Donnerstag, 28. Januar 2010

Humppaman Sven - Der Kult aus Glückstadt

Hier nun eine Properaumperformance unseres ureigenen Humppaman Sven, einem nachgewachsenen Original meiner Heimatstadt Glückstadt...absoluter Oberkult

http://www.youtube.com/watch?v=dIdq8nahmo4

Mittwoch, 27. Januar 2010

WHILE HEAVEN WEPT - Sorrow of the angels



(1999, Eibon Records, 39.00 min, USA)
01. Thus With a Kiss I Die
02. Into the Wells of Sorrow
03. The Death of Love
04. September
Ich spüre noch heute, über zehn Jahre danach diesen unglaublich tiefen Schmerz, der mich 1999 durchfuhr, als ich mir bewusst wurde, meine größte Liebe und mit ihr einen der wundervollsten Menschen, die je an meiner Seite waren, verloren zu haben. Die Nächte wurden dunkler, die Sonne wollte an meinem Horizont nicht mehr scheinen, bis ich eines Tages eine merkwürdig aussehende CD mit extrem lilavioletten Cover (schönes Digipack) in die Hände bekam und überwältigt wurde von der unheimlich intensiven Traurigkeit der Musik und gleichsam ihrer heilenden, Trost spendenden Berührung meiner Sinne. Ich kannte WHILE HEAVEN WEPT von ihrer "Lovesongs of the forsaken" EP, die ich seit zwei oder drei Jahren besaß. Einer obskuren, verregneten Scheibe, auf der die Band jedoch noch nicht den letzten Schritt getan hatte. Hier war es nun soweit. Der Gitarrensound druckvoll, die Keyboardarbeit opulent symphonisch, ohne die Musik annähernd zu verwässern. Der Klang transparent und die Darbietung nicht ohne Anspruch. Mastermind Tom Phillips sang mit unheimlicher Intensität, man spürte aus jeder gesungenen Note heraus, wieviel Leid und Schmerz in dem jungen Mann stecken mußte. Auch er hatte die Liebe zu einem der Brustträger mit bitteren Tränen bezahlen sollen, jedoch erwuchs aus ihm eine ungeheure Kreativität. Sogleich wird man von der Musik in einen tiefen Schlund gerissen, das siebzehnminütige "Thus with a kiss I die" eröffnet einem die bis heute gültige komplette Klangwelt von WHILE HEAVEN WEPT. Ein mehrminütiges, schleppendes Wehklagen von erdrückender Schwere eröffnet den Song, gesungen mit Inbrunst, gespielt mit einer kaum zu zähmenden Leidenschaft und Melodien so unirdisch schön, dass die Herrschaft über die Gefühle beim Eintauchen in dieses Stück verloren gehen dürfte. Die Leadgitarren von Tom Phillips gehen gar nicht mehr. Nach einer Weile setzt die übermenschliche Schwere des Doommetals aus, ein akustischer Gitarrenlauf mit schwebender Leadgitarre darüber ergreift Dich und wringt Deine Seele buchstäblich aus, nun darfst Du weinen, vor Schmerz, vor Lebenslust, vor Freude, vor Leidenschaft und tiefster Liebe. Und schon schleppt sich dieses symphonische Urzeitdoommonster weiter voran. Schon 1999 konnte man die Einflüsse gut festmachen und eine Menge deutscher Symphonikhardrocker wie ELOY, JANE und RAMSES als Inspirationsgeber identifizieren. Aus dem Doom heraus explodiert der Song in einen treibenden Metal, der im weiteren Verlauf immer verwinkelter und progressiver verläuft, dann in einen nachdenklich gestimmten, von Melancholie durchtränkten Part mit akustischer Gitarrenlinie und schwebenden Synthies mündet, der epische bis neoproggige Wege geht und im gebannt lauschenden, der Musik bereits jetzt restlos verfallenen Doomster Fragen aufwirft. Nicht nach der Musik, es sind emotionale Fragen, die nur ein jeder für sich selbst beantworten kann. Aus dem progressiven Rock heraus kehrt der Doommetal heim mit großen Gitarrenmelodien. Kurz nur währt dann eine akustische Überleitung, dann wird es majestätisch, als man nämlich „Into the wells of sorrow“ eintaucht. Das Keyboard wird zur überwältigenden Kirchenorgel, der Song an sich schleppt sich waidwund und mehr resigniert als verzweifelt durch die Dunkelheit und Tom singt mit einem ungeheuren Schmerz. War im vorherigen Longtrack noch ein Fünkchen Euphorie zu spüren, als es progressiver zur Sache ging, so ist diese Komposition durchgehend traurig. Eine Art Trauer ist es, die man wohl kurz vor dem eigenen Tod verspürt, der einen dann ereilt, wenn man nicht länger mit dem Verlust einer Liebe, eines unersetzbaren Menschen leben kann. Und doch spendet dieses Stück gerade in der Solopassage einen ungeheuren Trost, als teilten sich die schwarzen Wolken am Himmel und Sonnenstrahlen würden für einen Moment den Regen durchbrechen, damit sie Dir einen liebevollen Kuss auf die Stirn hauchen können. Auch hier wird es ein wenig treibender im weiteren Verlauf, wo Einflüsse barocker Klassik in ein Metalgewand gekleidet werden, ohne dass Tom an der Gitarre aber ins Fiedeln gerät. Eine sanfte Akustikpassage führt das Stück weiter voran, man hört Wassergeplätscher und es erscheint eine neue Akustikpassage, die eine sehr prägnante Melodie mit sich bringt, bevor „The death of love“, einer der emotionalsten und traurigsten, in dieser Trauer aber auch aufgewühltesten und zornigsten Songs aller Zeiten losmarschiert gleich einer Begräbnisprozession. Einige verspieltere Momente finden sich auch hier im mittleren Teil wieder. Das Stück an sich ist höchst einprägsam, wie alle Songs des Albums. Vielleicht bin ich es nur, der diese Empfindungen verspürt, habe ich mich doch damals ganz intensiv in den großen Melodien gesuhlt, um meine Trauer abzuspülen. Zu schön. Ich finde die Transparenz des Gesamtklangs sehr schön, man hört jeden einzelnen Basslauf durch die wuchtigen Klangmauern brummen, welche Keyboard und Gitarre aufbauen. „The death of love“ mag übrigens extrem traurig sein, aber es ist ein hoffnungsvoller Song, eine Hymne an die Lebensfreude, so merkwürdig das auch klingen mag, aber bei WHILE HEAVEN WEPT muss man stets um die Ecke denken. Auf den Alben „Of empires forlorn“ und „Vast oceans lachrymose“ finden sich wohl noch mehr Elemente progressiver und symphonischer Rockmusik, aber auch hier auf dem Debütalbum waren diese Momente vorhanden. Versöhnlich wird es übrigens im abschließenden kurzen Instrumentalsong, der wie in Noten gefasste Sonnenstrahlen klingt, so friedvoll, ohne Trauer, frei von Schmerz. Als habe man seine Liebe wiedergefunden, im jenseitigen Reich. Nun, nachdem dieses wunderbare Album für einige Jahre nicht erhältlich gewesen ist, hat sich das italienische Cruz Del Sur Label erbarmt und uns als Nachschlag zum aktuellen Meisterwerk (und welches WHW Album ist kein eternales Meisterwerk?) die ersten beiden Scheibchen nachgelegt. In Deutschland gibt es „Of empires forlorn“ und „Sorrow of the angels“ bei Hellion Records.

Donnerstag, 14. Januar 2010

THE HAND OF DOOM - Poisonoise Reissue


(1979/2009, High Roller Records / Shadow Kingdom Records, Germany 80.38 min)
CD / LP 1:
01. There Ain''t No Running Away
02. They Who''ll Creep At Night
03. Rock N'' Roll Close To The End Of The World
04. Heavy Mad Head
05. Deadman''s Dream
06. The Meanest Man
07. Doom Power
08. Poisonoise
09. The Hound
10. The Lights Of The Blind

CD / LP 2:
11. Putrefied (Hallowed Be Thy Name)
12. King Of Graves
13. Johnny B. Goode
14. Junior's Wailing
15. There Ain't No Running Away
16. Heavy Mad Head (not on CD version)
17. Doom Power
18. They Who'll Creep At Night
19. Rock'n'Roll Close To The End of The World
20. The Hound
21. Born To Be Wild
Ich bin bekennender Teutonenrocker und finde auch sehr viel Gefallen an deutschem Heavy Metal der 80er und späten 70er. Und eine der legendärsten, weil obskursten und bis vor kurzer Zeit vergessendsten Bands waren THE HAND OF DOOM aus Bad Hersfeld in Hessen. Warum nur, so frage ich mich, denn die Songs hatten allesamt Hitqualitäten und die Band war an sich sehr ausdrucksstark, was nicht zuletzt am sehr kräftigen, dreckigen und wütenden Gesang des Andreas „Iggy“ Rössner lag („Iggy“ wegen seiner Vorliebe für die STOOGES und IGGY POP an sich, was man seiner zornigen Performance auch anhört). Die Musik an sich war typischer Heavy Metal für die damalige Zeit, beeinflusst von Größen wie JUDAS PRIEST, den SCORPIONS, THIN LIZZY, BLACK SABBATH, aber mit einem sehr eigenen Ausdruck. Schon der Opener „There ain't no running away“ ist ein Smasher, ein treibender Heavy Metal Ripper mit eindringlichem, aufwühlenden Refrain, danach geht es etwas gemässigter mit „They who'll creep at night“ weiter, der eher entspannt aus den Boxen stampft und tänzelt, aber durch den auf hintergründigem Wahnsinn fussenden Chorus und coolen, verspielten Elementen bereits auf das hindeutet, was zur gleichen Zeit bei vielen englischen Bands los war. Ein Zufall oder der Einfluss von 70er Rockern wie den epischen WISHBONE ASH? Ich tendiere zu letzterem. Der Bass spielt sehr prägnante Läufe zu den schönen Harmonien und emotionsgeladenen Riffs des Klampfers. Und so entspannt hier zuerst alles anmuten mag, der Song ist sehr verstörend und düster auf seine Art. Treibender Heavy Metal Rock dröhnt dann in Form von „Rock'n'Roll close to the end of the world“ aus den Boxen, wo Iggy in der Strophe eine sehr dreckig boshafte Performance hinlegt und mit sehr großer diabolischer Lust den Refrain aus den Boxen grollt. Einen hymnischen, eingängigen Hitrefrain wohlgemerkt. Die Leadgitarre brät uns ein schier explodierendes Solo vor die Mütze. Killersong! Das wiederum mittelschnell stampfende „Heavy mad head“ überzeugt mit seinen bleischweren Riffs und dem knurrenden bis grunzenden, komplett übergeschnappt wirkenden Gesang. Es ist eigentlich ein straighter Heavyrocker, aber genau diese Aspekte reissen ihn aus der Masse an Songs raus. Bei THE HAND OF DOOM spielte viel geradliniger Rock'n'Roll mit rein, der auch gut zu KISS gepasst hätte, aber die reine Fröhlichkeit wie bei den US Comicrockern will hier nicht aufkommen, da ist ein Hauch von Verrücktheit zu jeder Sekunde spürbar. „Deadman's dream“ wäre einer dieser im Grunde so leichtfüssig abfackelnden Partyrocker, wenn da nicht wieder der Iggy wäre, der zudem einen sehr finsteren Text verfasst hat. Schönen Boogiemetal bringt uns „The meanest man“ mit seinen rollenden Shuffle Rhythmen und schön sägendem Leitriff. Der Refrain ist eher cool, Iggy singt recht human, aber da sind sehr geheimnisvolle Melodien auf der Brücke vom Refrain zur brodelnden Solopassage und schon ist wieder die einzigartige Atmosphäre von Verdammnis da, welche diese Band ausmacht. Die Burschen hätten eine große Karriere verdient gehabt, aber sie sind hiernach einfach wieder verschwunden, bis sie vor einigen Jahren von einem Sammler und Freak wiederentdeckt wurden. Jetzt gibt es also die Reissue auf Vinyl von High Roller Records und auf CD von Shadow Kingdom Records. Die Doppel LP mit elf, die Doppel CD mit zehn Bonustracks, darunter Proberaumaufnahmen und Livemitschnitte in für die Zeit und die Aufnahmebedingungen sehr guter Qualität. Hier darf Iggy Rössner sogar wirklich zeigen, welch wildes Tier in ihm steckt, was seine Bandkollegen sich für die LP Aufnahme verbaten. Nun, wir sind ja mit dem regulären Album noch nicht fertig, da ist der mittelschnelle NwoBHM Style Rocker „Doom power“, gefolgt vom Rock'n'Roll Titelsong, letzterer mit wiederum herrlich kaputtem Gesang in der besten Tom Waits Liga. Und Deathmetal an sich war noch Jahre weg. „Poisonoise“ hat diesen lockeren Tanzbeat, dafür aber zermalmende Gitarrenpower und ein entfesseltes Solo. Diese Scheibe ist schon was besonderes und entweder man verachtet sie komplett oder man ist ihr mit Leib und Seele verfallen. Sucht gar nicht erst nach einem Original, das brächte Euch um den Verstand, die Reissue, grad auf Vinyl ist doppelt so cool. Fetteste SABBATH Riffs zersäbeln Euch beim verspielten, dennoch treibenden „The hound“. Die Band war ihrer Zeit um mindestens zwei Jahre voraus in Sachen Härte und mit einem größeren Budget im Studio, „Poisonoise“ wurde komplett in zwei Tagen eingespielt, daher auch das Livefeeling, wäre sie schier für Jahre die derbste Scheibe im Metalbereich gewesen. Ich finde „The hound“ könnte mit Mark Shelton am Gesang auch auf einer früheren MANILLA ROAD Scheibe gestanden haben, es ist schon etwas verdrehterer Heavy Metal Rock. Melodischer und geheimnisvoll klingt „The lights of the blind“, welches nach 36.33 min. den regulären Albumteil beendet und sich ebenfalls als schmissige Hymne entpuppt. Iggy zeigt hier wie gut er wirklich singen kann. Tolle saubere Vocals kommen aus seiner Kehle, warm, gefühlvoll intoniert. Die Solopassage des Stücks wird von doppelten Leadgitarren dominiert, die einen regelrecht in einen Gefühlsrausch hineinstürzen lassen. So entspannt und zurückhaltend dieser Song auch sein mag, die Emotionen kochen förmlich über. So endet eine Scheibe, die nun wirklich zu meinen Lieblingsalben zählt, nach der ich mich förmlich verzehre. Eine deutsche Heavyrockscheibe, die sich mit den größten Alben von LUCIFER'S FRIEND, den SCORPIONS, DESIRÉE, 2066 & THEN, I DRIVE und ähnlichen Donnerrockern messen kann. Pflichtalbum!