Donnerstag, 14. Januar 2010

THE HAND OF DOOM - Poisonoise Reissue


(1979/2009, High Roller Records / Shadow Kingdom Records, Germany 80.38 min)
CD / LP 1:
01. There Ain''t No Running Away
02. They Who''ll Creep At Night
03. Rock N'' Roll Close To The End Of The World
04. Heavy Mad Head
05. Deadman''s Dream
06. The Meanest Man
07. Doom Power
08. Poisonoise
09. The Hound
10. The Lights Of The Blind

CD / LP 2:
11. Putrefied (Hallowed Be Thy Name)
12. King Of Graves
13. Johnny B. Goode
14. Junior's Wailing
15. There Ain't No Running Away
16. Heavy Mad Head (not on CD version)
17. Doom Power
18. They Who'll Creep At Night
19. Rock'n'Roll Close To The End of The World
20. The Hound
21. Born To Be Wild
Ich bin bekennender Teutonenrocker und finde auch sehr viel Gefallen an deutschem Heavy Metal der 80er und späten 70er. Und eine der legendärsten, weil obskursten und bis vor kurzer Zeit vergessendsten Bands waren THE HAND OF DOOM aus Bad Hersfeld in Hessen. Warum nur, so frage ich mich, denn die Songs hatten allesamt Hitqualitäten und die Band war an sich sehr ausdrucksstark, was nicht zuletzt am sehr kräftigen, dreckigen und wütenden Gesang des Andreas „Iggy“ Rössner lag („Iggy“ wegen seiner Vorliebe für die STOOGES und IGGY POP an sich, was man seiner zornigen Performance auch anhört). Die Musik an sich war typischer Heavy Metal für die damalige Zeit, beeinflusst von Größen wie JUDAS PRIEST, den SCORPIONS, THIN LIZZY, BLACK SABBATH, aber mit einem sehr eigenen Ausdruck. Schon der Opener „There ain't no running away“ ist ein Smasher, ein treibender Heavy Metal Ripper mit eindringlichem, aufwühlenden Refrain, danach geht es etwas gemässigter mit „They who'll creep at night“ weiter, der eher entspannt aus den Boxen stampft und tänzelt, aber durch den auf hintergründigem Wahnsinn fussenden Chorus und coolen, verspielten Elementen bereits auf das hindeutet, was zur gleichen Zeit bei vielen englischen Bands los war. Ein Zufall oder der Einfluss von 70er Rockern wie den epischen WISHBONE ASH? Ich tendiere zu letzterem. Der Bass spielt sehr prägnante Läufe zu den schönen Harmonien und emotionsgeladenen Riffs des Klampfers. Und so entspannt hier zuerst alles anmuten mag, der Song ist sehr verstörend und düster auf seine Art. Treibender Heavy Metal Rock dröhnt dann in Form von „Rock'n'Roll close to the end of the world“ aus den Boxen, wo Iggy in der Strophe eine sehr dreckig boshafte Performance hinlegt und mit sehr großer diabolischer Lust den Refrain aus den Boxen grollt. Einen hymnischen, eingängigen Hitrefrain wohlgemerkt. Die Leadgitarre brät uns ein schier explodierendes Solo vor die Mütze. Killersong! Das wiederum mittelschnell stampfende „Heavy mad head“ überzeugt mit seinen bleischweren Riffs und dem knurrenden bis grunzenden, komplett übergeschnappt wirkenden Gesang. Es ist eigentlich ein straighter Heavyrocker, aber genau diese Aspekte reissen ihn aus der Masse an Songs raus. Bei THE HAND OF DOOM spielte viel geradliniger Rock'n'Roll mit rein, der auch gut zu KISS gepasst hätte, aber die reine Fröhlichkeit wie bei den US Comicrockern will hier nicht aufkommen, da ist ein Hauch von Verrücktheit zu jeder Sekunde spürbar. „Deadman's dream“ wäre einer dieser im Grunde so leichtfüssig abfackelnden Partyrocker, wenn da nicht wieder der Iggy wäre, der zudem einen sehr finsteren Text verfasst hat. Schönen Boogiemetal bringt uns „The meanest man“ mit seinen rollenden Shuffle Rhythmen und schön sägendem Leitriff. Der Refrain ist eher cool, Iggy singt recht human, aber da sind sehr geheimnisvolle Melodien auf der Brücke vom Refrain zur brodelnden Solopassage und schon ist wieder die einzigartige Atmosphäre von Verdammnis da, welche diese Band ausmacht. Die Burschen hätten eine große Karriere verdient gehabt, aber sie sind hiernach einfach wieder verschwunden, bis sie vor einigen Jahren von einem Sammler und Freak wiederentdeckt wurden. Jetzt gibt es also die Reissue auf Vinyl von High Roller Records und auf CD von Shadow Kingdom Records. Die Doppel LP mit elf, die Doppel CD mit zehn Bonustracks, darunter Proberaumaufnahmen und Livemitschnitte in für die Zeit und die Aufnahmebedingungen sehr guter Qualität. Hier darf Iggy Rössner sogar wirklich zeigen, welch wildes Tier in ihm steckt, was seine Bandkollegen sich für die LP Aufnahme verbaten. Nun, wir sind ja mit dem regulären Album noch nicht fertig, da ist der mittelschnelle NwoBHM Style Rocker „Doom power“, gefolgt vom Rock'n'Roll Titelsong, letzterer mit wiederum herrlich kaputtem Gesang in der besten Tom Waits Liga. Und Deathmetal an sich war noch Jahre weg. „Poisonoise“ hat diesen lockeren Tanzbeat, dafür aber zermalmende Gitarrenpower und ein entfesseltes Solo. Diese Scheibe ist schon was besonderes und entweder man verachtet sie komplett oder man ist ihr mit Leib und Seele verfallen. Sucht gar nicht erst nach einem Original, das brächte Euch um den Verstand, die Reissue, grad auf Vinyl ist doppelt so cool. Fetteste SABBATH Riffs zersäbeln Euch beim verspielten, dennoch treibenden „The hound“. Die Band war ihrer Zeit um mindestens zwei Jahre voraus in Sachen Härte und mit einem größeren Budget im Studio, „Poisonoise“ wurde komplett in zwei Tagen eingespielt, daher auch das Livefeeling, wäre sie schier für Jahre die derbste Scheibe im Metalbereich gewesen. Ich finde „The hound“ könnte mit Mark Shelton am Gesang auch auf einer früheren MANILLA ROAD Scheibe gestanden haben, es ist schon etwas verdrehterer Heavy Metal Rock. Melodischer und geheimnisvoll klingt „The lights of the blind“, welches nach 36.33 min. den regulären Albumteil beendet und sich ebenfalls als schmissige Hymne entpuppt. Iggy zeigt hier wie gut er wirklich singen kann. Tolle saubere Vocals kommen aus seiner Kehle, warm, gefühlvoll intoniert. Die Solopassage des Stücks wird von doppelten Leadgitarren dominiert, die einen regelrecht in einen Gefühlsrausch hineinstürzen lassen. So entspannt und zurückhaltend dieser Song auch sein mag, die Emotionen kochen förmlich über. So endet eine Scheibe, die nun wirklich zu meinen Lieblingsalben zählt, nach der ich mich förmlich verzehre. Eine deutsche Heavyrockscheibe, die sich mit den größten Alben von LUCIFER'S FRIEND, den SCORPIONS, DESIRÉE, 2066 & THEN, I DRIVE und ähnlichen Donnerrockern messen kann. Pflichtalbum!

Kommentare:

Carsten hat gesagt…

Krass euphorisches Review, meine Verehrung!
Mir persönlich gefallen die Live-Aufnahmen ja sogar noch einen ganzen Tick besser als der Studiostoff.
Gruß aus dem Hinterland.

Sir Lord Doom hat gesagt…

Live sind die Burschen die Hölle...ich bin hin und weg von denen...Iggy Rössner nehme ich mal als Gesangseinfluss für zukünftige Ergüsse meinerseits