Dienstag, 18. Oktober 2011

ELECTRIC MOON - Flaming lake



(2011, Sulatron, Deutschland, 76.28 min)
01. The cosmic creator
02. Flaming lake
03. Lost and found souls
04. Burning Battenberg
So dunkelbunt wie das effektüberladene und verfremdete Livefoto im Inneren des Booklets ist auch die Musik von ELECTRIC MOON. Im Juli 2011 waren sie gerade in Battenberg / Eder beim "Teich in Flammen" Open Air, veranstaltet von den dortigen Psyche / Space Rockern DATURANA (unbedingt checken, Album "Crossroad man" gibt es von NASONI), schon steht eine CD mit Liveaufnahmen von eben jenem Fest, nun, nicht in jedem Laden, aber bei Bandkopf Dave Schmidt im SULATRON Shop. Vier Songs sind es, besser, vier ausladende, instrumentale Jams von hypnotischer Wucht, die Dich tief in einen Zeitstrudel reissen, in dem alles relativ wird. Die Welt um Dich herum bleibt einfach stehen. Das hier ist Musik, bei der Du die Augen schließt und Dich im Rhythmus wiegst, während Deine Seele auf den von den Gitarren erzeugten schwebenden Klangwellen reitet, weit fort hinaus in den Kosmos. Die Struktur der Stücke kommt eigentlich von Drummer Alex, der stoisch einen entspannten Beat klopft, ab und an aussetzt, zuweilen etwas kräftiger dreinschlägt, aber im Grunde mit seinen repetativen Strukturen bereits für den betörenden Ausdruck sorgt und von Bassistin Lulu, der Kometenfrau und Muse von Gitarrengott Sula Bassana aka Dave Schmidt. Komet Lulu spinnt ein dunkles Notengarn, das eindringliche, mystische Melodien ergibt, wobei auch sie wenige Variationen einbringt, den Hörer in seiner Trance zu halten und diese noch auszubauen. Auf gut sechsundsiebzig Minuten bringen es die vier ausgedehnten Jams, in denen sich meine Seele allmählich verliert. Um mich herum gefriert das Leben, während die brodelnde Atmosphäre der Musik gar allzu irdisch scheint. Zumindest was den extrem schweren Psychedelicdoomrock von "Lost and found souls" angeht, dem dritten Stück. Hab ich die ersten beiden Songs nun übersprungen? Ach, ich fange erst an, Euch von meiner spirituellen Reise in den flammenden See zu erzählen. "The cosmic creator" ist eine auf - und abschwellende Klangwand aus Grooves, pumpendem Bass, spacigen Effekten, die von Lulu und Dave gemeinsam aus irgendwelchen Gerätschaften getreten werden. Toll sind Daves wabernde Wahwahsounds, sein sphärisches Gesäge mit viel Nachhall und das Gluckern und Blubbern, welches seiner "elektrischen Stullenbox" entfleucht. Natürlich kann er seiner Klampfe auch ein katzenhaftes Heulen und halbwegs klassische 60er Psychedelic Jauler entlocken, wie das bereits vor vierzig und mehr Jahren die Besten getan haben. Und immer tiefer reissen Dich die drei Schöpfer kosmischer Rockmusik in ihre Musik hinein. Du als Hörer tänzelst umher, ohne Besinnung, wie im Fieberwahn. Dieser Jam hält Dich gefangen und wenn ELECTRIC MOON in eruptivere Passagen ausbrechen, dann sägt es Dich regelrecht um, Du tanzt wie ein Derwisch in wildester Ekstase. Das ist auch der Grundgedanke der Musik ELECTRIC MOONs, schiere Ekstase, das Loslösen der Seele vom Körper. Entspannter beginnt der Titelsong mit träumerisch dahinfließenden Läufen von Bass und Gitarre, tatsächlich mit kleinen Melodien und melodiehaftem Gitarrenspiel, welches allerdings immer auch wie ein Spiel mit den Effekten klingt. Die Atmosphäre ist heimelig, ich kann mir die Band hier so richtiggehend vorstellen, wie sie dort am Teich zu Fackelschein aufspielt. "Flaming lake" steigert sich langsam in seiner Intensität, rockt mehr, kocht regelrecht vor spiritueller Leidenschaft. Dave lässt die Klampfe heulen, als hätten wir 1972 und das hier wäre ein Konzert von PINK FLOYD und er hieße statt Schmidt mit Nachnamen Gilmour. Aber niemand bei ELECTRIC MOON bestreitet den Einfluss der britischen Artrock - und Psychepioniere. Ein gewaltiger Wirbel entsteht, die Gitarren, das scheppernde Schlagzeug, Lulus brummender Bass, sie tanzen um einander herum in furiosem Reigen, sie umschlingen sich förmlich und fesseln Zuhörer. Der visuelle Aspekt mag für diese CDr "nur" in der Imagination desjenigen entstehen, welcher der Musik ausgesetzt ist, aber wenn man sich komplett fallen lässt, dann löst sie die Sinne von dem, was der Mensch an sich als "Realität" empfindet, die Schatten und Schemen tanzen im Feuerschein um einen herum und man selbst kann nicht anders. Man muss einfach durch Raum und Zeit dahinwogen. Und dann kommt "Lost and found souls", der Heavysong mit dem prägnanten, düsteren Riff, dunkel - mystischen Melodien vom Bass, einer betörend schönen, dennoch scharfkantigen Leadgitarre und einem gespenstisch klackernden und scheppernden Schlagzeug. Mystifizierend, majestätisch, mit leicht orientalischem Einschlag, wie ein Ritt bei Sonnenuntergang durch das Tal der Könige, wo die schauerlichsten Sagen und Geschichten lebendig zu werden scheinen. Oh, Ekstase ist auch hier wieder ein Begriff, den ich für das Spiel in dem eigentlich zähflüssig doomigen Soundbrei benutzen möchte. Dave geht an der Gitarre vollkommen aus sich heraus, Lulu und Alex zaubern einen donnernden Rhythmusteppich, der den infernalischen Ausdruck eines vom Sturm aufgepeitschten Meeres hat, auf dem man hilflos in seiner Nussschale von Walfängerschiff treibt. Dieser Jam ist eine Urgewalt, wird aber auch irgendwann von der Band wieder in ruhige Passagen getrieben, die eine schaurige Atmosphäre mit sich bringen. Freiförmiges Zischen, Zwitschern, Blubbern, Knarren und Quietschen gibt es dann auch hier in einigen Abschnitten, obschon "Lost and found souls" am Ende durchaus sehr komponiert wirkt. Über zwanzig Minuten schwebt man in diesem Inferno umher, welches zum Ende hin sogar in reinen Spacerock abdriftet, dann aber wieder den Weg zum Heavysound der Anfangssequenz und damit zu seinen Wurzeln findet. ELECTRIC MOON rauben einem auf diese Weise einfach die Sinne. Nach solch einer Abfahrt sollte eigentlich alles aus sein, aber ein Surren und Blubbern, dazu etwas Bass, ein dezenter, formbefreiter Rhythmus, Geplänkel der Gitarre, es geht psychedelisch voran. Dave spielt nach der spacigen Einstiegssequenz auf dahinspringendem Beat und monotonem Bass schöne cleane Läufe mit bewusstseinserweiternder Melodieführung. DATURANA Trommler Philipp hat sich hier zur Band gesellt. Irgendwie hab ich das Gefühl, als läge ein dünner Synthesizerteppich auf der Musik, die sich rasch in immer ekstatischere Gefilde bewegt, schneller, treibender wird, wieder an Fahrt verliert, fast statisch wird und immer wieder schnaufend und ächzend Aktivität zeigt und durch seine versponnenen, aber entschlossen wirkenden Rhythmen dem Hörer vollen Körpereinsatz fordert. Eine Passage erklingt, wo die Band schneller und schneller wird, dann eine Art Explosion, der Song wird langsamer, aber er bleibt kraftvoll, krachend und feurig. Am Ende wird es dann komplett wirr, freiformatig, experimentell, ein Freak Out dringt an unsere Ohren, der uns in den Kosmos hinauskatapultiert, frei von Form, Rhythmus und allem was dazugehört. Schluss, ein wenig Applaus und Gejohle, weg. Wow, was für eine Scheibe, jetzt brauch ich erstmal ein wenig geschmeidige Beatmusik, um meine Sinne wieder zu besänftigen. Wer ein Exemplar der auf 250 Exemplare limitierten CDr im Jewelcase mit professionellem Cover haben möchte, wende sich an SULATRON RECORDS.

Montag, 26. September 2011

AMBER - Pearls of Amber



(UK, Merlins Nose, 1971/2011, 23.55)
01. Sea Shell Rock Me
02. White Angel
03. Swan in the Evening
04. Sing on the Sunlight
05. Sea Shell Rock Me (alt. version)
06. Earlie in the Morning AMBER waren ein Duo aus dem Umfeld des schottischen Singer / Songwriter und Acidfolk Königs Donovan Leitch (u.a. "Hurdy gurdy man", "Atlantis") und somit darf man auch bereits auf die Musik der beiden damals noch jungen Herren schließen. Es ist sicher eine einfache, geradlinige Musik, melancholisch, aber lebensfroh, nachdenklich, aber voller Glück und Zufriedenheit. Akustische Gitarre, verspielte Sitarläufe, dezente Rhythmen mit perkussivem Charakter und ein sehnsuchtsvoller, sanfter Gesang bestimmen das 1971 aufgenommene, aber erst im Jahre 2000 posthum auf LP veröffentlichte Werk, welches mit sechs Songs bestückt gerade auf knapp vierundzwanzig Minuten Musik kommt. Mager, eventuell, aber es gibt ja die Repeat Taste und daher kann man sich die fünf schönen Nummern und den Alternativetake von "Sea shell rock me" den ganzen Tag über wieder und wieder anhören. Und ich muss sagen, dass ich mir das gute Stück bereits zum wiederholten Mal gebe und die wunderschöne, friedfertige Stimmung, die kleinen, einschmeichelnden Melodien und das zwar nicht ausufernd wilde, aber trotzdem gute Spiel der Musiker verpackt in zauberhafte Songs mich erst langsam in Fahrt bringt. Da sind noch ein paar Durchläufe mehr drin. Dieses Minialbum bringt einem Bilder von betört in der Abendsonne tanzenden Hippies in langen bunten Gewändern oder splitternackt in den Kopf, die Atmosphäre ist entspannt, frei und lebensbejahend. Auch wenn die Songs an sich strikt durchkomponiert sind, die instrumentalen Momente haben schon jammigen Charakter und ziehen Dich mit ihrer Lockerheit so sehr in ihren Bann, dass Du geneigt bist, mit Stiften auf Kaffeetassen, Gläsern oder den Schirmen von Bürotischlampen herumzuklopfen und mitzusingen. Wer sich auf Donovan und gerade dessen jammigere Momente beruft, der muss AMBER anchecken. Gibt es bei www.merlins-nose.com

Freitag, 16. September 2011

WICKED MINDS - Visioni, deliri e illusioni


(2011, Italien, Black Widow Records)
01. Caronte I
02. L’Uomo
03. Un Posto
04. Dio del Silenzio
05. La Prima Goccia Bagna il Viso
06. Figure di Cartone
07. Un’Isola / Un Illusione da Poco / Clessidra
08. Dentro Me
09. Io, La Strega
10. Zarathustra
11. Un Villaggio, un’Illusione
12. Farfalla senza Pois
13. La Carroza di Hans
14. Impressioni di Settembre
Der Nachfolger zum 2006 erschienenen „Witchflower“ Album war ja lange überfällig und die WICKED MINDS aus Italien haben sich die Zeit nehmen müssen, denn es sollte ein sehr eigensinninges Projekt werden. Nicht alleine, dass sie für den italienischen Progressivrock der 70er das sein wollten, was die Pfälzer ROXXCALIBUR für den NWoBHM Sound sind, es mussten auch der eine oder andere Musiker jener von den WICKED MINDS auf ihre ganze eigene Weise neu interpretierten Bands dabei sein, um einen Hauch des Flairs der Originale zu versprühen. Und das funktioniert, auch wenn man mit vielen Problemen, u.a. einem Wechsel auf dem Posten des Leadsängers, zu kämpfen hatte. War auf den zwei Vorgängern noch der bluesige Sänger J.C. Cinel Hauptträger der Stimmarbeit, so haben sich die Altherrenrocker nun eine junge, sehr begabte Dame ans Mikro geholt, die für die Zukunft die Alben veredeln wird. Zudem fand sich in der bezaubernden Sophya Bacchini (PRESENCE) eine mehr als passende Gastsängerin für die eine oder andere Coverversion. J.C. ist hier noch bei den meisten Stücken zu hören, offiziell aber nur noch als Gast aktiv. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Was bringt uns die Scheibe denn jetzt? Der auf „From the purple skies“ und „Witchflower“ zelebrierte verspielte Acidhardrock mit tollen Keyboardeinlagen von Paolo „Apollo“ Negri wurde für die den Originalen gerechte Umsetzung der Songs weiter an den Rand geschoben, andere Stilistiken progressiver Rockmusik nahmen weitestgehend seinen Platz ein. Natürlich haben Stücke von IL BALLETTO DI BRONZO, den NEW TROLLS, NUOVA IDEA oder THE TRIP auch den Anspruch, mit hardrockigen Momenten zu glänzen, aber dies sind stets nur Farbtupfer im Gesamtbild. Hier wird weiter ausgeholt in epischem Rahmen. Dass trotz der verschiedenen Sänger ein einheitliches Album entstanden ist, verdanken wir dem grandiosen Gitarrenspiel von Lucio Calegari und dem Keyboardspiel Apollo Negris, welche beide durch ihre Technik und ihren Ausdruck den Sound des Albums prägen. Spieltechnisch sind hier natürlich nur absolute Könner am Werk. Der Klang des Meisterwerkes ist natürlich recht frisch, aber doch erstaunlich natürlich und den Originalen angemessen. Einigen Originalen bin ich schon begegnet, so „Figure di cartone“ von meiner Italoprogpolepositionplatte „Uomo di pezza“ von LE ORME, bei der sogar der Originalsänger Aldo Tagliapietra das Mikro schwingt oder dem dunklen und geheimnisvollen „Zarathustra“ von MUSEO ROSENBACH, ebenfalls vom Originalsänger Stefano „Lupo“ Galifi (heuer bei den grandiosen Italoproggern IL TEMPIO DELLE CLESSIDRE aktiv) intoniert. Ein paar Stücke sind mir neu, viele hab ich aber bereits wahrgenommen. Und selbst für mich als eingefleischten 70s Proghasen ist das hier eine wahre Fundgrube, obschon ich die Bands oft kenne. Wer sich bisher noch gar nicht mit der Materia Italoprog beschäftigt hat, wird Bauklötze staunen, welch famose Kompositionen es aus diesem Bereich gegeben hat. Und glaubt mir, das hier ist nur die Spitze eines gigantischen Eisbergs. Insgesamt ein wirklich tolles neues Album für die WICKED MINDS und eine ehrenhafte Würdigung der italienischen Progbands der 70er, ein Appetizer für zukünftige Fans, die gerne auf Entdeckungsreise gehen. Es lohnt sich.

Mittwoch, 7. September 2011

LINUS RIP 1999 - 07.09.2011



Für den besten Mäusebären und tollsten Schnurrsack, den es je gegeben hat. Ich warte auf Dich! Finde schnell eine neue physische Existenz und komm zu mir zurück!

Mittwoch, 31. August 2011

RITUAL - Valley of the kings


(UK, 1993, Shadow Kingdom / High Roller, ca. 55 min)
01. Naisha
02. Kiss Of The Nile
03. Come To The Ritual
04. Gypsy
05. The Enchanted Princess
06. Burning
07. Winds Of Fire
08. Lady Night
09. Morning Star
10. Possessed
11. Never Look Back
12. Children Of The Night
Zehn Jahre ungefähr hat es von der Bandgründung bis zum ersten Album gedauert, zehn Jahre dann bis zum zweiten Album. RITUAL, da kann man sagen was man will, sind definitiv echt entspannte Typen, die für sich selbst und ihre Liebe zum Heavy Rock musizieren und nicht für den Kommerz und die Charts. Das spürt man auch am 1993 innerhalb der Grunge -, Crossover -, Hardcore -, Groovethrash –, Death – und Blackmetalwellen absolut anachronistisch klingenden Stil der Briten, welcher eher in die Jahre 1978 bis 1981 gepasst hätte. Ach, wie schön wäre es gewesen, wenn man sich inmitten all der tumben Trends noch echte Perlen hätte einverleiben können, aber wer kannte damals RITUAL? Die große Retrowelle kam ja erst Jahre später, so fristete dieses Juwel ein Schattendasein sondergleichen, wahrscheinlich von jedem geschmäht, der sich 1993 im Metal auszukennen meinte. Auch sechzehn Jahre später weiß dieser ausgestreckte Mittelfinger ins Gesicht der verlausten Musikindustrie noch vollends zu faszinieren. Da sind diese hochemotionalen Melodien des Gesangs, da sind gefühlvoll interpretierte Gitarrensoli, alles eingebettet in einen erdigen, soliden Metalrock, der nicht auf Extreme zielt, sondern eine eigenwillige, jedoch sehr eindringliche Stimmung verbreitet. Magisch möchte man diese Atmosphäre nennen. RITUAL betören, beschwören und berühren Dich, versetzen Dich in einen spirituellen Zustand absoluter Feierlichkeit. Musikalische Urgewalt ist dabei sicher fehl am Platze. Gespielt wird sehr professionell, wobei der Sound immer noch das lebendig warme Feeling des ursprünglichen Hardrocks verbreitet. Hier ist eine Truppe von Könnern am Werk. Über dem Album liegt ein intensiv epischer Ausdruck, eine tiefsinnige Geschichte wird statt mit großen Worten mit urigen Melodien erzählt, wobei diese eher stimmungsvoll denn pathosüberladen sind. Die Briten waren halt immer etwas bodenständiger als die Amis, nicht weniger intensiv jedoch. Dich beschleicht ein nebelverhangenes Gefühl, wenn Du Dir diese Scheibe bei gedämmtem Licht tieftust. Großartig!

Dienstag, 30. August 2011

RITUAL - WIDOW



(UK, 1983, Shadow Kingdom / High Roller, ca. 50 min)
01. Widow
02. Come to the Ritual
03. Rebecca
04. Never for Evil
05. Morning Star
06. Journey
07. Burning
08. Temptation
09. Forever
10. House Of Secrets
11. Into The Night*
Ganz im Schatten sämtlicher großer Bands ist diese recht eigenwillige Formation 1983 mit ihrem Debütalbum, dem ersten nach elf Jahren Bandexistenz, in die schattigen Tiefen der Musikgeschichte hineinmarschiert, ohne dass sie großartige Erfolge hätte verbuchen können. Leider, wie ich sagen muss, denn auch wenn der zwischen Doom, Heavyrock und Spät 70er Protometal angelegte Sound eine Weile braucht, bis er seine volle Pracht entfaltet, so ist gerade das der Garant für einen All Time Favouriten. Die Atmosphäre ist meist dunkel, zuweilen entspannt, oft melancholisch. Da 1972 gegründet, kann man davon ausgehen, dass RITUAL keine wilden Kids mehr waren, die auf Teufel komm raus der Punkpower progressive Strukturen zu verpassen gedachten, so wie JAGUAR oder IRON MAIDEN, vielmehr orientierten sie sich an klassischem Downerrock und epischeren Aspekten der 70er Szene, allerdings mit einem markant morbiden Unterton, der sie zumindest in die Nähe von Doom und Gloom brachte, auch ohne dass sie sich bis zur Selbstaufgabe dem Lavasound verschrieben hätten. Was sie trotzdem niemals davon abhielt, auch einfach nur flotten Heavy Metal zu zelebrieren, der sich ganz locker und entspannt zeigte. Obskur, fürwahr, aber sehr eindringlich, charismatisch, gesegnet mit kleinen Hymnen. Die Stücke haben einen sehr erdigen Charakter, sehr ehrlich und sympathisch, klingen beseelt und stecken voller Leidenschaft, auch ohne ständig Dauerfeuer zu geben. Man variiert geschickt die Stimmungen und Tempi, zeigt gerade bei der Gitarrenarbeit sehr viel Musikalität und technisches Können, auch wenn hier alles Talent ganz im Dienste des Songs an sich steht. Kein Musiker an sich ist größer als die Komposition, an der er sich beteiligt hat. So sind RITUAL eine jener erzählenden Heavyrockbands, die Dir fantastische Bilder in den Kopf projezieren und Dich aus der tristgrauen Realität herausreißen. Der Band haben die letzten 39 Jahre keinen Kratzer in den Lack gemacht und der LP die letzten 28 Jahre nicht geschadet und gerade jetzt, wo sich Gruppen wie REALMBUILDER mit einem ähnlich episch – mystischen Konzept sehr spirituellen Hardrocks und Metals ohne Blick auf die Charts in die Herzen der Auserwählten spielen, sind RITUAL als Altvordere des Sounds dichter am Puls der Zeit als je zuvor.

Samstag, 27. August 2011

LIES OF SMILES - Cross & claw


(2010, Privatpressung, England, 41.09)
01. Something wicked (this way comes)
02. Fallen
03. Dream a dream
04. Torre de ángeles (tower of angels)
05. Death from above (divine wind)
06. Stone cold
07. ...of time & stars
08. Just a man
09. Warhound & the worlds pain
Der kräftige Opener soll einen nicht täuschen, denn er ist der einzige Song im treibend flotten Stil und das metallischste Stück Musik auf dem vorliegenden Album. LIES OF SMILES, meine Damen und Herren, sind das Baby vom ehemaligen AXIS (eine 7“ auf Neat Records, „Lady / Messiah“, 1980, dazu einen Samplerbeitrag „Flame burns on“ auf der „60 minutes plus“ Compilation 1981 und 2011 eine Anthology LP auf HIGH ROLLER, auch „Flame burns on“ betitelt) Gitarristen Davy Little, dem von seinem alten AXIS Sidekick und momentanen TANK Axtschwinger Mick Tucker auf der Beerdigung ihres Freundes Graeme Crallan (ex WHITE SPIRIT) nahegelegt worden ist, es doch noch einmal zu versuchen. Rock`n`Roll soll ja bekanntlich jung halten oder es macht einen ganz früh ganz tot. Aber egal, in diesem Fall hält er den guten Davy und seine Mannschaft jung und frisch, daneben halten sie den klassischen Hardrock auf großer Flamme am Kochen. Wie klassisch ist nun das Album ausgefallen? Also, der treibende Opener hätte wohl auf jeder Platte der frühen WHITESNAKE zu den härtesten Momenten gehört und wäre auf einer aktuellen ASTRAL DOORS LP definitiv ein Highlight. Hiernach geht es eher mittelschnell weiter mit einigen schön packenden, urtraditionellen Heavyrocksongs, die natürlich trotz Ecken und Kanten eine nicht unerhebliche Geschmeidigkeit aufweisen und somit gutes Ohrenfutter nicht allein für beinharte Hardrocker sind, obschon diese die Hauptzielgruppe darstellen dürften. Mir kommt immer wieder David Coverdale in den Sinn, der ja seine Truppe nach einigen mageren Jahren mit dem aktuellen Album wieder zum Rockolymp zurückgeführt hat. Ihm dicht auf den Fersen sitzt David „Davy“ Little mit einer Band, die genau weiss, wie man extrem coole, schön kräftige Powerrocker schreibt, vorbei an allen Trends und Innovationen, direkt ins Ziel, die Seele des Liebhabers grandioser Rockmusik. Wo immer man auch hinhört, da sind Leadgitarren am Werk, die alles mit gnadenloser Macht in Stücke säbeln. Die Soli sind heiss, brodelnd, wild und stecken voller Leidenschaft. Nicht umsonst hat TANK Gitarrist Mick Tucker dem guten Davy seinen Neffen Pat O`Neill als Sidekick empfohlen. Die vorliegendehttp://www.blogger.com/img/blank.gif „Cross & claw“ CD ist bereits das zweite Album der Briten und sie macht eine Menge her, wie oben bereits mit vielen Worten beschrieben. Man wundert sich, dass solch ein packender Hardrockbrocken einfach an einem vorbeimarschieren kann, gerade wenn diese Musik doch nach wie vor bei den Fans hoch im Kurs steht und die Ausführung mehr als furios und leidenschaftlich ist. Vom guten, wenn auch wirklich absolut traditionellen Songwriting ganz zu schweigen. Nicht nur WHITESNAKE Fanatiker sollten mal beide Ohren riskieren, eigentlich jeder Liebhaber von klassischem Hardrock ist gefragt, wenn er das Feeling der späten 70er und frühen bis mittleren 80er noch mal in sich hochkochen spüren möchte. Und einmal muss ich es noch erwähnen, diese Leadgitarren, das ist der Irrsinn. Zu beziehen u.a. bei Hellion Records.