den allergrößten Popsong geschrieben hätte, aber dafür harten und nicht ganz so harten Rock zu einer Musik vermischt, die auch 40 Jahre später noch bestehen kann, wie das aktuelle Album auf High Roller Records zeigt. Mir liegt übrigens eine Reissue der Debütscheibe auf „Back on Black“ vor.