Samstag, 10. November 2018


01. Everyday is cool
02. Crystal mirror
03. Warning in the sky
04. The devil's in you
05. Green glass and all that jazz
06. Conversation with Billy
07. Bought and sold
Orgeln, Mann, Orgeln!!!! Und knackige Riffs! Langhaarige Typen auf dem Backcover und die gleichen auf dem Frontcover. Ihr Foto eingebettet in ein mystisch dunkles Vollmondbild, gemalt natürlich, mit Sumpfhintergrund. Und dann gleich dieser Opener, der eingängige "Everyday is cool" Song. Die Hauptmelodie packt Dich augenblicklich und das Zusammenspiel der Instrumente ist absolut auf den Punkt. Trotzdem klingt alles lebendig und vibriert vor brodelnder Leidenschaft. Der Tontechniker, welcher dieses Demo (!) von 1970 aufgenommen hat, wurde später dann mehrfach für seine Arbeiten mit dem Grammy ausgezeichnet. Da verwundert es nicht, dass die Aufnahmen dieser Kellerband von 1970 so perfekt geworden sind. Jedes Instrument, derer viere gibt es, Bass, Gitarre, Schlagzeug und Orgel, dazu ein mittelhoher, angerauter Leadgesang, ist klar und deutlich im Mix herauszuhören, hat Volumen und Kraft. Die Band spielt mit viel Gefühl, mit Wut in den forscheren Rockpassagen, aber auch entspannt in den progressiveren, verwegeneren Parts, wo ein dezent jazziger Schwung die Rhythmik bestimmt, während darüber Orgel und Gitarre feine Harmonien zaubern. Im epischen Titelsong sogar beide gleichzeitig über einem vertrackten Beat. Hier schimmert der aufkommende Progressiverock schon durch, wird aber härter und angriffslustiger gespielt. Der Sänger ist charismatisch und hat diese Magie des Erzählers.
SABBATIS schalten gerne einen Gang zurück und verzaubern den Hörer mit dahintänzelnden, verträumten Rockmomenten, bevor sie wieder die Riffkeule auspacken. Hier haben natürlich die großen Helden der Rockmusik Pate gestanden und man kann gut heraushören, welche Ikonen mit ihren noch recht jungen Alben den vier Jungspunden den Kopf verdreht haben. Jedoch ist die eigene Vision der fast noch jugendlichen Band (alle 20 bis 22) stärker als die Lust am Nachempfinden der Lieblingsmusik. Hier haben wir vier Talente, die zu Höherem berufen gewesen sein sollten. Wenn die dampfenden Gitarrenleads aus den Boxen blitzen, ist es um meine Sinne geschehen. Die Melodien und Songstrukturen sind immer sehr eigen, einprägsam und gefühlsintensiv, so dass der Hörer augenblicklich mitgenommen wird auf eine Reise, die durch lärmige, verqualmte Großstadtstrassen, über düstere Hinterhöfe und obskure Wege bis in die Army Camps in Vietnam führt. Es ist DIE Musik DER Zeit, die aber so zeitlos frisch erscheint und sich in Deine Seele frisst, auch wenn vielleicht der eine oder andere Song mehr Akkord - und Passagenwechsel aufweist als Rock'n'Roll oder Blues LPs zusammen.
Mich verwundert, dass dieses Album 1970 nicht bei einem Label wie VERTIGO erschienen ist. Wenn ich mir den B - Seiten Opener "The devil's in you" anhöre, dann ist das für mich ein Hardrockhit, der die besten Seiten der DOORS und der frühen DEEP PURPLE vereint, der VANILLA FUDGE zu der Coverband degradiert, die sie ja auch waren, wenngleich begnadet. Der Refrain wird inbrünstig herausgedonnert von allen Beteiligten, verspielte instrumentale Parts betten ihn und die cool wirkende Strophe ein. Dann "Green glass and all that jazz", welches den Jazz nur im Titel trägt. Das sind Songs, zu denen man durch die Straßen tanzen will. Die Leadgitarre singt uns dazu was vor. Hier werden ausgewählte Noten zelebriert, statt wie von Sinnen zu frickeln. Und das macht die Atmosphäre nur noch intensiver und hitziger. Wieder viele Tempowechsel, verschiedene Grooves und Breaks. Die Instrumente entwickeln förmlich ein Eigenleben und umtanzen einander, umschlingen einander, scheinen verliebt und tief verbunden. Und dann das Highlight, das melancholische "Conversation with Billy", wo die Orgel über einer dahinschlendernden Grundinstrumentierung zutiefst traurige Melodien singt. Der melodische, emotionsüberladene Gesang bringt dann die Seele zum Schmelzen. Der Refrain packt Dich im tiefsten Inneren und schüttelt Dich durch. Mich erinnert der Song an IRISH COFFEE aus Belgien und ihren Killer "Beginning of the end" vom erst ein Jahr später erschienenen Album. Zufall, beide Bands haben sich nie gekannt. Aber sie hatten eine eigene Version des angesagten Orgelhardrocks. Und beide wußten zu überwältigen. In der Mitte des Stücks dreht die Band dann auf und baut immer wieder kräftigere Refrains ein, aus denen weitere verspielte, sanfte Parts hervorkommen. Die Orgel wird zu einem Solo aufgefordert und liefert ab. Ganz hohe Kunst. Hat auch was von WARHORSE aus Englang, dem DEEP PURPLE Ableger. So haben viele junge Menschen damals eine Klangvision gehabt und ihre ureigenen Träume in Musik manifestiert.
Die LP auf OUTSIDER MUSIC ist nach wie vor problemlos bei allen angesagten Versandhändlern oder bei DISCOGS zu bekommen, ca. 20 Euro. Für Freunde von solchen Kultbands wie IRISH COFFEE, WARHORSE und den frühen DEEP PURPLE ist das hier absolute Pflicht. Und im internen Legendenranking kommen SABBATIS als vergessene Perle auf einen der ersten drei Plätze. Und das abschließende "Bought and sought", ein Bluesboogiesong, simpel, schlicht und cool, erst eher akustisch ohne Rhythmus, dann rockend, ist da einfach nur ein schöner Schlusspunkt unter ein großes Album bzw. ein vergessen geglaubtes Demo, welches zu einem Klassiker gemacht wurde, 41 Jahre nach der Aufnahme.

Mittwoch, 24. Oktober 2018

Born in 1974...die Top Alben



Sir Lord Dooms Geburtsjahreshitparade
01. Left End - Spoiled rotten
02. Rush - Rush
03. Judas Priest - Rocka rolla
04. Aerosmith - Get your wings
05. Stepson - Stepson
06. Pinnacle - Assassin
07. Buffalo - Only want you for the body
08. Bloody Mary - Bloody Mary
09. Gäa - Auf der Bahn zum Uranus
10. Ange - Au-delà du délire

Sonntag, 21. Oktober 2018

Heavy Metal ist meine Freiheit.


Heavy Metal ist meine Freiheit, so wie für Jack Kerouac einstmals der Jazz. Mein Begleiter auf meinem Weg durch die endlosen Weiten meiner Seele, in denen ich mich so regelmässig verlieren möchte, weil die Enge der physischen Welt, der Mief der Kleingeistigkeit und die Sinnlosigkeit des Leidens mich zerdrücken. Zerdrücken, wie man einen Käfer zerdrückt, zerquetscht, von einem Funken Lebendigkeit hin zu einer Lache Blut und organischem Matsch. Heavy Metal mit seinen kraftvollen Rhythmen, schweren Gitarrenakkorden und wilden Gesängen ist Labsal meiner Seele. Ich reite auf den Melodien, großen und kleinen Tonfolgen, aus denen der Duft von freiem Geist und bedingungsloser Liebe verströmen. Meine Poeten, meine Philosophen, meine Heilande, alle sind sie hier vereint. Wenn meiner Mitte, tief im Feuer meiner inneren Sonne, dann die Endorphine brodeln, fliege ich frei zu den fernen Galaxien des reinen Seins. Die Musik erhebt mich, belebt mich, lässt mich sein. Ich habe meine persönlichen Prefärenzen, gewiss. Der Klang muss Leben versprühen, die Harmonien und Melodien müssen ehrlich sein, von echter Schönheit, selbst wenn diese einmal spröde scheint. Tiefe Mystik oder leichtfüssige Lebenslust liegen oft so nah beisammen. Heavy Metal ist meine Freiheit. Die liebenswerten runden Scheiben, groß und schwarz oder klein und silbern, Bänder mit darauf gespeicherten Klängen, eingehüllt zu ihrem Schutz in quadratische Gewänder aus Pappe, darauf Kunstwerke von höchsten Gnaden, Bilder der musikalischen Schöpfer oder zuweilen ein einfaches Nichts, sind mir die nahestehendsten Geschöpfe dieser Erde und sie leben, sie atmen, sie pulsieren. Wenn man genau hinsieht, hinhört und hinfühlt, dann wird man erkennen. Wie oft wird mir mit Verständnislosigkeit begegnet, wie oft fühlen Menschen sich von der mir Wonne spendenden Musik in ihrer Existenz in meiner Welt bedroht. Wie oft muss ich sagen, dass es eine ganz andere Ebene ist, auf der all dies für mich stattfindet, eine Ebene reinen Geistes. Aber sie wollen mir diese Liebe fortnehmen, verweigern, sich in ihrer grenzenlosen Überwichtigkeit vor all das stellen, was mich leben lässt, damit ich nurmehr sie wahrnehme. Für sie ist Heavy Metal nur ein Geräush, das bestenfalls den Hintergrund beschallt, ohne in der Tiefe des Seins ein Feuer zu entfachen. Wenn sie denn überhaupt den Klang dieser Urkraft zu ertragen wissen. Sie führen es auf den Geschmack zurück, der individuell ist, erkennen aber nicht, wie gefangen sie der Dämon der Belanglosigkeit im Mainstream hält. Heavy Metal ist kein Geseiere, kein seichtes Plätschern, sondern anregende, aufregende, furiose Musik, die Dich durchdringt und zu einem Seelenorgasmus führt, wenn Du die Leidenschaft zulässt, welche durch das Leben da draußen mit immer neuem Emotionsmüll zugeschüttet wird, bis sie letztendlich ganz unter einer Masse eiskalter Gleichgültigkeit vergraben liegt und nur ab und an etwas Schmerz an die Oberfläche steigen lässt. Heavy Metal befreit mich davon, Heavy Metal wäscht mir die Seele rein. Ich schreibe das hier ohne groß nachzudenken, ich schreibe um mein Leben und jede Richtung, in die ich meine Gedanken fliehen lassen kann, wird die richtige sein. Nur fort von der großen Dumpfheit, sie sich nicht ertragen lässt. Und Heavy Metal Musik verleiht mir die Flügel, nachdem sie der Hammer war, der meine Ketten brach und der Schlüssel, der alle Türen für mich öffnete und mich zurück in die Freiheit entließ. Alle Götter und Dämonen sind in ihr vereint als untrennbare Lebenskraft. Und ich komme zu dem Schluss, der Erkenntnis, dass ich mit meinem Weg den richtigen Pfad gewählt habe. Für mich ist all das da draußen, was die Seelen trennen will, nur eine große Illusion, die sich in profanen Menschenthemen wie Religion und Politik, in grenzenloser Verweigerung und ebenso grenzenlosem Kapitalismus manifestiert. Allein die Künste und unter ihnen die Heavy Metal Musik sind für mich das Leben, das einzig echte Leben. Und mit all der Liebe und Glückseligkeit, die ich durch sie empfange, schaffe ich mir in der Welt der Illusionen eine Oase, in der ich existieren kann. Ich trinke vom Brunnen der Weisheit, esse vom Baum der Erkenntnis und labe mich an all den Früchten meiner Gedankenkraft. Heavy Metal lässt mich Gesundheit fühlen, Lebendigkeit und Freude und ich bin dankbar dafür. Wer das hier liest, wird mich sicherlich für durchgedreht halten, aber ich musste mir einmal ohne Innehalten den Schmutz von der Seele schreiben, auf dass ich ein guter Mensch sein und Freude über die Welt bringen werde. Dank der Heavy Metal Musik, die mich befreit und mir den Weg gezeigt hat.

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Die glorreichen 100: 70er Hardrock / Protometal



Dies sind, wie bei jeder Liste, die ich auf Euch loslasse, natürlich rein subjektiv gewählte 100 Lieblingsplatten aus meiner Sammlung im bestimmten Bereich. Alle Alben habe ich als Original, LP oder CD, nicht immer Erstpressungen, aber zuweilen sehr schöne Rereleases. Nun aber viel Spaß.

Fangen wir mit den 70ern an. Der Heavy Rock und Heavy Metal kamen so richtig in Fahrt und die Grundlage für einen Großteil der heuzigen Rockmusik wurde geschaffen. Nicht alles war besser, aber vieles war einfach schöner, lebendiger, inspirierender.

01. Sir Lord Baltimore - Kingdom come (USA 1970)
02. Bolder Damn - Mourning (USA 1971)
03. Poobah - Steamroller (USA 1979)
04. Scorpions - Fly to the Rainbow (D 1974)
05. Lucifers Friend - Lucifers Friend (D 1970)
06. Warhorse - Warhorse (UK 1970)
07. Irish Coffee - Irish Coffee (Bel 1971)
08. Jenghiz Khan - Well cut (Bel 1972)
09. Råg I Ryggen - Råg I Ryggen (Swe 1975)
10. Black Sabbath - Sabbath Bloody Sabbath (UK 1973)
11. Night Sun - Mournin (D 1972)
12. Buffalo - Volcanic Rock (AUS 1973)
13. S TO S - S TO S (Bel 1978)
14. Haystacks Balboa - Haystacks Balboa (USA 1970)
15. Pinnacle - Assassin (UK 1974)
16. Impeccable - Live on the rox (USA 1979)
17. Sorcery - Stuntrock (USA 1978)
18. Bloody Mary - Bloody Mary (USA 1974)
19. Left End - Spoiled rotten (USA 1974)
20. Cain - A pound of flesh (USA 1975)
21. Truth And Janey - No rest for the wicked (USA 1976)
22. Van Halen - VH 1 (USA 1978)
23. Alkana - Welcome to my paradise (USA 1977)
24. Solid Ground - Made in rock (SWE 1976)
25. Judas Priest - Sad wings of destiny (UK 1976)
26. Desiree - Make it with a smile (D 1976)
27. Dust - Hard attack (USA 1972)
28. Attila - Attila (USA 1970)
29. Legend - From the Fjords (USA 1979)
30. Randy Holden - Population II (USA 1970)
31. Highway Robbery - For love or money (USA 1972)
32. I Drive - I drive (D 1972)
33. Necronomicon - Tipps zum Selbstmord (D 1972)
34. Riot - Rock city (USA 1977)
35. Bow Vow - Charge (JAP 1977)
36. Sorcery - Sinister soldiers (USA 1978)
37. Bloodrock - I (USA 1970)
38. Jerusalem - Jerusalem (UK 1972)
39. Rush - Caress of steel (CAN 1975)
40. UFO - UFO 1 (UK 1970)
41. Stray - Stray (UK 1970)
42. Stonewall - Stoner (USA 1976 / Recorded 1969)
43. Uriah Heep - Demons & Wizards (UK 1972)
44. Rhapsody - Rhapsody (Swe, 1978)
45. Survivor - All your pretty moves (USA 1979)
46. Money - First investment (UK 1979)
47. Marseille - Red, white and slightly blue (UK 1978)
48. Quartz - Quartz (UK 1977)
49. Fraction - Moonblood (USA, 1971)
50. Dschinn - Dschinn (D 1972)
51. 2066 & Then - Reflections (D 1972)
52. Frijid Pink - Frijid Pink (USA 1970)
53. Asterix - Asterix (D 1970)
54. Electric Food - Electric Food (D 1970)
55. Buffalo - Only want you for the body (AUS 1974)
56. Virus - Thoughts (D 1971)
57. Tiger B. Smith - Tiger Rock (D 1972)
58. Leaf Hound - Growers of mushroom (UK 1971)
59. Bodkin - Bodkin (UK, 1971)
60. Dark - Round the edges (UK 1972)
61. Zior - Zior (UK 1971)
62. Rainbow - Long live Rock'n'Roll (UK/USA 1978)
63. UFO - Obsession (UK 1978)
64. Granicus - Granicus (USA 1973)
65. Jukin Bone - Whiskey woman (USA 1972)
66. Socrates Drank The Conium - On the wings (Griechenland, 1973)
67. Deep Purple - Come taste the band (UK/USA 1975)
68. Montrose - Jump on it (USA 1976)
69. Poobah - US Rock (USA 1976)
70. Moxy - Ridin high (CAN 1977)
70. Poobah - Let me in (USA 1972)
71. Dust - Dust (USA 1971)
72. Warhorse - Red sea (UK 1972)
73. Euphoria - Lost in trance (USA 1973)
74. Ellison - Ellison (CAN 1971)
75. Corporal Gander's Fire Dog Brigade - On the rocks (D, 1970)
76. Bedlam - Bedlam (UK 1973)
77. Flower Travellin Band - Satori (JAP 1971)
78. Icecross - Icecross (Island 1973)
79. Mountain - Nantucket sleighride (USA 1970)
80. Grand Funk Railroad - Closer to home (USA 1970)
81. T2 - It all worked out in Boomland (UK 1970)
82. Orang Utan - Orang Utan (UK 1971)
83. Heavy Load - Full speed at high level (SWE 1978)
84. Dies Irae - First (D, 1971)
85. Dirty Tricks - Dirty Tricks (UK 1975)
86. Strife - Rush (UK 1975)
87. Saxon - Saxon (UK 1979)
88. Accept - Accept (D 1979)
89. The Hand Of Doom - Poisonoise (D 1979)
90. Zarathustra - Zarathustra (D, 1971)
91. Pax - Pax (May God And Your Will Land You And Your Soul Miles Away From Evil) (Peru, 1970)
92. Zipper - Zipper (USA, 1975)
93. Armageddon - Armageddon (UK 1975)
94. Led Zeppelin - LZ IV (UK, 1971)
95. Aerosmith - Get your wings (USA, 1974)
96. Asia - Asia (USA, 1979)
97. Gran Max - A ninth alive (USA, 1976)
98. Diamond Reo - Dirty diamonds (USA 1976)
99. Samuel Prody - Samuel Prody (UK, 1971)
100. Thunderpussy - Documents of captivity (USA, 1973)

Freitag, 21. September 2018

VERGESSENE JUWELEN: Bulbous Creation - You don't remember dying (USA, Recorded 1969/70, Rockadelic 1995 / Reissue O-Music 2011)




01. End of the page
02. Having a good time
03. Satan
04. Fever machine man
05. Let's go to the sea
06. Hooked
07. Under the black sun
08. Stormy monday

Manche Alben kommen spät zu einem. Ich selbst habe, als grosser Heavypsychedelic Rock Fan seit meinen späten Teenagertagen, seit ich im Grunde BLACK SABBATH und die DOORS, dazu CREAM und HENDRIX für mich entdeckt hab, diese Band erst 2006 in meinen Fokus bekommen. 1996, als ich meine erste grosse Entdeckungsreise in die Welt von Undeground Prog und Acidrock der 60er undn70er begann, gab es dieses Kleinod auch erst ein knappes Jahr. Aufgenommen um die Jahrzehntwende 69/70 herum schlummerte das Material 25 Jahre im Bandarchiv. Das kultig verquere Rockadelic Label hat dann die Aufnahmen in die Finger bekommen und eine erste reguläre (nehme ich mal an) LP Version auf die Menschheit losgelassen, damals schon kaum erschwinglich für den eher wenig Geld habenden jungen Musikliebhaber. Bei Odin, ich hätte sie mir wohl trotzdem gekauft. 2006 lernte ich BULBOUS CREATION dann über diverse Download Blogs kennen und bekam sie als überirdisch geniales Heavy Psychedelic Rock Monster angepriesen. Das geschah bei vielen Platten damals so, die im Original ausser Reichweite, stilistisch ansatzweise im richtigen Genre und qualitativ okay waren.

Und irgendwie beginnt das Album mit "End of the page" auch sehr zahm und verhalten im typisch verträumten Spät 60er Acidfolk Stil mit bluesigen Untertönen, einer romantisch - melancholischen Atmosphäre, die an laue Sommerabende auf den Klippen über der Bucht von San Francisco denken lässt. Der Song sticht nur mit seiner textlichen Endzeitstimmung aus der Masse heraus. Ein schöner Song natürlich, gefühlvoll umgesetzt, aber an dieser Position irreführend. Wäre was für die Albummitte gewesen, denn so war das Album für mich kein HEAVY PSYCHEDELIC MONSTER, sondern eine typische Hippiescheibe. Der Download verschwand im CDr Archiv, weitere zehn Jahre gingen ins Land und ich stolperte über eine CD Neuauflage. Gekauft, "End of the page" als schön empfunden und weitergehört. "Having a good time" ist dann tatsächlich der Acid Rock Feuersturm, den ich eigentlich als Albumopener erwartet hätte. Forsches, treibendes Drumming, angriffslustige Rockgitarren, eine dreckige, helle Stimme, die das Rock'n'Roll Leben preist und dabei immer etwas manisches, verzweifeltes mit sich trägt. Geiler Scheiss. Schön fuzzige, wilde Soli veredeln diesen Donnerschlag, der bereits die großartigen Talente von vier jungen Musikern zeigt. Gerade das Schlagzeug spielt nicht einfach nur den 4/4 Takt durch, sondern groovt polyrhtyhmisch und schwungvoll auf den Punkt.

Kann es noch besser werden? Der mittelschnelle, bluesige Heavyrock von "Satan" bejaht dies. Die Melodien sind eigentlich typisch für diesen düsteren Blusrock und Hardrock jener Tage, die Notenfolgen weichen nicht von den damals schon Jahrzehnte geltenden Schemata des Blues ab, aber die Art und Weise ihrer Zusammensetzung ist neu, frisch und bringt Wiedererkennungswert. In der Tat hat die Platte eine sehr eigene Seele und auch wenn sie im Stil dem archetypischen 1970er Heavy Acid Sound folgt, sie ist absolut eigenständig. "Satan" brodelt derweil unaufhaltsam in die Seele des Hörers hinein und raubt ihm die bunten Illusionen der Hippietage. Das hier duftet nach Großstadt, Hinterhof, Schlaglöchern in den Strassen, Verlassenheit, Resignation. Noch besser kommt das im walzenden "Fever machine man". Das Schlagzeug fällt wieder als erstes auf und wenn man genau hinhört, besteht der besessene Groove aus vielen kleinen, technisch virtuos zelebrierten Figuren. Gesang und Gitarre duellieren sich gerne, gerade im vollkommen irrsinnigen Mittelteil. Die Gitarre ist hier schön schmutzig, knirscht und sägt. Eine coole Orgel hat sich als gleichwertiges Leit - und Begleitinstrument eingeschlichen, lässt fantastische Soli vom Stapel. Der Bass hält derweil ganz entspannt ein bis zwei Variationen des Grundlaufes präsentierend den Song zusammen. Wenn der Gitarrist dann hier und da komplett ausgeflippt soliert, springen beim Hörer definitiv alle Sicherungen raus.

Aber es wird noch eine Schippe draufgelegt. "Let's go to the sea" beginnt mit einem wuchtigen Lauf aus Bass und Schlagzeug, entpuppt sich dann als epischer Hardrock mit betörender Gesangsmelodie, verhaltener in der Strophe, in Richtung Refrain dann immer überbordender und wilder. Genauso wie die in schillernden Farben explodierende Gitarre, deren eruptiver Ausdruck auf dem ganzen Album schon beeindruckt, aber hier wirklich alle Ketten sprengt. Coole Riffs, die sicherlich auch bei anderen Rockbands ihrer Zeit vorkommen, werden hier zu einer echten Bedrohung für die Seele. Der hypnotische Jam im Mittelteil ist absolut entrückt. Da wird sogar ein atonales Mundharmonika Solo zu einer klanglichen Köstlichkeit. Urplötzlich schlägt der Song um, jetzt kommt hier tatsächlich der typische "Evil Woman" Vierviertel und die Band rockt hart. Gesang, dann ein absolut entfesseltes Solo, coole Bluesrockige, aber härter vorgetragene Riffs und Ende. Wow, ich liege am Boden.

Diese Band aus Kansas City hatte eigentlich anderes im Sinn, als komplett vergessen zu werden. Heute sollten sich Fans von echtem Heavypsychedelic nicht mehr lumpen lassen und eine der vielen Reissues in LP und CD Format zu sich holen. Leider haben Sänger Paul "Parky" Parkinson und Gitarrist Alan Lewis nichts mehr von ihrem späten Ruhm, beide verstarben schon 2001 (Parkinson) respektive 1998 an Krebs. Umso eindringlicher wirkt das Album, wie ein letzter Gruß aus der jenseitigen Welt. "Hooked" ist der sich anschließende knarzende Grooverocker mit Orgel, zerrig dreckiger Gitarre und einem seiner Wut und Verzweiflung Luft machenden Sänger. Dabei sind hier die Merkmale des Bluesrock am deutlichsten. Textlich geht es um Knast, Drogen und das Leben am Rande der Welt. Keine bunten Tücher, keine Liebe, keine Blumen, kein Frieden. Lewis soliert hier wieder als ginge es um sein Leben, wenn er nicht gerade seine zerstörerischen Akkordfolgen vom Stapel lässt. Parkinson geht extrovertiert aus sich heraus. Er ist kein großer Techniker, sondern ein Rocker, ein Blueser, ein Geschichtenerzähler von der Strasse, eine Art Protopunk und dadurch einzigartig.

"Under the black sun" schließt sich "Hooked" an, ist aber energetischer, treibender, wilder, bei gleichbleibend hoher, kaum zu ertragender Intensität. Die Orgel spielt sich zuweilen wild solierend in den Vordergrund, während Bass, Schlagzeug und Gitarre für einen fiebrig brodelnden Unterbau sorgen. Der Beat reisst Dich derweil komplett mit sich in einen Strudel aus Wahnsinn. Urplötzlich ist der Song vorbei.

"Stormy Monday" am Ende des Albums ist dann Blues, reiner Rockblues auf Basis der alten Musik, allerdings etwas extrovertierter und wuchtiger durch die Rockinstrumentierung mit abgeflogenem Drogenfeeling. Das hier ist der Kater nach all den Exzessen der letzten 35 Minuten. Und noch einmal scheint die Band wirklich aufdrehen zu wollen, gerade im Bereich der Leadgitarre. Dieser typische 70er Bluesrock hätte sich sehr gut auf dem ersten LED ZEPPELIN Album oder bei BLUE CHEER gemacht. Mich erinnern BULBOUS CREATION an die Texaner JOSEFUS mit ihrem "Dead man" Album, welche ebenfalls Blues, Psychedelic und Hardrock vermengten und gleichsam verzweifelt, düster und wütend klangen.

Ein Album, das man sich wieder und wieder anhören kann, das einen nicht loslässt und immer tiefer in die seelischen Abgründe der frühen Post Hippie Zeit hineinzieht. Es kann verstörend wirken, es ist aber am Ende eine Befreiung.

Mittwoch, 12. September 2018

Ein Held ganz nah...



Jordan Macarus - Joel Peter, Suse, Stan (2016)

Jordan Macarus ist aus seinen WINTERHAWK Zeiten einer meiner Helden der Rockmusik. Hier allein mit seiner akustischen Gitarre in einer Küche...sanft, melancholisch und absolut intensiv.Ich liebe die Musik dieses Mannes. Danke an meinen Buddy Ray Dorsey, dass ich Winterhawk und Jordan Macarus kennenlernen durfte.

VERGESSENE JUWELEN: BREAKER (CAN) - In days of heavy metal (1982)




(Iron Head, Kanada, 1982)
01) Livin' free
02) Satan's lyre
03) Easy rider
04) In days of heavy metal

Heavy Metal ist für mich durchaus mehr als nur Musik, es ist für mich Lebensphilosophie und irgendwo auch ein quasireligiöser Kult mit anbetungswürdigen Fetischen, einer gewaltigen Menge an Propheten und Heiligen, einer großen Spiritualität und fantasievollem Weltbild. Die Welt des Heavy Metal und ihr Lebensstil sind geprägt von Heldentum, Mut, Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Leidenschaft und großer Liebe zum Leben und zu den Gleichgesinnten. Die Elite des freien Daseins sozusagen, die Macht des Fußvolkes, eine Welt, in der tyrannischen Herrschern Paroli geboten wird und wo die stählernen Ritter noch ehrenhafte Kerle sind. Hier leben auch Amazonen und in Leder und Jeans gewandete Strassenkämpfer, deren hehres Ziel es ist, den Gedanken der Freiheit und des erfüllten Lebens in der Welt fest zu verankern.

Was für eine Einleitung, liebe Freunde, aber manchmal überkommt es mich. Gerade bei einer Band wie BREAKER aus Kanada, welche von allen drei mir bekannten BREAKER Bands meine liebste ist. Natürlich sind die US BREAKER aus Cleveland mit ihrem "Get tough" Album und ihren weiteren Veröffentlichungen eine Macht, natürlich sind die deutschen BREAKER mit "Dead rider" eine coole Truppe, aber die ungeschlagene Nr. 1 sind die Kanadier mit ihrer Mini LP von 1982. 23 Minuten Heavy Metal mit rockendem Einschlag und unvergleichlichen Melodien, die sich nach wenigen Durchläufen förmlich in der Seele festgebissen haben und bei jedem Hören einen Cocktail aus Glückshormonen und Adrenalin in den Körper des Headbangers jagen, während er die mächtigen, packenden Refrains aller Stücke laut mitsingt.

Es beginnt mit "Livin'free", einer Akkordfolge, einem galloppierenden, sich langsam steigernden Rhythmus und einer aufwühlenden, machtvollen instrumentalen Einleitung. Die Strophe wird von klaren Gitarren und einer schönen Gesangslinie begonnen, im zweiten Teil dann kräftiger und geht ohne Bridge in einen Refrain über, der Dich als Hörer in ein wunderschönes Chaos der Gefühle stürzen wird. Dieser kantige, eingängige Rocker gehört wohl zu den großartigsten Heavy Metal Hymnen aller Zeiten. Der Mittelteil wird auf treibendem Grundrhythmus förmlich zelebriert, die Solopassage bekommt eine schöne Einleitung mit "Ohohooo" Chören, bevor der Leadgitarrist dann kurz steilgehen darf und ein solider Heavy Metal Part in eine ruhige Passage überleitet, der dann eine halbe Strophe und ein Refrain folgen.

Man ist noch ganz im Rausch, da donnert schon "Satan's lyre" aus den Boxen. Erdig, ehrlich und cool, purer Heavy Metal Rock, unkompliziert und auf den Punkt gespielt. Der Refrain ist ebenso direkt und einfach, aber absolut treffsicher. Das Solo ist feurig, wild, steckt voller ungezähmter Lust, was natürlich dem diabolischen Thema des Textes entspricht. Satan steht hier stellvertretend für brodelnde Lebenslust und das drückt der Song auch aus. Sämtliche SAXONS, JUDAS PRIESTS, ACCEPTS und sonstige Anführer der HM Band Community im wirtschaftlichen Sinne haben hier eine ebenbürtige Undergroundband im Nacken.

Entschlossen rockt dann im etwas forscheren Shuffle Rhythmus "Easy rider" durch die Heimstatt des Headbangers. Die Strophe hat eine einfache, aber packende Struktur, der Refrain ist etwas ausladender, mit einem "Easy Rider" im Chor gesungen und einer Antwort des Leadsängers mit längerem Text. Sehr schön gemacht. Die Solopassage ist wieder straight, das intensive, brodelnde Gitarreninferno liegt auf einem Grund aus rollenden Drumtriolen. Die Band ist perfekt eingespielt. Der allgemeine Klang ist rau und sehr höhenlastig, was allerdings nur noch mehr zum bodenständig ehrlichen Charme der Musik beiträgt.

BREAKER schreiben Stücke für die Ewigkeit, eternale Hymnen des Heavy Metal, die eigentlich von einer gewaltigen Fanlegion regelrecht verschlungen werden müssten und sich bestens auf SAXONS ein Jahr zuvor erschienenem Meilenstein "Denim and leather" oder RIOTS "Narita" und "Fire down under" Klassikern gemacht hätten. Nichts da, BREAKER verschwanden und wurden nur noch von Raritätenjägern als Tresorfutter bei findigen Händlern erstanden, wenn denn die EP überhaupt noch auftauchte. Das hat mit der CULT METAL CLASSICS Reissue nun eine Wendung genommen.

Wir haben jetzt drei der vier Stücke auf der Platte, sprich die komplette A Seite, unter die Lupe genommen. Die B - Seite ist dran. In gut 11 Minuten wird hier etwas zelebriert, was als Heavy Metal Version des epischen Neoprogs von MARILLION und PALLAS durchgehen kann. Melodien aus dem altbritischen, mittelalterlichen Folk im Heavy Metal Stil gespielt, getragen im Tempo, aber kraftvoll im Ausdruck sind die Eröffnung dieser epischen Bombe. Dann stapft der Rhythmus, während Gitarren und Bass dezent galloppieren. Darüber liegt eine mitreißende Gesangslinie, so erhaben und verzaubernd, dass einem förmlich die Sinne schwinden. Ähnliches kann ich über die folgende ruhige Passage berichten, in der viele wortlose Chöre über schwebenden, jedoch wuchtig schweren Riffs und Melodien liegen. Dann ein Bruch und es wird treibender, entschlossener, wilder. Ein feuriges Solo setzt ein, immer wieder begleitet von Gesang. Dann bekommt man erneut eine dahinpreschende Heavy Metal Passage um die Ohren geknallt, auf der die Gesangslinie reitet, welche Dich förmlich durchdringt und mit sich fortzieht. Nach wie vor sind alle Abschnitte unkompliziert aufgebaut, gehen umgehend ins Ohr und ins Herz. Allein der epische Songaufbau, welcher das lange Stück mit einer spannenden Dramaturgie versieht, hat schon einen progressiven Ausdruck. Hier scheint es, als wären tatsächlich zwei Stücke zu einem verschmolzen. Nun, BREAKER machen hier keine halben Sachen, alle Übergänge der einzelnen Parts sind logisch, haben Fluss und halten den Hörer im Bann der Musik.

Mein Fazit ist, dass hier leider eine begnadete Truppe wieder komplett untergegangen ist, weil wahrscheinlich der Weg von der lokalen Bühne ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit zu weit war. Schade ist, dass die Wiederveröffentlichung keine Bonustracks und somit keine Albumlänge hat. Anscheinend war dies alles, was BREAKER jemals aufgenommen haben. Irgendwo gibt es noch eine Single von IRON HEAD, die zwei vor dieser MLP entstandene Aufnahmen beinhaltet, aber erst nachträglich 1998 unter dem Titel "Second to none" veröffentlicht wurde. Die Songs hätten sicher noch auf die Platte gepasst, wenn schon kein Demomaterial und keine vernünftigen Liveaufnahmen existieren. Nun, lieber 4 Grandiose als 8 halbgare Songs. BREAKER müssen gehört werden, die Songs der Band müssen leben. Und unter all den nach der alten Musik gierenden jungen Recken und Maiden in der neuen Heavy Metal Szene sollte sich die Mär von dieser EP im Nu herumsprechen.
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