Dienstag, 25. August 2009

Elvenpath - Spyrol



(2008, Deutschland, Eigenpressung, 49.14 min)
01. Burning skies
02. Priests of war
03. The mask of sorrow
04. Angel of fire
05. Late at night
06. Northern son
07. Act the innocent

Der gute Till hat echt kein Glück mit seiner Band, schon wieder eine neue Besetzung, knapp ein Jahr nach der Veröffentlichung dieses von mir leider sträflich vernachlässigten Stückes teutonischen Metals. Sorry, Bruder, ist leider komplett untergegangen, aber jetzt kommt das versprochene Review. Also, sieben Songs stehen auf "Spyrol", die durchschnittliche Länge ist in der Tat sieben Minuten und zwei Sekunden pro Song. Wie erbsenzählerisch. Geboten wird eine Art melodischer Heavy - bis Speedmetal, dem allerdings Gayboards komplett abgehen und der durch einen lebendigen, natürlichen Sound auch adäquat metallisch umgesetzt worden ist. Die ersten beiden Stücke "Burning skies" und "Priests of war" donnern gut ins Mett mit fetten Refrains und rasanten Gitarren, die auf donnernden Rhythmusteppichen dahingleiten. Schwuchteleien sind nicht angesagt, hier regiert die Axt, hier wird METAL groß geschrieben. "The mask of sorrow" als dritter Song hat dann eher einen deutschen Melodicmetaleinschlag, der fast in AOR Nähe abdriftet, ein wenig an zahmere BONFIRE oder PINK CREAM 69 erinnern mag, wobei allerdings der Gesang seine Grenzen aufzeigt. Ein Klaus Meine, Claus Lessmann oder Andi Deris fallen eben auch in der Bankenmetropole Frankfurt nicht einfach vom Himmel. Ich will nicht über den Shouter schimpfen, er macht seine Sache bei den speedigen Stücken echt geil, kann dem alten Kai Hansen locker das Wasser reichen. "Angel of fire" ist solch ein "HELLOWEEN in besten Zeiten" Song. Natürlich werden beinharte Obskurmetaller, Amimetalworshipper und Epicfreaks hier die Krise bekommen, aber das ist egal. ELVENPATH sind eine ehrliche Metalband, die zwar einen durch viele Mistkapellen kaputtgerockten Stil fährt, dies aber mit Hingabe und Leidenschaft tut und die Fehler der meisten verkaufstechnisch größeren Acts im Untergenre Melodicspeed wieder ausbügelt. Sie sind so verdammt old schoolig, es kommen einem alten Banger wie mir die Tränen. Naja, Till ist auch schon 32, also ebenfalls eine alte Bangersäge und der Typ ist tausendfach METAL, geht zu den kultigen Festivals und lebt diese Musik. Daher ist diese Band ganz klar den Freunden ehrlicher und wirklich guter Metallschmiedekunst zu empfehlen. Und "Angel of fire" hat echt feine Riffs anzubieten. "Late at night" ist dann ein Beispiel dafür, dass eine positiv gestimmte Melodie nicht gleichbedeutend mit aufgesetzer Schlagerfröhlichkeit ist. Der Song macht absolut gute Laune, hat einen verspielten Mittelteil und rockt das Haus dennoch wie es sich für einen braven Teutonenspeedmetalsong gehört. Balladesk getragen und etwas atmosphärischer wird es mit "Northern son", wo wiederum der Gesang einen guten Song etwas verroht. Im Hymnenrefrain passt es dann aber wieder. Nun, der gute Mann ist bereits ausgetauscht worden, warten wir ab, was der nächste Sänger kann. Hier bei "Northern son" hört man an verschiedenen Stellen Keyboards im Hintergrund, welche die dichte Atmosphäre noch verstärken. Ganz an BATHORY kommt das Teil nicht ran, aber für Freunde alter Teutonenacts und früher HELLOWEEN ist es ein gefundenes Fressen, jawoll. Schöne Gitarrenläufe bestimmen das Bild. Ich meine, das hier ist keine Platte für jeden Tag, wird niemals zu meinen Top 100 LPs gehören, aber ihre Ehrlichkeit und Bodenständigkeit macht die Band ELVENPATH sympathisch und ich hab verdammt viel Spaß beim Anhören. Am Ende des Albums kommt noch ein verspieltes Instrumental, welches es eventuell nicht gebraucht hätte, wobei der Song eben auch nicht stört. Einen Kracher wie "Transilvania" von MAIDEN braucht man nicht erwarten, naja, okay, lassen wir das Ding mal seinen Lauf nehmen. Insgesamt eine angenehm zu hörende und charismatische Platte, die man als Fan teutonischen Metals, gerade von Undergroundbands, in seine Sammlung aufnehmen sollte. Gibt es u.a. bei Hellion Records.

77 von 100

Sonntag, 23. August 2009

Lester Maddox - Gothic lore (Vinyl classics)



(1986, DRD Records, USA, 38.36 min)
01. Fairy Tales
02. White Power
03. Starchild
04. Fire Giver 05:01
05. Egypt (The Chains Are Off)
06. In The Heat Of The Night
07. Take Me Home (Live)
08. Well Here We Are
Noch eine dieser verrückten, komplett obskuren und kauzigen Undergroundbands aus den USA, die Mitte der 80er ihr Unwesen treiben durften und es sogar auf zwei Scheiben in Eigenregie gebracht haben, siehe Metal Archives. Und diese LP war jeden Pfennig der 110,00 DM wert, die ich vor gut 10 Jahren dafür hingelegt habe. Perfektion ist hier ein Fremdwort, dafür ist das Feeling der Musik einfach betörend. Die Riffs brodeln nur so aus den Boxen, walzen sich einem ewigen Lavastrom gleich voran, obschon die Band kein wirklicher Doommetal bzw. nur doomy angehaucht ist. "Fire giver", der vierte Song der A Seite ist schon recht düster, doomig und dämonisch, was an dem extrem dreckigen Gesang liegt und dem Hang des Shouters, die Satzenden mit einer Art Gelächter zu beehähänden. Seine Melodien sind verquer und doch einprägsam, allerdings weit entfernt von Mainstreamgeschmeidigkeit. So auch der Sound der Scheibe, der räudig, rotzig, dreckig und bodenständig ehrlich klingt. Heute würde so nicht einmal ein Livedemo einer Undergroundblackmetalband tönen, 1986 hat man noch offizielle Alben derartig klingen lassen und womit? Mit Recht! Denn der Sound trägt extrem zur schaurigen Atmosphäre der Platte bei. Die A Seite hat noch das hymnische "Starchild" mit mächtigem Chorus zu bieten, das sinistere "White power" (kein Nazitext...hier geht es in die spirituelle Ecke) und einen weiteren hymnischen Track, den Opener "Fairy tales", wo ebenfalls dieses ziegenhafte Gegackere bei den Satzendungen für Gänsehaut sorgt. Die Mucke ist nicht wirklich schnell gespielt, vielleicht konnten die Jungs das auch nicht, aber das ist egal, denn die Atmosphäre voller dunkelster Magie raubt dem Hörer direkt den Verstand. Und wir sind erst bei der ersten Albumhälfte. Das Vinyl an sich war echt eine Frechheit, hauchzart wie ein Minzplättchen und immer auf dem Sprung...naja, mein aktueller Billigplattenspieler hat da keine Probleme, welch Glück. So kann ich mir diese Favescheibe von mir immer wieder ohne Qualitätsverluste tieftun. B Seite aufgelegt und ab dafür. "Egypt (The Chains Are Off)" stakst im unteren Mid Tempo herum, ist sehr, sehr mystisch und behandelt, wie ich mir vorstellen kann, den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Die brodelnde Leadgitarre über dem simplen, aber effektiven und verspielt wirkenden Bass / Schlagzeug Fundament raubt Dir nahezu den Verstand. Das Spiel ist sehr locker und entspannt, aber zu jeder Sekunde spannungsgeladen. Die Songs an sich mögen nicht riesig spektakulär wirken, aber in ihrer Tiefe schlummert eine gewaltige Kraft, die Dir die Seele freibläst. "In the heat of the night" schwebt dann wieder doomig drauflos und spinnt den Hörer in einen Cocon aus bösen Träumen ein. Der Refrain ist packend und sehr originell, einprägsam, mystisch. Der Livetrack "Take me home" ist heavy, eher schleppend, also typisch LESTER MADDOX. Man kann die Band mit keiner anderen Kapelle vergleichen. MANILLA ROAD? Höchstens auf schlechtem Koks. Keine Ahnung, es ist so eigensinnig und schön. Ein blechern klappernder Song nur mit E Gitarre und Gesang, eine Art Folkballade, beschließt das wirklich merkwürdige, aber doch todgeile Epic / Obskurmetal Album. Für Fans von abgedrehtestem US Sound a la REALMBUILDER eine absolute Pflichtscheibe.

98 / 100

Mittwoch, 19. August 2009

Memory Driven - Relative obscurity



(2009, Sweden, I Hate Records, 61.11)
01. Super Nova
02. Nonprofundi
03. Is There Something There?
04. Heavens Vast
05. Moment
06. Ostrakon
07. Surface Oblivion
08. Melt Into
09. Forever Lasting Sadness
10. The 13th Baktun (Closer Pull)
11. The End of Truth

Man denkt sich, es kämen wohl nur noch Knüppelveröffentlichungen oder langweiliger Trällermetal auf den Markt, doch da fällt einem die Debüt CD der Amis MEMORY DRIVEN in die Hände, die gleich einen interessanten, da zumindest in Undergrounddoomkreisen wohlbekannten Namen ins Rennen wirft: Dennis Cornelius.Bei REVELATION hab ich ihn als Sänger erleben dürfen, das war 1995 auf dem WACKEN, noch in der alten Arena mit knapp 3000 Besuchern. Schön war die Zeit. Davor war Dennis bereits u.a. bei den Deathmetallern DOOMSTONE zugange, die mir nur namentlich ein Begriff sind, danach hat er u.a. seine eigene Band OVERSOUL gehabt, einen progressiven Doom in Reinkultur gespielt und die 90er zumindest ganz weit hinten mit guter Musik versorgt (was in den 90ern wirklich nur von Bands aus den letzten Reihen getan wurde). Über den Umweg REVELATION (noch einmal) und PLACE OF SKULLS, sowie DWELL WITHIN landete er nun bei MEMORY DRIVEN. Diese Band, ähnlich wie OVERSOUL und DWELL WITHIN, ist sein Baby, dass er mit ein paar talentierten Freunden ins Leben gerufen hat. Eigentlich ein direkter Nachfolger beider Bands nur unter anderem Namen (siehe SATAN - BLIND FURY - SATAN - PARIAH). Die Musik von DWELL WITHIN kenne ich nun nicht wirklich, aber OVERSOUL und das war eben progressiver Doom. Dort setzt "Relative obscurity" an. Der Titel spricht Bände, er steht für die musikalische Kariere des Dennis Cornelius. Die Musik ist gar nicht so obskur, er hat eine angenehme mittelhohe Stimme, singt sehr gefühlsbetont. Die instrumentalen Parts sind zwar etwas verspielt, aber nie wirklich sperrig. Selbst die schleppenderen Momente haben eine gewisse Grundeingängigkeit zu vermelden. Man muß ja auch als Progband nicht immer wie bescheuert frickeln. Die Progressivität von MEMORY DRIVEN kommt tief aus der Komposition. Gut, nun haben sie auch wieder und wieder zuerst merkwürdig anmutende elektronische Spacepassagen in einigen Songs, die zwar nicht absolut befremdlich wirken, den Hörer dennoch beim ersten Hören verwundern. Mein Freund Christoph meinte etwas von "dronig", nun, das kann ich nicht ganz so stehen lassen. Kosmische Musik mit ein bisserl Melodie, würd ich sagen. Hier spielen die alten deutschen Elektroniker rein, TANGERINE DREAM unter anderem, die unterkühlte Soundlandschaften salonfähig machten. Der Doom hingegen ist bei MEMORY DRIVEN oft sehr majestätisch und pathetisch, kann sich aber auch komplett in sich zurückziehen und wie im bezaubernden "Forever lasting sadness" sanfte Psychedelicparts vor sich treten lassen. Ansonsten ist er kräftig, energiereich in jeder Verfassung. MEMORY DRIVEN sind keine ultimativen Kriecher, die alles zerwalzen müssen. Es ist das Feeling! Progressiv und doomy. Mr. Cornelius spielt hier mit seiner Band abseits jeglichen Kommerzgeistes seine ureigene Vision vom Doom. Kein Gothicgejammere, kein schwammiges Grungen, kein dreckeliger Stonerrock, es ist Doom pur in den schweren Passagen und kosmischer Sound deutscher Prägung bei den elektronischen Elementen, die beide unabhängig voneinander in den Songs vorkommen. Ja, gut, das ist merkwürdig. Doommetal und Elektrospacemusik tauchen nie zur selben Zeit auf. Die synthetischen Einlagen kommen meist am Ende eines Doomepos zum Tragen und dennoch hat man nicht das Gefühl, nur Versatzstücken zu lauschen. Das nenne ich große Kompositionskunst. Wer sich auf progressivere Doomsachen wie eben REVELATION und OVERSOUL einlassen mag, der hat hier die Gelegenheit. Es lohnt sich. Alle anderen kaufen die neue CANDLEMASS oder die neue IRON MAN, die traditionell powermetallisch oder heavyrockig den Doom auf faszinierendste Weise begehen.

95 von 100