Samstag, 13. September 2014

BURN PILOT - Intense

(Eigenvertrieb / Pink Tank Records, 2014) 01. Matador 02. Rain song 03. Feedback mind 04. True gem 05. Reverse pulse 06. No catharsis Ihr kennt das? Eine befreundete und durchaus heiß verehrte Band, in meinem Falle die Fuzzrocker BONE MAN aus Kiel, gibt ein onzert und man geht wegen dieser Band hin, wird aber von den Vorbands vollkommen weggeblasen? In diesem Falle waren es MOEWN aus Hamburg, die ihren ersten Gig mit Bravour spielten und die blutjungen, aber irrsinnig umtriebigen BURN PILOT aus Bielefeld. Man mag den Ort für ein Gerücht halten, aber die Musik der drei jungen Männer ist die pure, ungeschönte Wahrheit. Wobei schön als Attribut immer Ansichtssache ist und das hier zu besprechende sechste Album der Band in zehn Jahren (dabei ist Drummer und Sänger Sidney grad mal 22) Bestehen hat viele schöne Momente. Allein der Titel ist schon ein Statement. "Intense", was für ein Wort. Es beschreibt die Musik perfekt, die physische, spirituelle und emotionale Wucht der sechs Songs, die mit einer gesunden Länge ausgestattet sind und in ihrer Dynamik von betörend zu eruptiv und zurück federn. Nur, was machen BURN PILOT hier für Musik? Man hört, dass sie über die Jahre einiges an Musik in sich aufgesogen haben, man merkt, dass sie dabei vollkommen frei all das in die Stücke bringen, was diese vorwärts treibt und regelrecht in die Sinne des Hörers hinein explodieren lässt. Ich möchte dem Titel des sechsten Stückes widersprechen. Die Katharsis erfolgt durch anhören, aber auch durch das aktive spielen dieser Songs. Grob gesagt ist das hier ein donnernder, kräftiger Heavyrock mit verspielten Strukturen und wilden, bizarren, aber sehr packenden und mitreißenden Rhythmen, der hypnotisch und psychedelisierend wirkt, selbst wenn es aus den einlullend ruhigen Momenten in die furiosen Ausbrüche hinein und innerhalb dieser brodelnden musikalischen Urgewalt mächtig rund geht. Stoner, Psychedelic, Wüstenrock, Punk, verdrehter Krautrock, vielleicht Prog, in Anbetracht der vertrackten rhythmischen Figuren, die die Jaffe Brüder Sidney (Drums) und Joel (Bass) sich hier mit immenser Leichtigkeit aus dem Ärmel schütteln und auf denen Gitarrist Jonas seine Akkordmauern aufschichtet. Du hörst diese Platte an und die Welt um Dich herum steht in hellen Flammen. Sidney, der auch den Gesang übernimmt, schreit sich bei den explosiveren Momenten voller Inbrunst die Kehle blutig, kommandiert seine Band, treibt sie voran mit einer ehernen Entschlossenheit. Und diese Entschlossenheit ist zu jeder Sekunde zu spüren. Mit einer an Todesverachtung grenzenden Leidenschaft stürzen sich BURN PILOT in die gewagtesten Passagen hinein und bezwingen die sich aufbäumenden Songstrukturen. Jede Note spricht hierbei zu Dir und setzt einen Meilenstein in Deiner Seelenwelt. BURN PILOT haben auch ihre Momente, wo sie eine relativ angenehme Eingängigkeit an den Tag legen, wo sie dem nahekommen, was an alternativ angehauchtem Rock in den Popcharts war, obschon sie stets dessen kleine, böse Brüder bleiben, die das Überschreiten jener Grenze vermeiden, hinter der sich der Alternativerock durch seine übertriebene und ihn seines Sinns beraubende Kommerzialisierung selbst gefickt hat. Der Sound ist toll. Sehr druckvoll, lebendig und mit großer räumlicher Tiefe gesegnet. Auf meiner Anlage hört man Bass und Schlagzeug recht deutlich über die Gitarre herrschen, ob das nun an meiner Technik liegt oder so sein soll, das mag jeder selbst für sich entscheiden. Jonas kämpft mit all seiner Kraft seinen Platz im Klanggefüge gegen seine Mitstreiter frei und behauptet sich. Sie sind ohnehin spielerisch eine Allmacht und gewinnen die Herzen ihrer Hörerschaft zu jeder Sekunde für sich, egal ob in den strikt durchkomponierten oder verschwommen gezeichneten jammigen Passagen. Alles trifft mit einer schon schmerzhaften Präzision auf den Punkt und lässt die Stücke bei aller Sperrigkeit nachvollziehbar und einprägsam wirken. "Intense" ist ein einnehmendes, emotionsgeladenes und lustvolles Album, zu dem mir die als Vergleiche heranziehbaren Referenzbands fehlen, weil ich noch eher unbeleckt von all diesen Richtungen bin. Eines weiß ich aber. Freunde ausgefallener, wirklich alternativer und alles mit ihren Gefühlen in Brand steckender Rockmusik, die einen sehr eindeutigen Bezug zu drückend schwülen, Halluzinationen hervorrufenden Wüstenrockepen und freigeistig dahergespieltem Krautrock hat, sollten diese Bielefelder antesten und sich ihrer Diskographie bemächtigen.

SAUTRUS - Reed: Chapter 1

(Pink Tank Records, 2014, 34.11 min) 01. RICOCHET 02. THE KNURR 03. DUMBLEDORE 04. KUELMAGGAH PART 2 05. IOMI IOMI 06. FA`YKA YE`VE DOMOO 07. LOSAO 08. SUENTIST Es ist kein Wunder, dass ich den Sänger dieser polnischen Nachwuchshoffnung in Sachen Psyche / Stoner / Wüstenheavyrock bei einem CHURCH OF MISERY Konzert in Hamburg in Begleitung seines Labelchefs und einiger Freunde persönlich kennenlernen durfte. Auch wenn die japanische Doomkapelle um einiges heavier als die Polen ist, eine spirituelle Verwandtschaft ist da und sie lässt sich auf den klassischen 70s Heavyrock zurückführen. So finden sich bei SAUTRUS auf "Reed: Chapter 1", jetzt endlich auch als Vinyl erhältlich, natürlich klassische Motive, die mich an Bands von BLACK SABBATH über HAWKWIND bis GRAND FUNK RAILROAD denken lassen, aber auch sie haben eine moderne Kante dabei, einen metallischen Einschlag, eine sehr scharfkantige Präzision, welche das psychedelische Umherschweben in sehr direkte Bahnen lenkt, die sich auf der Stelle mit Deinem Nervensystem verknüpfen und Dich ohne Umwege in einen Rausch der Klänge, der Farben aus der inneren Welt und der Bewegung versetzen. Mit sägender, surrender Gitarre und einem langsam hineinwirbelnden Schlagzeug, welches sich in seiner Power immer weiter steigert, beginnt der bunte Reigen als Song "Ricochet". Klassischer Blueshardrock mit Shuffle Rhythmus, eine erdige, aber gute Melodie und ein Refrain mit tänzelnden Beats und packender Gitarrenlinie kommt zum Tragen. Im Mittelteil gibt es später ein heißes, melodisches Solo auf hartem Shufflebeat, dann eine kurze psychedelisch wirkende Passage mit heruntergefahrener Power und wieder einen treibenden Part mit entschlossen wirkendem Gesang. Feiner Stoff. Quietschend, knarrend und brummend stellt sich "The knurr" der Weltöffentlichkeit vor. Die tosenden Gitarren auf wirbeldem, wogendem Rhythmus singen eine betörend mystische Melodie, gehen dann mit dem Schlagzeug und Bass in einen entspannten Stakkatogroove und geraten sehr nahe an den aktuellen Metal, worüber aber Sänger Weno eine schöne beschwörende Gesangsmelodie mit psychedelischem Effekt legt. Dem neuen, sehr dunklen Metalsound stellen SAUTRUS hier immer wieder klassische Hardrockläufe entgegen, wobei der maschinenhafte Gesamtsound überwiegt und dem Stück einen Ausdruck von futuristischer Kühle verleiht. Sehr massiv und schön. "Dumbledore" ist ein kurzes Instrumental, ähnlich wie "Fluff" auf der "Sabbath bloody sabbath" LP von BLACK SABBATH. Melodisch, wunderschön und den Hörer in einen Zustand von Gespanntheit auf den nächsten Song versetzend. Die Ruhe vor der absoluten Geistesapokalypse. Und die kommt mit "Kuelmaggah Part. 2". Der Titel ist schräg, der Song an sich durch seinen fein verwobenen Schlagzeug und Percussion Teppich absolut groovy und hypnotisch, woran sich Bass und Gitarre orientieren. Letztere rifft sich extrem heavy über die Rhythmen und gibt der textlos singenden Stimme Raum, die Sinne des Hörers einzuspinnen. Bruch. Psychedelicbluesrock der getragenen Sorte tritt ins Bild, steigert sich aber wieder hin zu diesem hypnotisierenden Spacerock der Eingangspassage und bricht wieder ab. Man erkennt nun ein Wechselspiel aus entspannt bluesiger Strophe und spacig mystischem Refrain, der zum wilden Veitztanz einlädt. Ein potentieller Hit für die Weno und seine Jungs. Schön ist auch der Mittelteil mit feinen psychedelischen Soli sehr brodelnder Natur, einigen kantigen Riffs, und einem steten alles in seinen Bann ziehenden Rhythmus. Der Song entschwindet dann zum Abschluss der LP ins Nichts des Weltalls hinaus. Perfekt. "Iomi, Iomi" mag eine Hommage an den SABBATH Chef sein, der würde sich aber mit zwei M schreiben. Egal. Hardrock klassischer 70er Bauart, sehr SABBATHig in der Tat, mit coolen Shufflebeat, feiner, typischer Gesangsmelodie, sehr kräftigem Metalsound bei den Gitarren in der Strophe und schönen, entspannt tänzelnden psychedelischen Parts wird geboten. Der Gesamtklang ist modern, ist Stoner und doch sind die Wurzeln der Band vollkommen klar. Cooler, innovationsbefreiter, aber einfach leidenschaftlicher Song. "Fa`yka ye`ve domoo" klingt afrikanisch und könnte ein von John Coltrane erfundener Freejazz Jam auf einer seiner späten Platten gewesen sein. Nee, ist von SAUTRUS, eine psychedelische Instrumentalnummer, wieder sehr kurz und bündig, eine kleine Ruhephase für die Seele. Die Orgel über den Percussions ist schön. "Losao" geht dann als klassischer Doom durch. CANDLEMASS auf schmutzig würde passen. Epische Melodien verzaubern Dich, während die Gitarren Dich mit Wüstendreck überziehen. Der Refrain rockt und groovt dann eher dirty umher und bringt "Losao" zurück zum Stonersound. Tja, beide Stile sind verwandt, haben denselben Ursprung und können sogar locker verbunden werden. Die TRUE Fraktion mag Regenbögen kotzen vor sardonischem Zorn, ich liebe es. Ein cool rockender Solopart mit die Sinne zerbröselnder Leadgitarre fügt sich locker ein und steigert die Freude an diesem Monster noch. Soll ich noch Vergleiche ziehen? Ich meine, Du kannst vielleicht keine neuen Tonfolgen mehr komponieren und Du kannst auch nur noch über Dein eigenes Antlitz gehen, einem Song etwas von Dir zu verleihen, aber es lohnt sich auf jeden Fall und auch wenn ich immer an ORANGE GOBLIN denken muss, so soll dies für SAUTRUS ein Kompliment sein, da sie wiederum grob mit den Engländern auf einer Linie stehen, aber ihr Ding auf ihre Weise durchziehen. Respekt. Schön ruhig, zutiefst mystisch und mit unirdischem Zauber eht "Suentist" los, das große Finale des Albums. Ein paar Heavypassagen später kommt man zu einer Strophe, die eine tief berührende Melodie offenbart. Wieder geht es auf Heavyrock zurück und von dort erneut in den sanften, verträumten Psychedelic, wobei sich die Strophe in ihrer instrumentalen Intensität stetig bis zur Eruption steigert. Spacerock, Doom und Psychedelic Heavyrock geben sich hier die Klinke in die Hand. Die Musik klingt magisch, hat aber einen fiebrigen, leidenschaftlichen, sexuell anregenden Ausdruck, einen Aspekt physischer Lust und Sinnesfreude. Die Wechsel zwischen dem sehr direkten und kraftvollen Klang und dem Raum nach Hinten in die Tiefe der Sinne verschaffenden Psychedelicrock wirbeln Dich als Hörer emotional umher. Aber das ist gut. Verharren bedeutet den Tod. Eine schöne Platte, die ihr Geld wert ist und die mir Vertrauen zum aktuellen Undergroundrock schenkt, mehr Vertrauen noch als ich es eigentlich schon habe. Bands wie SAUTRUS, OPERATORS, BONE MAN und LIBIDO FUZZ haben mich auf ihre ureigene Weise davon überzeugt, dass klassischer harter Rock auch nach über 40 Jahren und diversen Inkarnationen noch verflixt frisch und inspirierend klingen kann. Absolute Kaufempfehlung.

Mittwoch, 10. September 2014

BONE MAN / BURN PILOT / MOEWN 01.09.2014, BAR 227 / HAMBURG

BONE MAN, die liebenswert einzigartigen Fuzzrocker aus Kiel, hatte ich vor diesem Gig bereits sieben Mal innerhalb von 13 Monaten angeschaut und das letzte Mal war eine gute Woche zuvor auf dem FEHMARN ROCKT Festival (gesonderter Bericht). Ich bin bis heuer nicht müde, mir BONE MAN live zu geben und da ich ohnehin noch ein Exemplar des neuen Albums aus der Miniauflage von 100 Stück in klarem Vinyl vorbestellt hatte und abholen wollte, kam mir der Auftritt in Hamburg doch recht. Kiel am Freitag zuvor und Heide am Samstag musste ich leider ausfallen lassen, daher war die BAR 227 an der Max – Brauer – Allee im Hamburger Stadtteil Altona mein Ziel, mir unbändigen Fuzzrock zu geben und nebenher noch neue Musik von BURN PILOT aus Bielefeld und den ortsansässigen MOEWN zu geben. Mit meiner großartigen Weggefährtin Mindy ging es von Itzehoe aus auf die Autobahn und dann ab in die Hansestadt, sehr früh im Grunde für ein gemeinsam besuchtes Konzert, aber man wollte sich ja auch vorher noch mit den Freunden und Bekannten vor Ort unterhalten und eben auch entspannt aufschlagen. Die BAR 227 liegt in der Nähe einer Kreuzung von Max – Brauer – Allee und Stresemannstraße, die ASTRA STUBE, wo ebenfalls schöne Undergroundkonzerte laufen, quasi in Steinwurfweite. Die Gegend an sich ist eine der eher bunteren in der Innenstadt Hamburgs, man sieht viele junge Leute mit eher alternativem Background, einen farbenfrohen Mix von Menschen verschiedenster Nationen und auch einen guten Anteil an Mitbürgern aus niederen sozialen Rängen. Neben einem Bürogebäude mit modernerer Architektur findet sich wenige Schritte weiter ein Bauwagencamp, wo Punks, Hippies und Aussteiger ein freies Leben führen wollen. Graffitis und leider noch mehr Schmierereien überall an den Hauswänden. Dann lagen in einem Hauseingang Bücher. Es schien so, als wäre dies als eine Art Strassenbibliothek gedacht. Die Buchinhalte waren allesamt eher esoterischer und politischer Natur. Ich erlaubte mir, ein wenig Lesematerial zum Thema „Wassermannzeitalter“ mitzunehmen. Mir war die Gegend zwar leicht suspekt, aber die Atmosphäre war bei aller Schmuddeligkeit doch noch relativ angenehm, wie dann auch der Rest des Abends sein sollte. Auf ging es zur Lokalität, vor der schon das Tourgefährt (T3 oder T4? Ich schaute nicht genau hin) parkte. PINK TANK RECORDS Labelchef Jan wurde als erstes begrüßt, hiernach die BAR 227 gestürmt und es kamen Arne, Marian und Ötzi von BONE MAN mit Handshakes und Umarmungen an die Reihe. Das neue BONE MAN Album „Plastic wasteland“ wurde sogleich verhaftet und kurz zum Auto getragen, dann machten Mindy und ich es uns zwischen Mischpult und Merchstand gemütlich und nahmen die Bar noch etwas genauer in Augenschein. Es geht vom Eingang eine Treppe runter in die Bar hinein, direkt vor einem der Tresen, darüber hängen seltsame Lampen, deren Schirme einmal Schnapsflaschen waren. Links herum hinten am Fenster zur Strasse standen Merch und Mischpult, , rechts war eine Sitzecke in Bühnennähe. Die Wand hinter der Bühne wurde von einem riesigen Hendrix Bild geziert. Überall fand man Accessoires der Rockgeschichte als Deko. Ein wunderschöner Laden, der Bock auf den Abend und den allerersten Gig der Postrocker MOEWN aus Hamburg machte. Dieser sollte dann auch stilecht mit einem Intro aus leichtem Meeresrauschen und Möwengeschrei beginnen. Das Trio aus Hamburg spielte sich bei diesem Debütgig in einen Rausch der Melodien. Ihre Musik war rein instrumental, hatte massiv stampfende doomige Parts dabei, treibend rockende Abschnitte und schwebende Momente von betörender Erhabenheit. Sie bezeichnen ihren Stil selbst als „Desert Post Rock“ und die melodische Intensität und Erhabenheit des Post Rock, sowie die brütende Schwere und hypnotische Art des Wüstenrocks vereinen sich tatsächlich in ihrem Klangbild. Die Leadgitarre rockte eher clean, aber stets kraftvoll gespielt die leider spärliche Besucherkulisse. Gitarrist Ben weiß sehr gut, was er hier wann zu spielen hat. Ich hatte immer das Gefühl, Improvisation und klar strukturierte Komposition stehen in einem guten Verhältnis zueinander. Insgesamt erhob die stets harmonische und entspannte Musik Deinen Geist auf eine andere Ebene, sogar mir ging es so, auch wenn ich an diesem Abend eher dehydriert und recht unentspannt war. Ein Rätsel ist dies, aber manchmal hat man sowas. MOEWN sind eine Band, die ich definitiv im Auge behalte. Die Klangreise, auf die sie mich mitnahmen, war eine spirituelle Wohltat und bis in den hintersten Winkel der Seele inspirierend. Eine nette Plauderei mit Drummer Tim ergab sogar gemeinsame Bekannte in Itzehoe und erhöhte die Chance sogleich, mal ein feines Konzert mit DIE VOID und MOEWN zu organisieren. Schöner Einstieg in einen musikalisch fantastischen Abend. Mindy stimmte mir da sofort zu und ist jetzt schon epicht darauf, sich Tonträger und Merchandiseartikel der Band zuzulegen, sobald sie denn welche haben. Von MOEWN werden wir bald noch mehr hören. Nun waren die Jaffe Brüder Sidney (Schlagzeug / Gesang) und Joel (Bass) mit ihrem Gitarrenhexer Jonas an der Reihe. BURN PILOT wollten mich für sich gewinnen und sie schafften dies auf Anhieb. Auch wenn sich der Club nur unwesentlich weiter gefüllt hatte, donnerte das trotz zehnjährigen Bestehens noch sehr jugendliche (Sidney ist z.B. erst 22) Trio einen wilden Rock aus den Boxen, der sich zwischen wild tosenden Eruptionen, betörender Wüstenschwere und entspanntem Umgarnen der Sinne mit eigenwilligen Melodien bewegte. Sidney als Schlagzeuger und Sänger ist ein Blick – und Wildfang. Er singt und shoutet ganz locker seine Botschaften in die Welt hinaus, während er wie ein Berserker auf die Felle eindrischt, dies auch noch mit einer großen Präzision und vollkommen frei. Er ist einer dieser wunderbaren Musiker, die sich beim Spielen von störenden Gedanken befreien können und komplett in der von ihnen erschaffenen Klangwelt aufgehen. Von der Intensität her erinnerte mich die Band an mir nur von schlechten Livevideos her geläufige Auftritte solcher 60er Legenden wie MC 5 (allerdings ohne echten Frontmann) oder BLUE CHEER, rein vom Spirit her hatten sie ebenfalls viel von den alten Bands, obgleich sie stilistisch her moderner sind und trotz verspielterer Momente, die schon beinahe an alte Krautrockfreakouts denken ließen, kommen sie wesentlich direkter und wütender. Punk, Doom, Sludge, Heavypsyche und Wüstenrock vereinen sich zu einer sehr eigenständigen Musik. Dazu passt auch die vollkommen entfesselte Performance, bei der Jonas schon mal eine Bohrmaschine über den Tonabnehmern seiner Gitarre ertönen lässt, auf dass sich die Schallwellen übertragen und komplett fertige Sounds erzeugen. Joel war dieses Mal der ruhige Part, der rote Faden, der das Spiel der Band zusammenhielt. Mindy und ich standen auf unserer Position zwischen Mischer und Merchandise mit offenem Mund und konnten nicht anders als uns nach dem Gig mit Tonträgern von BURN PILOT einzudecken. Ein Review zum neuen Album auf PINK TANK RECORDS folgt noch gesondert. Spielfreude, Leidenschaft, große Kreativität und liebenswerte Bodenständigkeit kommen hier zusammen und befeuern die drei Jungspunde. Wir haben uns noch wunderbar mit Sidney unterhalten und gerade Mindy war sehr angetan von dem kleinen Mann. Um seiner nach eigener Aussage leicht belasteten Stimme ein wenig Gutes zu tun, gab ich ihm noch ein Röhrchen Gelorevoice Tabletten, wie ich sie gerne vor Auftritten benutze, sollte es denn notwendig sein und Sid nahm sie dankbar entgegen. Verdient hat der lütte Irrwisch sich das. Großes Kompliment an die Jungs aus Bielefeld. Inzwischen war es spät, die Abendkasse hatte dicht gemacht und BONE MAN spielten sich in einen Rausch großartiger Riffs und Melodien. Allen voran Master Marian, der seine Gitarre irrwitzig brodeln und jaulen lies, dabei aber immer eine wundervolle Harmonie von den Saiten kitzelte und wie eh und je durch relative Wortkargheit zwischen den Songs, aber einen unglaublich gefühlvollen Gesang seine Einzigartigkeit unterstrich. Das obligatorische Pflaster auf der Wange der letzten 13 Monate scheint nun Vergangenheit zu sein, aber das ist eben auch nur eine unbedeutende Äußerlichkeit. BONE MAN haben mit Arne und Ötzi zudem eine Rhythmuscrew, die wild und ungestüm die Stücke vorwärtstreiben, sich aber auch zurücknehmen kann, wie im erhabenen Fuzzfolk „Wayfaring“. Sie spielten viele Stücke des neuen Albums „Plastic wasteland“, einer Orgie an jaulendem Gitarrenrock, der sich bei aller Leidenschaft für die entfesselten Soundorkane der Spät 60er Kultbands wie MC 5 oder STOOGES mit beiden Beinen im Jetzt hält und noch am ehesten den US Underground der späten 80er und frühen 90er, aus dem dann der Kommerzgrunge herauswuchs, als musikalische Verwandtschaft akzeptiert. Da Mindy sich draußen mit Sidney von BURN PILOT unterhalten wollte, genoß ich zusammen mit all den anwesenden Phreaks die Show der drei Kieler und wurde von den Hits der Band hinfortgetragen. Konnte ich mich auch irgendwie nicht so recht entspannen an dem Abend, in dem Moment, wo der BONE MAN Auftritt stattfand, war ich wie in einer magischen Wolke gefangen und wurde von der Musik durchdrungen. Und ich sage nicht umsonst „Hits“, denn selbst die relativ neuen Songs von „Plastic wasteland“ waren mir durch das eine oder andere vorher besuchte Konzert schon im Ohr, zumindest jene, die bereits gespielt worden waren. Mein persönliches Highlight war natürlich „Closer tot he sun“, aber das ist auch ein Übersong. Wie bei SABBATH „Paranoid“ und bei AC/DC „Highway to hell“, so ist bei BONE MAN eben „Closer to the sun“ die Nummer schlechthin. Ich hoffe, sie können damit leben. Der Sound war bei BONE MAN am schmutzigsten, aber ich denke, dass es gar nicht anders sein darf. Die Drei spielten sich in einen Rausch und bis an den Rand der Erschöpfung, wobei ich bei Ötzi fast der Meinung war, er hätte diesen Rand überschritten. Ein Wahnsinniger am Schlagzeug. Aber das gilt für alle Knochenmänner. Arne bearbeitet seinen Bass vollkommen befreit und entfesselt, hat aber stets den richtigen Kurs beim Takthalten und Marian rotzt mit seiner urig schmuddeligen Gitarre zwar herum, als gäbe es kein Morgen mehr, zeigt sich trotzdem stets technisch versiert. Die Boys haben es einfach drauf. Halleluja! 24 Jahre früher und sie wären jetzt schon eine der Megabands, aber das kommt sicher noch. Urig war dann auf jeden Fall noch der recht strahlige Afrikaner, der sich nicht recht einig war, ob er sich nun in die BAR 227 verirrt hatte oder ob er von göttlicher Hand geführt wurde, die allerbeste Rockmusik seines Lebens zu hören. Seine planlose Strahligkeit brachte ihn allerdings auch in eine relative Außenseiterposition und so dackelte er letztendlich ab, nachdem er Mindys Drink umgeschüttet und BURN PILOT Basser Joel zum Luntenrollen angestiftet hatte. Rauchen durfte er sein Kraut alleine, das war allen Anwesenden nicht geheuer. Ich bin in den Laden verliebt, in die Bands ohnehin und in den Abend, den mir als positives Erlebnis niemand mehr streitig machen kann. Das SAUTRUS Konzert an gleicher Stelle musste ich zwar leider sausen lassen, aber ich merke mir die BAR 227 als geile Location.

Freitag, 5. September 2014

WATCHER - Demo 2014 (Eigenproduktion, 2014)

01. Boundaries of blood 02. Murder at the castle Zwei Songs befinden sich auf dem Demo der frankokanadischen Band WATCHER, die aus dem Umfeld von CAUCHEMAR, einer der coolsten derzeitigen Heavy / Doom / Proto Metal Bands, stammt. Aber diese beiden Songs haben es mir echt mal besorgt. Doom ist das Stichwort, denn klassischer Uraltdoom mit NWoBHM Referenzen ist ein essentieller Bestandteil der beiden Stücke. Kommen wir zu "Boundaries of blood", der auf einem stampfendem Beat fußt. Die Gitarren sind schön dirty und spucken morbide, aber urklassische Riffs aus, auf denen der Sänger mit sehr mystischer, mittelhoher Stimme, von ein paar Screams abgesehen, sehr hypnotisierende Melodien singt, immer mal wieder aber auch in etwas wütendere Gefilde abdriftet. Gitarrist Matthew meint ja, das käme vom DARKTHRONE Einfluss, gerade von deren letztem Album. Na schön, lassen wir das so stehen. Zumindest ist der Gesang hier bei aller obskuren Kauzigkeit noch klar und melodisch. Schöne Leadgitarren begleiten das mystische Stück Musik, bei dem der typische Demosound eine sinistere Atmosphäre von modrigen Gewölben verbreitet. Gut hörbar ist natürlich alles. Soviel Tranzparenz darf man auch verlangen. Schönes Stück Musik, frei von Innovationen, sondern rein auf Gefühlen basierend. Mehr davon? Gerne, hier kommt "Murder at the castle". Und verdammt, es kriecht, es schleppt sich wie ein waidwund geschossener Werwolf dahin, hat ein absolut großes, wenngleich natürlich irgendwo bekanntes Riff und dann auf einmal kippt es um, wird zu einem mittelschnellen Headbangersong mit äußerst räudigem Sprechgesang, wo die DARKTHRONE Referenzen durchaus greifen. Im Refrain wird es wieder langsamer, aber bekommt einen hymnischen Ausdruck. Das nenne ich mal einen Killersong. So richtig ultratrue, aber auf eine sehr liebenswert ehrliche, natürliche Weise. So schreibt man Heavy Metal, wenn die Musik von Herzen kommt und von der vor Leidenschaft brennenden Seele angetrieben wird. Ein schleppender Mittelteil bietet uns schöne Soli an. Der räudige Demosound tut natürlich das Seine dazu, diese ultraorthodoxen Kompositionen bei allem Festhalten an uralten Werten frisch und eindringlich klingen zu lassen. Spielen können die Burschen übrigens. Ich persönlich steh auf sowas. Das ist echter Heavy Metal, der noch das ursprüngliche Feeling von muffigen Kellern und zugemüllten Hinterhöfen hat, der die Musik wieder auf die holperigen Straßen alter Industrieviertel trägt. Nur zwei Songs, aber die haben es in sich. Waren wir darauf, mehr von den Kanadiern zu hören! Hier ist ein Link zu ihrer Bandcampseite , wo es die beiden Songs als freien Download gibt. "Murder at the castle" kann man zudem noch auf der "Well 'eavy Vol. 1" LP (u.a. mit AMULET (UK), BLACK MAGIC (N), DRACULA (AUS), RANGER (FIN) uvm) bei Century Media bekommen.

CAUCHEMAR - La vierge noir (Nuclear War Now, 2010)

01. Le voile d'Isis 02. Magie rouge 03. Valse funèbre 04. Les ailes de la mort 05. Le gardien de la Terre Weiter geht es mit Musik. Die schöne Annick Giroux und ihre Mannen habe ich im Frühjahr als Hauptattraktion eines schwermetallenen Konzertabends im Bambi Galore in Hamburg - Billstedt gesehen, wo meine Freunde AGRIMM DOOMHAMMER (u.a. Ex RITUAL STEEL) einen meisterhaften Gig hinlegten. Der episch heroische Heldenmetal der Opener passte perfekt zum wesentlich dunkleren, mystischeren Sound der Frankokanadier. Das Debütalbum "Tenebrario" (Review folgt) kaufte ich mir sofort, die diesem Review zugrundeliegende "La vierge noir" EP (2010) fiel mir erst jetzt in die Hände. Aber die Wartezeit von einem knappen halben Jahr hat sich gelohnt, denn die fünf Songs, allen voran die Hymne "Les ailes de la mort" sind für jeden fanatischen Anhänger klassischer Metallschmiedekunst ein Ohrenschmaus. Auf dieser EP spielt Annick noch selbst den Bass und singt. Das Powertriofeeling beherrscht die gesamte EP. Mein Exemplar ist eine Picture 12", die Nuclear War Now! 2012 anlässlich diverser Touren der Kanadier ihrer ersten CD Auflage hintenanschoben. Ein bezauberndes Stück Vinyl, trotz der relativ spartanischen Aufmachung, erworben beim guten Patrick von Iron Bonehead. Abwechslungsreich geht "Le voile d'Isis" gleich als Opener in die Vollen, mit treibendem Strophenpart und einigen sehr sphärischen, dabei druckvoll kräftigen Refrains. "Magie rouge" ist eher gemässigter Natur, sehr dunkel, mystisch und eindringlich, rhythmisch spannend und erhaben. Annick schwebt wie ein schwarzer Engel über dem leicht verdrehten Bass und Schlagzeug Fundament, der Refrain fließt dann sanftmütig aber bestimmt über Dich als vollkommen in der Zaubermelodie versunkenen Hörer hinweg. Es könnte ein altes Volkslied sein, welches hier mit Rockinstrumentation nachempfunden wird, der Ausdruck des Stückes schafft eine sehr anregende, ich sage mal heidnische Atmosphäre. Ein leicht schleppender Doomrockpart in der Mitte macht die ganze Sache rund. Mir fällt dabei auf, dass es kein wirkliches Solo von Gitarrist Francois gibt. Aber das Stück an sich ist vollkommen wie es ist. "Valse funèbre" treibt gemütlich nach dem Umdrehen als Opener der B Seite. Annick singt eine einfache, straighte, aber eindringliche Melodie. Der Refrain wirkt eher geheimnisvoll, die Melodie erzählt eine sinistere Geschichte, der Schlagzeugrhythmus schleppt sich stampfend voran und man bekommt das Bild eines irgendwie waidwunden, mit letzter Kraft vorwärts stolpernden Mannes vor das geistige Auge, der gerade den schrecklichsten Horror ever überlebt hat. Schöner Song, wieder ohne Solo von Francois. Gehört wohl zum Gesamtkonzept. "Les ailes de la mort" bewegt sich in gemässigtem Gallopp, erzeugt von allen Instrumenten. Annick singt darüber eine schlichte, aber schöne Strophenmelodie und legt mit dem Refrain die Hymne schlechthin vor. Ich liege auf den Knien und bekomme diese wundervolle Gesangslinie nicht aus dem Kopf. Da hilft auch der entspannt dahintrottende Erdengärtner (Le gardien de la terre) nichts. Der Song ist gut, gemächlich, schön heavy und hypnotisch. Die Atmosphäre ist hier recht hell und der Ausdruck erdiger, dem Feeling klassischen 70er Heavy Metals näher. Ohne Scheiß, mit Halford am Gesang und ein paar Soli von Tipton wäre das hier ein perfekter Song für "Sad wings of destiny". Tja, entsprechend möchte ich CAUCHEMAR hier attestieren, dass sie ein perfektes Retrometalvergnügen initiieren, das musikalisch in die Jahre 1975 bis 1980 zurückgeht. Geil finde ich den Sound der Gitarre, die ihre Kraft eher aus dem wuchtigen Spiel des Francois Patry, denn aus einem über alle Maßen verzerrten Klang zieht. Die Musik der Frankokanadier wirkt lebendig und sie befällt Dich regelrecht, setzt sich tief in Deinen Sinnen fest. Bei aller Liebe zu ordentlichen Gitarrensoli bin ich der Meinung, dass sie dieser vollkommenen EP nichts an Aussage hinzuzufügen gehabt hätten, es entsprechend auch ohne geht. Ganz tolle Scheibe! Für 17,00 Euro u.a. noch bei www.ironbonehead.de zu bekommen.

Dienstag, 18. Oktober 2011

ELECTRIC MOON - Flaming lake



(2011, Sulatron, Deutschland, 76.28 min)
01. The cosmic creator
02. Flaming lake
03. Lost and found souls
04. Burning Battenberg
So dunkelbunt wie das effektüberladene und verfremdete Livefoto im Inneren des Booklets ist auch die Musik von ELECTRIC MOON. Im Juli 2011 waren sie gerade in Battenberg / Eder beim "Teich in Flammen" Open Air, veranstaltet von den dortigen Psyche / Space Rockern DATURANA (unbedingt checken, Album "Crossroad man" gibt es von NASONI), schon steht eine CD mit Liveaufnahmen von eben jenem Fest, nun, nicht in jedem Laden, aber bei Bandkopf Dave Schmidt im SULATRON Shop. Vier Songs sind es, besser, vier ausladende, instrumentale Jams von hypnotischer Wucht, die Dich tief in einen Zeitstrudel reissen, in dem alles relativ wird. Die Welt um Dich herum bleibt einfach stehen. Das hier ist Musik, bei der Du die Augen schließt und Dich im Rhythmus wiegst, während Deine Seele auf den von den Gitarren erzeugten schwebenden Klangwellen reitet, weit fort hinaus in den Kosmos. Die Struktur der Stücke kommt eigentlich von Drummer Alex, der stoisch einen entspannten Beat klopft, ab und an aussetzt, zuweilen etwas kräftiger dreinschlägt, aber im Grunde mit seinen repetativen Strukturen bereits für den betörenden Ausdruck sorgt und von Bassistin Lulu, der Kometenfrau und Muse von Gitarrengott Sula Bassana aka Dave Schmidt. Komet Lulu spinnt ein dunkles Notengarn, das eindringliche, mystische Melodien ergibt, wobei auch sie wenige Variationen einbringt, den Hörer in seiner Trance zu halten und diese noch auszubauen. Auf gut sechsundsiebzig Minuten bringen es die vier ausgedehnten Jams, in denen sich meine Seele allmählich verliert. Um mich herum gefriert das Leben, während die brodelnde Atmosphäre der Musik gar allzu irdisch scheint. Zumindest was den extrem schweren Psychedelicdoomrock von "Lost and found souls" angeht, dem dritten Stück. Hab ich die ersten beiden Songs nun übersprungen? Ach, ich fange erst an, Euch von meiner spirituellen Reise in den flammenden See zu erzählen. "The cosmic creator" ist eine auf - und abschwellende Klangwand aus Grooves, pumpendem Bass, spacigen Effekten, die von Lulu und Dave gemeinsam aus irgendwelchen Gerätschaften getreten werden. Toll sind Daves wabernde Wahwahsounds, sein sphärisches Gesäge mit viel Nachhall und das Gluckern und Blubbern, welches seiner "elektrischen Stullenbox" entfleucht. Natürlich kann er seiner Klampfe auch ein katzenhaftes Heulen und halbwegs klassische 60er Psychedelic Jauler entlocken, wie das bereits vor vierzig und mehr Jahren die Besten getan haben. Und immer tiefer reissen Dich die drei Schöpfer kosmischer Rockmusik in ihre Musik hinein. Du als Hörer tänzelst umher, ohne Besinnung, wie im Fieberwahn. Dieser Jam hält Dich gefangen und wenn ELECTRIC MOON in eruptivere Passagen ausbrechen, dann sägt es Dich regelrecht um, Du tanzt wie ein Derwisch in wildester Ekstase. Das ist auch der Grundgedanke der Musik ELECTRIC MOONs, schiere Ekstase, das Loslösen der Seele vom Körper. Entspannter beginnt der Titelsong mit träumerisch dahinfließenden Läufen von Bass und Gitarre, tatsächlich mit kleinen Melodien und melodiehaftem Gitarrenspiel, welches allerdings immer auch wie ein Spiel mit den Effekten klingt. Die Atmosphäre ist heimelig, ich kann mir die Band hier so richtiggehend vorstellen, wie sie dort am Teich zu Fackelschein aufspielt. "Flaming lake" steigert sich langsam in seiner Intensität, rockt mehr, kocht regelrecht vor spiritueller Leidenschaft. Dave lässt die Klampfe heulen, als hätten wir 1972 und das hier wäre ein Konzert von PINK FLOYD und er hieße statt Schmidt mit Nachnamen Gilmour. Aber niemand bei ELECTRIC MOON bestreitet den Einfluss der britischen Artrock - und Psychepioniere. Ein gewaltiger Wirbel entsteht, die Gitarren, das scheppernde Schlagzeug, Lulus brummender Bass, sie tanzen um einander herum in furiosem Reigen, sie umschlingen sich förmlich und fesseln Zuhörer. Der visuelle Aspekt mag für diese CDr "nur" in der Imagination desjenigen entstehen, welcher der Musik ausgesetzt ist, aber wenn man sich komplett fallen lässt, dann löst sie die Sinne von dem, was der Mensch an sich als "Realität" empfindet, die Schatten und Schemen tanzen im Feuerschein um einen herum und man selbst kann nicht anders. Man muss einfach durch Raum und Zeit dahinwogen. Und dann kommt "Lost and found souls", der Heavysong mit dem prägnanten, düsteren Riff, dunkel - mystischen Melodien vom Bass, einer betörend schönen, dennoch scharfkantigen Leadgitarre und einem gespenstisch klackernden und scheppernden Schlagzeug. Mystifizierend, majestätisch, mit leicht orientalischem Einschlag, wie ein Ritt bei Sonnenuntergang durch das Tal der Könige, wo die schauerlichsten Sagen und Geschichten lebendig zu werden scheinen. Oh, Ekstase ist auch hier wieder ein Begriff, den ich für das Spiel in dem eigentlich zähflüssig doomigen Soundbrei benutzen möchte. Dave geht an der Gitarre vollkommen aus sich heraus, Lulu und Alex zaubern einen donnernden Rhythmusteppich, der den infernalischen Ausdruck eines vom Sturm aufgepeitschten Meeres hat, auf dem man hilflos in seiner Nussschale von Walfängerschiff treibt. Dieser Jam ist eine Urgewalt, wird aber auch irgendwann von der Band wieder in ruhige Passagen getrieben, die eine schaurige Atmosphäre mit sich bringen. Freiförmiges Zischen, Zwitschern, Blubbern, Knarren und Quietschen gibt es dann auch hier in einigen Abschnitten, obschon "Lost and found souls" am Ende durchaus sehr komponiert wirkt. Über zwanzig Minuten schwebt man in diesem Inferno umher, welches zum Ende hin sogar in reinen Spacerock abdriftet, dann aber wieder den Weg zum Heavysound der Anfangssequenz und damit zu seinen Wurzeln findet. ELECTRIC MOON rauben einem auf diese Weise einfach die Sinne. Nach solch einer Abfahrt sollte eigentlich alles aus sein, aber ein Surren und Blubbern, dazu etwas Bass, ein dezenter, formbefreiter Rhythmus, Geplänkel der Gitarre, es geht psychedelisch voran. Dave spielt nach der spacigen Einstiegssequenz auf dahinspringendem Beat und monotonem Bass schöne cleane Läufe mit bewusstseinserweiternder Melodieführung. DATURANA Trommler Philipp hat sich hier zur Band gesellt. Irgendwie hab ich das Gefühl, als läge ein dünner Synthesizerteppich auf der Musik, die sich rasch in immer ekstatischere Gefilde bewegt, schneller, treibender wird, wieder an Fahrt verliert, fast statisch wird und immer wieder schnaufend und ächzend Aktivität zeigt und durch seine versponnenen, aber entschlossen wirkenden Rhythmen dem Hörer vollen Körpereinsatz fordert. Eine Passage erklingt, wo die Band schneller und schneller wird, dann eine Art Explosion, der Song wird langsamer, aber er bleibt kraftvoll, krachend und feurig. Am Ende wird es dann komplett wirr, freiformatig, experimentell, ein Freak Out dringt an unsere Ohren, der uns in den Kosmos hinauskatapultiert, frei von Form, Rhythmus und allem was dazugehört. Schluss, ein wenig Applaus und Gejohle, weg. Wow, was für eine Scheibe, jetzt brauch ich erstmal ein wenig geschmeidige Beatmusik, um meine Sinne wieder zu besänftigen. Wer ein Exemplar der auf 250 Exemplare limitierten CDr im Jewelcase mit professionellem Cover haben möchte, wende sich an SULATRON RECORDS.

Montag, 26. September 2011

AMBER - Pearls of Amber



(UK, Merlins Nose, 1971/2011, 23.55)
01. Sea Shell Rock Me
02. White Angel
03. Swan in the Evening
04. Sing on the Sunlight
05. Sea Shell Rock Me (alt. version)
06. Earlie in the Morning AMBER waren ein Duo aus dem Umfeld des schottischen Singer / Songwriter und Acidfolk Königs Donovan Leitch (u.a. "Hurdy gurdy man", "Atlantis") und somit darf man auch bereits auf die Musik der beiden damals noch jungen Herren schließen. Es ist sicher eine einfache, geradlinige Musik, melancholisch, aber lebensfroh, nachdenklich, aber voller Glück und Zufriedenheit. Akustische Gitarre, verspielte Sitarläufe, dezente Rhythmen mit perkussivem Charakter und ein sehnsuchtsvoller, sanfter Gesang bestimmen das 1971 aufgenommene, aber erst im Jahre 2000 posthum auf LP veröffentlichte Werk, welches mit sechs Songs bestückt gerade auf knapp vierundzwanzig Minuten Musik kommt. Mager, eventuell, aber es gibt ja die Repeat Taste und daher kann man sich die fünf schönen Nummern und den Alternativetake von "Sea shell rock me" den ganzen Tag über wieder und wieder anhören. Und ich muss sagen, dass ich mir das gute Stück bereits zum wiederholten Mal gebe und die wunderschöne, friedfertige Stimmung, die kleinen, einschmeichelnden Melodien und das zwar nicht ausufernd wilde, aber trotzdem gute Spiel der Musiker verpackt in zauberhafte Songs mich erst langsam in Fahrt bringt. Da sind noch ein paar Durchläufe mehr drin. Dieses Minialbum bringt einem Bilder von betört in der Abendsonne tanzenden Hippies in langen bunten Gewändern oder splitternackt in den Kopf, die Atmosphäre ist entspannt, frei und lebensbejahend. Auch wenn die Songs an sich strikt durchkomponiert sind, die instrumentalen Momente haben schon jammigen Charakter und ziehen Dich mit ihrer Lockerheit so sehr in ihren Bann, dass Du geneigt bist, mit Stiften auf Kaffeetassen, Gläsern oder den Schirmen von Bürotischlampen herumzuklopfen und mitzusingen. Wer sich auf Donovan und gerade dessen jammigere Momente beruft, der muss AMBER anchecken. Gibt es bei www.merlins-nose.com