Donnerstag, 30. April 2009

Valkyrie's Cry - same


(CD, Kanada, Pure Steel Records, 11 Songs, 42.14)
01. Red Dawn
02. Iron Sword
03. Black Knight
04. Jotunheim
05. Berserker
06. Viking Warrior
07. Vortigern
08. Ride of Sleipnir
09. Blessed By The Mace
10. Valkyrie’s Cry
11. Headless Horseman
Zum 22.05. hin erscheint auf Pure Steel Records das Debütalbum der kanadischen Epicmetaller VALKYRIE'S CRY und das sollte für alle Freunde abgefahrenen Stahls mit viel Power und ungezügelter Spielfreude ein wahrer Ohrenschmaus werden. Der Sound ist nicht ganz optimal, aber hier hört der geneigte Metalhead eh auf den Song an sich und nicht auf den Klang, der etwas roh erscheint, eher wie ein Demo aus den späten 80ern. Mit oft zu lauten Drums und zu hintergründigen Gitarren. Nun, egal, die Songs sitzen alle! Das unheimliche Intro mal übersprungen, kommen wir zu einem rasanten Powermetalkracher mit verspielten Strukturen und heroischen Melodien, der sich da "Iron Sword" nennt. Wie geil! Noch hymnischer und rasanter ist "Black Knight", wobei der Klang viele Parts schon ein wenig matschig erscheinen lässt. Egal, was die Band hier an Wildheit und Unbekümmertheit an den Tag legt, reicht an die besten Momente von BROCAS HELM ran, die ebenso feurig und ungebremst mystische Melodien in die Welt hinausdonnern. Melodien wissen VALKYRIE'S CRY auch zu spielen, die Gitarrenläufe sind voll davon, die Gesangslinien durchdringen Dich und die Eingängigkeit ist einigermassen hoch. Als hätte man traditionelle europäische Musik mit dem technischen Powermetal solcher Bands wie WATCHTOWER und MILITIA gekreuzt. VALKYRIE'S CRY geben absolut Feuer, da bleibt drüben bei den Metalcorepussies kein Stein auf dem anderen. Wenn es an die Verteidigung unserer sich verzweifelt gegen eine Übermacht an Konsensmetalkriegern und Trendrockmonstren zur Wehr setzenden Stützpunkte guten Musikgeschmacks geht, sind VALKYRIE'S CRY eine der schlagkräftigsten Waffen, deren Songgeschosse ganze Bereitstellungen von krabbelnden und kriechenden Konsumsklaven der Musikindustrie zu einem Brei aus Blut, Fleisch und Knochensplittern zerstampfen. Dazu bildet ein wütender Epicthrasher wie "Berserker" (Song Fünf auf diesem Album) den polternden Soundtrack. Spielen können die Kanadier ja wie die Götter, ich frage mich nur, wer das hier produziert hat. Ruppig, das merkt man im weiteren Verlauf der Scheibe, ist gar kein Ausdruck für den Sound. Aber egal, genau dieser Klang gibt dem Album den letzten Funken Charisma und macht die elf Hymnen hierauf unsterblich. Zumindest erlebt man die Band nahezu "live". So klingt sie wohl auf der Bühne und wenn dem so ist, möchte ich gerne einmal in der ersten Reihe stehen. Man merkt gar nicht, dass das eine neue Truppe ist. Das Album, die Musik, alles könnte von spätestens 1986 sein. Da mag die ganze weichgespülte Popmetalklientel im Rock Hard Forum noch so rumheulen, genau diese Band hier spielt den Metal, den tumbe "Schlager auf 78 mit verzerrten Gitarren und Doublebassdrums" Kacktruppen wie DRAGONFARCE nie spielen können werden, weil sie gar kein Gespür dafür besitzen. Die irrsinnigen Soli in "Viking warrior" zerwühlen regelrecht Deine Seele, das ist pure Magie. Diese folkigen Melodiebögen auf der ganzen Scheibe haben den ultimativen Schmiss. Das rettet die Band stets vor dem Abdrehen. Also, lassen wir den Underground hochleben! VALKYRIE'S CRY 4 EVER!!!!!
93 / 100

Gong - Live in Bremen, Sparkasse, November 4th, 1974

(DCD, UK / F, Bootleg, 1973, 105 min)
CD1:
01. Magick Mother Invocation
02. Master Builder
03. Perfect Mystery
04. Tropical Fish: Selene
05. I Never Glid Before
06. I Love It's Holy Mystery
07. Hiram Afterglid
08. Flute Salad --> Oily Way (Part 1)9 - Oily Way (Part 2)
10. Inner Temple
11. Outer Temple
CD2:
01. A Sprinkling Of Clouds
02. Improv --> You Can't Kill Me
03. The Isle Of Everywhere
04. You Never Blow Your Trip Forever (Part 1)
05. You Never Blow Your Trip Forever (Part 2)
06. Variation: Flying Teapot (Part 1)
07. Variation: Flying Teapot (Part 2)
Ein Luxusbootleg sozusagen ist mir von den britisch australisch französischen Spacejazzproglegenden GONG (dieses Jahr auf dem BURG HERZBERG Festival unbedingt mitnehmen, Daevid Allen ist 71, wer weiß, wie lange der das noch mitmacht) auf den Tisch und sogleich in den Player gekommen. Vor nicht allzu langer Zeit wurde das Doppel CD Set, aufgenommen am vierten November 1974 in Bremen, auf einem ominösen Bootleglabel veröffentlicht und sollte für jeden Fan der Band, wie auch für Neueinsteiger in den britischen Spacerock bzw. ins Bandmaterial eine lohnende Anschaffung sein. Der Sound, fangen wir damit an, ist absolut gigantisch. Diese Aufnahme sollte wohl als Radioübertragung fungieren, ob es denn geklappt hat, kann ich von meinem heutigen Standpunkt aus (am 04.11.1974 war ich knapp vier Monate alt) nicht mehr sagen, absolute Insider oder Zeitzeugen mögen mich aufklären, daher ist der gute Klang verständlich. Transparent, lebendig, für eine Liveaufnahme sehr sauber und druckvoll erscheinen beide CDs. Die Band ist in Höchstform, brilliert auf den Improvisationen, wie auf den regulären, allerdings ebenfalls in die Länge gejammten Albumtracks, gibt sich der Musik wie besessen hin, spielt sich in einen Rausch, in vollkommene Ekstase. Das freejazzig kreischende Saxophon semmelt gerne dazwischen, wenn nicht Kultgitarrist Steve Hillage (u.a. URIEL / ARZACHEL und KHAN) seine ausladenden Soloeruptionen über den Köpfen der Fans entfesselt. Diverse völlig kranke Klamaukeinlagen über hypnotischen Grooves sorgen für Abwechslung, wobei der Schwerpunkt nicht auf ihnen liegt, Gott sein dank. Aber selbst die merkwürdigen Stakkatogesänge machen Sinn, lassen die Stimme des einzelnen eher wie ein zusätzliches Instrument wirken. Phreaky, nicht für Mainstreamer geeignet. GONG waren sicher keinen Deut besser als viele Krautrocker wie FAUST, CAN oder AMON DÜÜL II, will sagen, diese fiesen Füchse konnten einem Schlagerfreund das Leben ordentlich zur Hölle machen, aber genau dafür lieben wir sie ja. Immer wieder treten sehr intensive, düstere, dabei immer ruhige Passagen in den Vordergrund, welche die Seele hinaus ins All ziehen. Es sind hierbei weniger die großen Melodien, mehr die Atmosphäre an sich, die den Zuhörer von dieser Erde trägt. Hillage kann ganz schön heavy drauflos sägen, wenn man ihn lässt. Das Drumming ist packend, mal straight, mal peitschend, dann wieder jazzig verspielt, eher Strukturen bildend, denn groovend, immer jedoch eindrucksvoll, auf den Punkt gespielt und selbst in den ruhigsten Momenten voller Leidenschaft. Die Musik brodelt, die Stimmung in der Konzertlocation muß am Siedepunkt gewesen sein, besonders dann, wenn GONG auf repetative Beats und infernalisch jaulende Gitarren setzen. Ich habe das 77er "Gong Live" Album mit Aufnahmen aus den Jahren 73 und 74 und diese CD ist kaum stärker als vorliegendes Meisterwerk. GONG wissen ob der Wichtigkeit von Dynamiken und klingen trotz der variantenreichen Stücke immer irgendwie entrückt und zuweilen derbst bedrohlich. Dies hier ist eine Darbietung, die weniger an das Runterzocken von schnöder Popmusik zu Zwecken der Massenunterhaltung, mehr an das zelebrieren einer religiösen Messe erinnert. Wenn Ihr die Doppel CD in die Finger bekommt, zögert nicht lang rum!
100 / 100

Dienstag, 28. April 2009

Der einheimische Meister epischer Kunst: Markus Vesper

Ich arbeite an einem Interview mit meinem alten Freund Markus Vesper, der in den letzten Jahren mehrfach als für das Coverartwork guter bis gigantischer Bands verantwortlicher Künstler in Erscheinung getreten ist. Hier nur eine kleine Auswahl seiner Cover:
Manilla Road






Black Hawk





Bei Interesse an seiner Kunst, an Drucken oder gar einem eigens gefertigten Werk, ist der gute Markus stets unter www.markusvesper.de zu erreichen. Es lohnt sich

Sonntag, 12. April 2009

Josiah - No time


(2007, UK, Elektrohasch Records, ca. 54 min)
01. Looking at the Mountain
02. No Time
03. Long Time Burning
04. The Dark
05. Harvester of Lies
06. Time to Kill
07. Silas Brainchild
08. My Bird of Prey
09. I Can't Seem to Find it
Puuuh, ein wenig spät, aber besser spät als nie. Mir ist vor zwei Jahren dieses kleine Meisterwerk zeitgenössischen Retrohardrocks tatsächlich irgendwo in einer Kiste mit zu besprechenden CDs versumpft, wahrscheinlich, weil ich wieder meine Depressionen voll auslebte oder grad einen musikalisch komplett anderen Film fuhr. Wobei ich sagen möchte, dass ich immer irgendwie auf 70er Hardrock Sounds stehe, auch von gutklassigen neuen Bands. Eine solche sind JOSIAH aus England, die es inzwischen nicht mehr gibt. Neun Songs von durchschnittlich sechs Minuten länge sprechen von hypnotischer Hardrockpower, die eben nicht direkt auf die Charts und den Konsum durch pickelige Teenager abziehlt (obschon solche Gestalten gerne JOSIAH Scheiben kaufen und liebgewinnen dürfen), sondern auf Rocker mit Leib und Seele, die gerne schier endlose, ungezwungen wilde Leadgitarreneruptionen auf peitschendem Rhythmusfundament, eindringliche und doch bodenständig gebliebene Gesangslinien, aufwühlende, packende Riffs, aus denen sich ohne Vorwarnung brodelnde Harmonien entwickeln können und dabei trotz der lockeren Struktur immer irgendwie mitreißende und einprägsame Songs hören. Die Stücke könnten alle zwischen 1969 und 72 erschienen sein, wobei sie dem wilden Steinzeithardrock, Urdoom und sogar NWoBHM Powerrock gewisse Elemente entliehen haben. So spielt dieses Powertrio gänzlich unbekümmert und wie besessen seine komplett entfesselt wirkenden Donnerrockhymnen aus den Boxen. Die Produktion ist schön lebendig, dennoch aber immer druckvoll und transparent. Jedes Instrument kommt zur Geltung, ohne dass die Kraft und die Magie verloren gehen. Wer jetzt laut "Stonerrock" schreit, bekommt von mir eine Backpfeife, die sich gewaschen hat, denn dieser von der tumben Kommerzpresse geprägte Trendbegriff wird diesen absolut nicht bekifft wirkenden Rockern keineswegs gerecht. Heavyrock, leidenschaftlicher Heavyrock, nichts mit Stoner. Gefragt sind Freunde von furiosen Bands wie CACTUS, BLUE CHEER, GROUNDHOGS, DUST, MOUNTAIN, von CREAM, GRAND FUNK RAILROAD oder SIR LORD BALTIMORE.
8,5 / 10

Semlah - Semlah


(2009, Schweden, Cyclone Empire, 59.36)
01. From The Seat Of False Judgement
02. Path Of A Waning Moon
03. Axioms Of Life
04. Perennial Movement III
05. Machination
06. Manifestations Obscure
07. Perennial Movement II
08. Frayed Wings
09. Beyond Salvation
10. My Spirits Fail
11. Havoc
Endlich ist es soweit, ein neues Lebenszeichen der schwedischen Doomsters SEMLAH liegt im Player und erfüllt meine Seele mit Kraft. Die Band, zu der auch der ehemalige COUNT RAVEN Basser Wilbur gehört, hatte zuletzt 2004 eine kongeniale Eigenpressung auf dem Markt und ist nunmehr bei CYCLONE EMPIRE gelandet, die sich in letzter Zeit viel Doom (u.a. WARNING, COUNT RAVEN, SOLSTICE) gesichert haben. Geboten wird über die Distanz von knapp einer Stunde ein betörender Cocktail aus mittelschnellem, aber treibendem Metal, vielen düsteren Schlepperpassagen, oft mit eher schwebendem morbidem Ausdruck und hypnotisch intensiv brodelndem 70er Hardrock, alles natürlich eher in ein metallisches Gewand verpackt. Sehr schön kommen dabei die beiden "Perennial movement" Teile daher, erst Nummer Drei, der als wunderschöne, unkitschige Ballade beginnt und unvermittelt in einen wuchtigen Heavyrocker umschlägt, dann der komplett akustische Teil Zwei. Wieder und wieder finden sich diese beseelten, alle Sinne des Hörers kitzelnden Leadgitarren auf der Scheibe, mal als doch irgendwie melodisch strukturierte Soli, mal als eindringliche Harmonien durch die bleischweren Riffstrukturen nach oben kochend. Der Klang der Scheibe ist druckvoll, zugleich aber sehr lebendig, zeigt gut das spielerische Können der Band an allen Positionen. Sänger Joleni hat großes Charisma, seine Stimme ist melodisch, mittelhoch, angeraut, jedoch nicht dreckig, hat einen sehr beschwörenden Ausdruck, könnte aber auf jedem Heavy Metal Klassiker der letzten 25 Jahre bestehen. Ein typischer Heavy Metal Crooner, der gerade hier auf sehr beschwörende Weise seine Seele nach außen kehrt, insbesondere deren blutende Wunden und verdorbene Seiten. SEMLAH erfinden nun den Doom Metal nicht neu, der Opener könnte sogar auf jeder Scheibe von THUNDERSTORM über FORSAKEN bis CANDLEMASS oder SOLITUDE AETURNUS die klangliche Verdammnis eröffnen, aber trotz der sehr orthodoxen Einstellung erfrischen die Schweden das Genre erneut und mehr wollen wir Doomfreaks ja gar nicht. Für mich jetzt schon ein frühes Highlight 2009, gerade zum 27.03. hin erschienen! Für Doommetaller, die sich nicht auf Konsum, sondern beinahe religiöse Hingabe eingestellt haben, eine absolute Kaufempfehlung.

9/10

Mittwoch, 8. April 2009

VERGANGENE GROSSTATEN: Finch - Thunderbird

(Australien, 1976, Eagle Records, 39.03 min)
01. Stay
02. Pink spiders
03. Hey Spunky
04. Poser
05. Crystal Country George
06. Sail away
07. Valley of tears
08. One nighter
09. Mushroom
Das Album der Band Finch, mitbegründet vom ehemaligen AC/DC Basser Mark Evans, entspannt mit dem Song "Stay", der mit schönen akustischen Gitarren und verträumter Gesangsmelodie die Sinne betört. Ein paar Rockgitarren treten für den Refrain hinzu, bleiben aber nicht lange. Sehr peacige Stimmung, welche hier verbreitet wird. "Pink spiders" ist ein erdiger Groover mit cooler Gesangslinie, die Gitarren sind kraftvoll, spucken feine Riffs aus, die Dich sofort einspinnen und in Verbund mit den Rhythmen in Ekstase versetzen. "Hey Spunky" ist erdiger Hardboogie, der zwar nicht unbedingt aus dem Rahmen fällt, jedoch durch seine sympathisch ehrliche Art den Hörer mitzuziehen weiß. Geil ist dann das eher getragene "Poser" mit coolen Melodien, eindringlichen Riffs, einer dahinschwebenden Atmosphäre und einem Refrain mit deutlich melancholischem Einschlag, trotz seiner Lässigkeit. Power ohne Ende gibt es bei "Crystal Country George". Hardrockdramatik, eine spitze, durchbohrende Stimme, böse knurrende Riffs und hitverdächtige Melodien. Mich erinnert dieser Song an die "Only want you for the body" LP der Landsleute BUFFALO (mit Peter Wells, später ROSE TATTOO, am Bass). Fetzig, aber im Mittelteil verträumt schön mit betörenden doppelläufigen Leadgitarren und einem mit enormer, fast an Besessenheit grenzender Hingabe zelebriertem Solopart. Treibender Mid Tempo Hardrock mit ein paar schwingenderen Passagen wird dann mit "Sail away" geboten. Erdig, lässig, packend und verspielt mit schönen Schlagzeugfiguren und einer bissigen Gitarrenarbeit rocken sich FINCH hier in Trance. Zurückhaltend präsentiert sich "Valley of tears", wird im Mittelteil aufbrausender, feuriger, grad wenn es ans Solieren geht, hat aber auch seine ganz entspannten Seiten. Heiß und brodelnd rockt "One nighter" aus den Boxen, hat eine aggressive Rhythmusgitarre mit schönen Stakkatos im Powerrefrain, ansonsten entspannt mit Flangereffekten abfliegende Riffs. Der Chorus peitscht ungemein, lässt Dich alle Hemmungen verlieren, Du groovst, tanzt und wirbelst. Eine verspielte Bridge führt zu einem wiederum leidenschaftlichen Solopart. Das können die Aussies, solieren wie wahnsinnig und dabei unwiderstehlich grooven. "Mushroom" beginnt sentimental, mit dezentem Instrumentalteppich und melancholischer, naja, beinahe trauriger Gesangslinie. Sicher nicht innovativ, aber immer wieder schön zu hören. Langsam steigert sich der Song, schwingt hin und her, wird zum Ende hin sehr dramatisch und intensiv. Ein typischer, theatralischer 70er Epos, zwischen Ballade und Powerrock, ein verdammter Hit, den selbst UFO nicht besser hätten machen können, wie ich meinen möchte. Insgesamt ein rundum gelungener Abschluß für ein tolles Hardrockalbum. FINCH hatten wohl Mainstreamerfolg, aber sie waren weder oberflächlich noch substanzlos. Freunde von UFO oder den australischen BUFFALO sollten nach diesem Album Ausschau halten, es wurde allerdings noch nicht auf CD wiederveröffentlicht und ist als Vinyl relativ kostspielig. 86/100

Samstag, 4. April 2009

Insanity - Rehearsal 1985


















(USA, 1985, Demo, 17.51 min)


01. Fire death fate


02. Ultimate death


03. Blood for blood


04. Death after death


05. Attack of archangels


Ich bekomme als Rezensent ja eine Menge sogenannten "Deathmetal" zu hören, darunter immer wieder pervertierte Versionen dessen, was einst unter diesem stolzen Banner firmierte. Mir wird generell bei einem Großteil aller neuen Sachen übel, weil einfach nichts mehr stimmt und sich die Musiker nurmehr in Sachen Kommerzialität und Angepasstheit zu überbieten versuchen. Da stolpere ich dann über eine rumpelige, rauschige Kopie eines 85er INSANITY Demos und die Welt ist wieder in Ordnung. 1985, ein Jahr vor "Reign in blood", haben diese Kalifornier um den 1987 mit erst 21 Jahren verstorbenen Joe De Zuniga (Gitarre, Vocals) bereits einen Ultraspeedmetal gezockt, der SLAYER vor Neid hätte verblassen lassen. Auf diesem Tape gibt es fünf packende Riffmassaker, wobei ich eine erweiterte Fassung habe, "Death after death" und "Attack of archangels" sind offiziell erst 1986 auf dem zweiten Demo erschienen, stammen jedoch aus den gleichen Recordingsessions wie die ersten drei Stücke. INSANITY gaben nicht nur bis zum Anschlag Gas, sie konnten auch aggressiv im treibenden Mid Tempo die Matte kreisen lassen. Was Joe und seine Jungs hier abliefern, ist ein Paradebeispiel für die hohe Qualität einiger zu Unrecht untergegangener Deathmetalkapellen Mitte der 80er. Spielerisch sind die Kids verdammt weit, kompositorisch stehen sie Bands wie POSSESSED oder DEATH in nichts nach. Die Stücke leben von einprägsamen Gitarrenläufen, tosenden Drums, dazu den wahnsinnigen Vocals von Joe und schreienden Leadgitarren. Der Sound ist ruppig und räudig, es mag auch ein Tape aus der dritten oder vierten Generation sein, welches meiner Kopie zugrundeliegt, egal, egal, ein echter Deathbanger achtet eh auf die Musik, nicht auf den Sound. INSANITY hatten eine beachtliche Geschwindigkeit drauf, die sie jedoch stets auch zurücknehmen konnten, damit die peitschenden Akkordfolgen Raum zur Entfaltung hatten. Gerade der Drummer muss bei den Speederuptionen schon Schaum vor dem Mund gehabt haben. Die Intensität der Songs ist auf einem hohen Level, man möchte, in schiere Raserei verfallen, sich gar durch die geschlossene Wohnzimmerfensterscheibe stürzen, so sehr wühlt es einen auf. Ein offizielles Album von INSANITY zu jener Zeit mit Joe De Zuniga am Mikro hätte die Metalwelt revolutioniert und sogar die Götter DEATH und POSSESSED in Bedrängnis gebracht. Ein bisserl Wehmut überfällt mich, wenn ich dran denke, dass neben Joe inzwischen auch Drummer Bud Mills nicht mehr lebt. Bud starb 2007 mit grad Anfang 40 an Krebs. Ein solches Schlagzeugtier muss erst geboren werden, es gibt kaum jemand von seinem Kaliber, eventuell noch Gene Hoglan. Nun, das soll Euch nicht daran hindern, diese Band zu worshippen, zu finden unter http://lockjaw-yappy.blogspot.com/search?q=insanity. 10/10

Freitag, 3. April 2009

VERGANGENE GROSSTATEN: GURU GURU - Wiesbaden 1972


(D, 1972/2006, Garden of Delights, 74 min)
01. Oxymoron
02. Baby cake walk
03. Ooga booga
GURU GURU gehören zu den Urvätern des Krautrock, haben das Jammen von bis zu 30 minütigen Stücken Kultiviert und während ihrer Triophase bis Mitte der 70er den einen oder anderen Klassiker geschaffen. Auf dem vorliegenden Album, welches am 04.11.1972 von einem Freund der Band aus der XHOL CARAVAN Kommune mittels modernster Aufnahmetechnik (für Konzerte der damaligen Zeit) mitgeschnitten wurde, ist das erste Mal ein neuer Bassist zu hören, Bruno Schaab, ehemals bei den Protometallern NIGHT SUN (Album "Mournin", 1971), der Uli Trepte nicht nur ersetzen, sondern die durch seinen Abgang entstandene Lücke adäquat füllen sollte. Drei Stücke enthält dieses erst vor ein paar Jahren regulär vom Garden of Delights (http://www.diregarden.com/) Label veröffentlichte Album, drei Stücke, von denen keines unter zwanzig Minuten liegt. Auf dem Opener "Oxymoron" jammen sich GURU GURU bereits in einen Rausch. Viele der rockigen Improvisationen sind deutlich vom Blues beeinflusst, werden aber abstrahiert, psychedelisiert und verjazzt (Schlagzeuger Mani Neumeier und Uli Trepte waren in den 60ern beim IRENE SCHWEIZER TRIO und haben reinen Jazz gezockt), verlieren aber niemals ihre rockige Power. Gitarrist Ax Genrich (später HIGHDELBERG und solo unterwegs) zaubert fließende Notenformationen, die sich von dunklen, aber noch ruhigen Psychedelicläufen über typischen Bluesrock hin zu wilden jazzigen Frickeleien entwickeln, diesen Weg dann aber auch wieder retourgehen. Eindringliche Melodien kommen dabei immer wieder zum Vorschein, die sich dem Hörer geradezu aufdrängen, während jener allerdings schon halb benommen von den hypnotischen Rhythmen den Phreakouts des Herrn Genrich lauscht. Man kann eigentlich nie sagen, welcher Ton und welche Note hier verunfallt wären, da alles logisch auf einander aufbaut. Mani Neumeier muss hingegen bereits vier Arme besitzen, denn gerade in den sanfteren Passagen hört man vom Schlagzeug unheimlich viele kleine Figürchen, Wirbel auf den Becken und den Toms. In den konventionelleren Momenten groovt der gute Mann, damals auch schon 32 Jahre alt, mit der Power eines 500 PS Diesels. GURU GURU können fantastisch heavy werden. Ax Genrich entlockt seiner Klampfe oftmals nahezu widersinnige Laute, experimentiert mit allerlei Effekten und genau das gibt die Stimmung der damaligen Musik, gerade der Rockmusik ganz wunderbar wieder. Freiheit! Gesungen wird hier eher wenig bis selten, Genrich und Neumeier teilen sich die Stimmeinlagen, die etwas schluderig wirken. Ihre Stärke war eindeutig das jammige Zusammenspiel. Dieses Livedokument ist quasi der Abschied von den kantig - rauen Krautzeiten, ein letzter, umso gigantischerer Gruß an den absoluten Underground. Bleiben sollten sie freilich dort, nur halt mit etwas geschmeidigerem Songwriting, was in kommerzielleren, nichts desto trotz kultigen Stücken wie "Der Elektrolurch" gipfelte. Dieser Song wurde auch auf dem Konzert gespielt, welches man hier mitschnitt, konnte leider nicht ganz aufgenommen werden, da die Kassette zuende war und hätte wohl eh dafür gesorgt, dass aus diesem Album eine Doppel CD würde. Nun, nach der ersten Viertelstunde GURU GURU Live in Wiesbaden ist man hinübergeglitten in eine andere, farbenfrohere Welt. Da können auch die immer wieder eingestreuten erdigen, fetzigen Rock'n'Roll -, Boogie - und R&B Riffmassaker niemanden mehr zurückholen. Der zweite Track "Baby Cake Walk" wird mit fetzig groovendem Heavyrock eröffnet, der selbst Meister Hendrix umgeworfen hätte. Klasse Hardrockriffs mit Charakter knallen dem Hörer nur so um die Ohren, Schaab begleitet Genrichs Melodien mit wuchtigem Donnern, während Neumeier komplett zu explodieren scheint. Auch Ax Genrich hat längst die Kontrolle über seine Gitarre an eine dritte, nicht greifbare, unaussprechliche Macht abgegeben. Es brodelt und dampft, es poltert und tost. Hier ist ein wenig mehr Gesang zu hören. Leute wie Toni Iommi währen übrigens Stolz, hätten sie solche brachialen Akkordwalzen komponiert, wie Ax Genrich sie hier locker aus dem Ärmel schüttelt. Doch nicht nur sägendes Geschrubbe, sondern auch coole, groovige Riffs verlassen seinen Amp und herrliche Melodien von höchster Intensität. Man spielt hier übrigens fast das komplette "Känguruh" Album von 1972 durch, nur in erweiterten Fassungen, denen ein Song, "Immer lustig", weichen mußte. Egal...dieser Wahnsinn ist sogar den Verzicht auf das vierte Stück wert. Im Mittelteil des "Baby Cake Walk" Songs wird die Band spacig, hypnotisch und experimentell. Die Gitarren werden mit allerlei Echoeffekten zu einer wabernden, zitternden Klangwand aufgebaut, die jederzeit über Dir zusammenbrechen kann, Deine Sinne komplett lahmlegt und urplötzlich wieder in massivsten Heavyrock mündet, der so manche dunkle, stimmungsvolle Melodie offenbart. Aber so bedrohlich wie es scheint ist das ganze nicht. GURU GURU lassen die Musik und auch den emotionalen Gehalt fließen. Die Mischung aus Wahwah, Fuzzbox und Echo gibt gerade den zurückhaltenderen Momenten hier eine extrem tiefe Atmosphäre, bringt einem Bilder von denkenden Maschinen vor Augen, gerade wenn Schlagzeug, Bass und Gitarre den Songkontext komplett verlassen und nurmehr Geräusche von sich geben. Es ist verrückt, aber diese Mischung aus Rock, Experiment, Jazz und Psychedelic bleibt zu jeder Sekunde spannend. Der Sound ist übrigens absolut professionell, die Livesituation gibt der Musik umso mehr Raum. Digitalklangfetischisten werden sich trotzdem an der Lebendigkeit und Natürlichkeit stören, werden den Fluss der Magie nicht verstehen, diese Leidenschaft nicht spüren, die damals Publikum und Musiker vereint hat, aber für solche Mainstreamsklaven ist die vorliegende CD nicht gemacht. Der dritte Track, "Ooga booga" beginnt mit einem peitschenden, mittelschnellen Stampfergroove, der fast an einen rituellen Tanz wilder Völker denken lässt, darüber spielt Herr Genrich spacige Soli. Er schwenkt um in eine sehr traditionell bluesige Passage, mit klackernden Percussions und akustischer Gitarre. Dieser Part trägt den bereits in Trance versunkenen Hörer in die Sümpfe Louisianas, wo er einem gemütlichen Beisammensein schwarzer Arbeiter nach Feierabend beiwohnt, ihren Liedern lauscht, mit denen sie ihre Erlebnisse verarbeiten. Aus jenem Abschnitt heraus entwickelt sich ein Percussionsolo eines in Ekstase geratenen Mani Neumeier, welches wiederum die Bilder vor den Augen des Hörers belebt und verändert. Man währt sich nun inmitten eines Voodoo Rituals, sieht den Priester, wie er das Blut aus dem offenen Halse eines geschlachteten Huhns versprüht, sieht die Tänzer, die sich spirituell bereits in einer anderen Welt befinden, hört die Trommeln, spürt das Erwachen der Götter, der Magie, die sich über dem flackernden Feuer in einer Art Leuchten manifestiert. Und dem noch nicht genug. GURU GURU kehren als rockende Band zurück, zuerst mit straightem Powerrock, bei dem sogar gesungen wird. Dann beginnt die Band wieder wie besessen zu jammen und steigert sich hinein in einen Strudel puren Wahnsinns. Irgendwann ist man nur noch gefangen, tanzt sich hingebungsvoll die Seele aus dem Leib und fiebert mit. Ja, diese Musik hört man nicht nur, man erlebt sie. Und das grenzt GURU GURU vom vorherrschenden Mainstream ab, denn die tumben Popkonsumenten besitzen nicht die spirituelle Kraft, sich so weit zu öffnen, dass sie diesen Sound verstünden. Auch wenn GURU GURU hier eher für eine Clique von Auserwählten zu musizieren scheinen, so ist ihre Musik bodenständig, steckt voller Leben, Ehrlichkeit, wirkt sympathisch und ganz und gar nicht aufgesetzt elitär, wie oftmals im Progressivbereich der Fall. Mal sehen, was die Stonerrock Kinder dazu sagen würden. Das Album ist beim kultigen GARDEN OF DELIGHTS Label erschienen. http://www.diregarden.com/ Schaut mal auf deren Seite, es lohnt sich. 9,5/10

In Planung...

Liebe Freunde der schweren und verdrehten Beatmusik, da kommen in den nächsten Tagen noch einige neue Reviews auf Euch zu. In Planung sind u.a. BAUHAUS - In the flat field, Mask, Burning from the inside und Go away white, Guru Guru - Live Essen 1970 und Live Wiesbaden 1972, Embryo - Live Wiesbaden 1972. Was sonst noch kommt, nun, lasst Euch überraschen.

Einen peacigen Freitagvormittag wünsch ich

Mittwoch, 1. April 2009

Minotaur - God may show you mercy...we will not

(D, 2009, I Hate Records, 38.26 min)
01. Armegiddo
02. Rather Die
03. Full Speed Ahead
04. Princess of Hell
05. Cannonballfire
06. Soulless
07. Damager
08. It's War
09. Into Oblivion
10. Tales of Terror
11. Animal (Fuck Like a Beast) (W.A.S.P. cover)
Nein, dies ist kein Aprilscherz. Auch wenn der Schlagzeuger von MINOTAUR wohl seit 25 Jahren nicht dazugelernt hat und wie eine Wildsau durchs Unterholz rumpelt, so ist dieses ruppige Thrashmetalkleinod ein Ohrenschmaus für mich. Schön räudig geht das infernalische Trio zuwerke, ein Schelm, wer da an früheste SODOM und DESTRUCTION denkt, wobei MINOTAUR noch eine Ecke infernalischer und irrsinniger zuwerke gehen. Der Gesang von Gitarrist Andreas ist extrem, sehr krächzend, emotional überdreht, nahe am Rande der Hysterie, aber dadurch wieder sehr charismatisch. Nein, klar singen wird der Mann nicht können, das konnte er vor 20 Jahren auf dem Debüt nicht und auch heuer kommt keine Engelsstimme aus seiner geschund'nen Kehle, aber hey, who cares? Bei MINOTAUR stimmt das Feeling, die drei inzwischen nicht mehr jugendlichen Helden machen den ganzen geleckten Hochglanztrendthrashern vor, wie Metal direkt aus der Hölle klingt. Die Gitarren haben einprägsame Schredderriffs oder die eine und andere bedrohliche Melodie am Start, röchel, sagte ich "die Gitarren"? Es gibt ja nur eine. Bass und Schlagzeug poltern ganz ungezwungen und man ist geneigt zu denken, dass diese Scheibe sogar von 1984 oder spätestens 85 wäre. Treuteutonischer Zombiemetal halt, der sich in der Sammlung gut neben den alten Platten von SODOM, MESSIAH, PROTECTOR und dem TORMENTOR (now KREATOR) Demo macht. Freunde von filigraner Technik und feingeistigen Ergüssen haben halt verloren, aber uns wilde Thrashbarbaren macht solches Gedonnere ja erst so richtig heiß. Sollen die ganzen Groove - und Hightechthrasher zur Hölle fahren, Sachen wie MINOTAUR besorgen es einem wesentlich besser. 81/100

Exploit - Crisi

(Italien, 1972, Mellow Records (Reissue), 39.42 min)
01. Crisi Suite (20:27)
02. Anche Se Ho Sbagliato (2:56)
03. Un Bambino (3:55)
04. Il Campanile Della Cattedrale (3:58)
05. L'Anima Nuda (2:24)
06. Giochiamo Insieme (2:49)
07. La Tua Pelle Scotta (3:00)
Diese CD aus Italien offeriert auf den ersten zwanzig Minuten, einstmals der ersten LP Seite, schönen Progrock mit klassischen und jazzigen Elementen, hauptsächlich allerdings von klassischen Themen beeinflusst. Die zwanzigminütige"Crisi suite" eröffnet spannungsgeladen den bunten Reigen mit in alter Orgelmusik wurzelnden Läufen, geht in eine jazzige Passage über, die sich in einen eher getragenen Part mit emotional exaltiertem Gesang auflöst. Danach wird es flott und progrockig, relativ wild sogar, bevor wieder jazzige Läufe zu einem recht dunklen, romantischen Ende führen. Der zweite Teil der Suite ist ein recht flott beginnendes Stück. Orgelpop der fröhlichen Sorte mit einer unüberhörbaren Melancholie, italienische Barockklassik und dann ein verträumtes dahinschlendern im psychedelischen Mainstreampop machen ihn aus. Die Gesangsparts sind wieder sehr gefühlsbetont, urtypisch für italienische Pop und Rock Musik der 60er und 70er. Wunderschöne Orgelläufe geben den Solopart. Es berührt einen zutiefst. Immer wieder kommen diese verspielten Barockelemente, man erkennt Johann Sebastian Bach als großes Vorbild. Sie werden verrockt im Stile von ELP, TRACE oder EKSEPTION, aber mit dem ureigenen italienischen Charme. Ein Schlagzeugsolo leitet den dritten Abschnitt ein, schön hypnotisch, wild, wie ein ritueller Stammestanz. Dann orgelt der Keyboarder wieder klassisch und gleich drauf jazzig los, gibt ordentlich Tastenfeuer. Spielerisch sind die Jungs hier absolute Killer! Der Gesangspart ist sehr beseelt, ein leicht psychedelischer Soulpop mit Klassikrockbegleitung und Orgelprogeinlagen, wie er kaum bewegender sein könnte. Die Melodien stecken voller Drama und Leidenschaft. Nicht einmal "Tiger" Tom Jones hätte das so gigantisch hinbekommen. Weiter geht es mit "Anche Se Ho Sbagliato", welches sich als italienisch sprachige Version des alten RATTLES Smashers "You can't have sunshine every day" entpuppt, von deren 1970er "The witch" Album, sprich aus ihrer psychedelisch - hardrockigen Phase. Und so ist es auch, Pop zwar, aber mit zerrigen Gitarren und psychedelischem Ausdruck. Ein schöner Soulblues, elegisch mit feinen Orgeln und wieder diesen dramatischen, gefühlsüberfrachteten Gesangslinien folgt auf dem Fuße. Etwas verspielter ist "Il Campanile Della Cattedrale", eher ein getragener Orgelrock zwischen Melancholie und Fröhlichkeit, bei dem das Schlagzeug eine Menge Groove zaubert und schön herumwirbelt. Bei "L'Anima Nuda" hat man eine düsteren Blues auf Italienisch mit einigen Gitarren, der sich in einen wilden Acidrocker hineinsteigert, aber genau da dann ausgeblendet wird. Schade drum. Aber sehr düster bleibt es, düster, traurig, bis der Song "Giochiamo Insieme" in einen komischen Schlagerbeat umschlägt. Zumindest für den Refrain, die Strophe trieft vor Melancholie. Geil an diesem Stück sind in den Strophen die Bassläufe und das Orgelspiel. Der Refrain lässt sich ertragen. Ich befürchte irgendwie, dass die Jungens das sogar ernst meinten. Sowas hätte sich in Krautland Roy Black getraut, aber keine Rockgruppe. Nun gut, was bietet der krönende Abschluss? Es scheint ein schneller, poppiger, peppiger Acidrock zu sein mit kratziger Gitarre, dramatisch wirkenden Gesangsläufen und sehr viel Gefühl. Der zweite Teil des Songs ist fröhlicher 60er Sunshine Pop, der dritte Part eher peacig und getragen, steigert sich aber und führt wieder zurück zum zweiten Teil. Dann ein wildes Orgelgeflippe und Acidrockdonnern, aber erneut wird alles ausgeblendet. Mist. Hätten sie das etwas länger laufen lassen, wäre die Scheibe eventuell 45 Minuten statt nur 40. Aber egal, ich meckere nicht, garantiert nicht. Alles in allem wegen der langen Suite und den guten Popsongs ein Album für 70er Fans, die Prog, Beat und Acidrock mögen. 80/100