Samstag, 17. April 2010

RIP Lora 19? - 16.04.2010

Ich bin gerade geschockt, gegeißelt und völlig geplättet. Lora, der Kultpapagei, sozusagen die gute Seele unserer Lieblingskneipe in Glückstadt wurde gestern Nacht vom Hund eines Gastes zu Tode gebissen.

Lora war ein Inbegriff von Rock'n'Roll, liebte guten Metal und Heavyrock, insbesondere die V 8 Wankers.

Ich vermag meine Gefühle nicht in Worte fassen...

Mittwoch, 14. April 2010

VERGESSENE JUWELEN: MONEY - First investment


(1979, Gull, UK, 35.39 min)
01. Mari-Anna
02. Leo the Jester
03. (Aren't We All) Searching
04. Geneva
05. Cosmic Lullaby
06. Opening Night
07. Finale
08. Statements and Demands
09. Remembering (M.G.O.)
10. Goddess
Eine episch progressive Hardrockschlacht wird auf dieser Wiederveröffentlichung geschlagen. MONEY sollten eigentlich zur Speerspitze der NwoBHM gehört haben, landeten leider, trotz Deals bei Gull Records (u.a. JUDAS PRIEST in frühen Tagen) auf den hinteren Rängen, denn sie waren gerade so in der Startphase der Bewegung präsent, haben 1980 nach einer letzten EP wieder das Handtuch geworfen. „First investment“, das Album, ist von 1979, zu früh, zu verspielt, zu progressiv vielleicht für den verdienten Megaerfolg. Der Opener ist ein unaufdringlicher, aber liebenswerter Heavyrocker mit ellenlangen Soli und noch recht straight. Melodischer, ätherischer und proggiger wird es mit „Leo the jester“, welcher später noch auf einer NwoBHM Compilation landete. Da sind nachdenklich stimmende ruhige Parts, fröhlich dahinschwingende, leicht abgehobene Strophen, sanfte, symphonische Refrains von großer Erhabenheit und sehr intensive instrumentale Zwischenpassagen mit packenden melodischen Soli. Alles sehr eingängig aufgebaut. „Aren't we all searching“ ist ein geradliniger Hardrock mit cooler Melodie und ein paar abgehobeneren, progressiven Läufen. Anspruchsvoll und doch schön zum Mitgehen geeignet, ein Ohrwurm. Dieser Song war die 78er Single A Seite, dessen B Seite hier als Bonus verwurstet wurde. In seinem Mittelteil wird wieder furios soliert, dennoch bleibt man melodisch. Immer wieder gibt es kleine Gitarreneruptionen, die dem Song noch ein wenig mehr Wucht verleihen. Du liebst die Scheibe auf der Stelle.“Geneva“ ist ein kürzerer, aber sehr progressiver Rocker mit euphorischer Melodieführung und vielen Wechseln. Irgendwie leicht schräg und sperrig, aber definitiv cool. Man hatte mit solchen Stücken den klassischen Progrock bereits hinter sich gelassen, war moderner, der frickeligeren Seite des Neoprog zugewandt. Ein schönes Instrumentalstück auf der Akustikgitarre ist „Cosmic lullaby“, welches dann von einem spacigen Synthesizerblubbern beendet wird. „Opening night“ ist dann ein A Capella Song mit Elementen alter britischer Folk – und Chormusik. Nicht unbedingt Metal, aber verdammt gut und für eine eher progressive Platte durchaus tragbar. Mit „Finale“ wird dann wieder hart, melodisch und fröhlich, ja geradezu hymnenhaft euphorisch gerockt, obschon die Verspieltheit dieses Stückes nicht unerheblich ist. Irgendwo zwischen härteren SWEET, YES, QUEEN und JUDAS PRIEST mogelt sich die Band hier durch die Botanik und macht ihre Sache so abartig gut. Der Gesamtsound der Scheibe ist natürlich typisch 1979, aber dafür sehr transparent. Schön roh und ungezähmt klingt „First investment“. Hier zeigt sich eine Band von Könnern sehr inspiriert. Lovely. „Statements and demands“ ist wieder theatralischer, melodisch progressiver Rock mit härterer Kante, verspielt, ätherisch, eigensinnig, mit einigen Elementen alter britischer Musik in der Strukturierung und Melodieführung. „Remembering (M.G.O.)“ rockt geradlinig, mit schöner, unkomplizierter Melodie und leichtem Feeling härterer Rocksachen der damaligen Zeit wie UFO oder MONTROSE. Geil ist dann der letzte originale Albumtrack „Goddess“, schöner, verspielter Hardrock mit vielen mystischen, ruhigen Passagen und epischer Ausstrahlung. Die Band hat einige geheimnisvollere Stimmungen in dieses Prachtstück eingebaut. Feine Sache! Für NwoBHM Liebhaber, Freunde progressiven Hardrocks wie CHASAR, SHIVA oder SARACEN und PALLAS ist das hier eine Pflichtübung. Die Band schreibt eigenständige Songs, die auch nachhaltig im Schädel bleiben! Und es gibt eine Wiederveröffentlichung auf CD mit einem coolen Bonustrack! Kaufen!

VERGESSENE JUWELEN: RAVENS'HEAD - From the darkness


(2002, Privatpressung, Australien, 48.32)
01. Martyr
02. Arcana
03. Play Me For the Fool
04. Did You Ever
05. The Gates of Hell
06. Closing My Eyes
07. Tears in the Rain
08. Legend
09. Do You Believe
10. Sands of Time
11. How Many Times
Hier tut sich ein neues australisches Pflänzchen auf, aber was für eins. Die Sängerin gehört zu den kraftvollsten ihrer Zunft seit den guten alten Acid Tagen, das Riffing ist, trotz Hardrockroots und Eingängigkeit, verdammt heavy, es überrollen einen die Gitarrenläufe praktisch. Dazu donnern Bass und Schlagzeu einen geradlinigen, dennoch mit hintergründigen Details gespickten Beat. Gewaltig? Oh ja! Epische Momente, schneller Heavymetal mit rockigem Ausdruck, ein dezent entfesseltes Feeling und eine Menge Wahnsinn prägen dieses Album. Die Boyz und das Girl sehen zwar ganz und gar nicht nach dem irren Metal aus, den sie da spielen, aber was tut das schon zur Sache, man sollte eben ein Buch nicht nach dem Einband beurteilen, gerade in der heutigen Zeit. Irgendwie müssen Ravens‘ Head doch gekifft und zeitgleich noch Ekstasy geschmissen haben. Ihre Songs haben ein wahrlich losgelöstes Feeling und gleichzeitig die Kraft einer tollwütigen Dampflok. Das hier ist Heavysound der ehrlichsten Art. Es wird nicht mit sphärischen, ruhigen Momenten gegeizt, doch kommen die immer nur dann zum Tragen, wenn es der Sache, sprich der Atmosphäre dient. Allerdings ist es auch nicht unbedingt schlecht, mal eine echte Ballade zu hören, wie das extrem relaxte, von wunderschönen Melodien getragene „Did you ever“, welches vor Melancholie nur so strotzt und doch eine sehr hoffnungsvolle Atmosphäre besitzt. Es ist eben noch nicht zu spät. Pure Magie wird hier offenbahrt. Ravens‘ Head sind keine typische Truemetalband, wie wir sie tagtäglich in fast schon inflationärer Zahl erdulden müssen. Keine schwuchteligen Trällermelodien, keine auf hart getrimmten Popsongs, dem Gaylord sei Dank! Und mal ehrlich, wen würde ein Song wie „The Gates of Hell“ nicht mitreißen, balladesk beginnend mit einer der ergreifendsten Melodien der Rockgeschichte, sich dann nach und nach steigernd bishin zu einer beinahe explosionsartigen Wendung in Richtung Powerriffing. Im stampfenden Mid Tempo entwickelt dieses Stück eine unglaubliche Wucht. Das Solo ist von erhabenem Irrsinn. Hier tut sich ein Hardrockklassiker auf, wie ihn einst Bands der Marke Winterhawk, Amulet, Y & T, Full Moon, Sorcery und Deep Purple gespielt haben könnten. Monumental, wirklich monumental, von mitreißender Eingängigkeit und gewaltiger Tiefe. Auf dieser Basis fußen hier alle Stücke, ob nun straight ahead oder episch. Die Soli spielen eine gewaltige Rolle, werden hingebungsvoll zelebriert und einem Notenfeuerwerk gleich inszeniert. Das Rhythmusfundament trägt den Geist des Hörers hinfort, die Seele, welche vom Gesang in Brand gesteckt worden ist. Zeitlos, jawoll ja, völlig Zeitlos ist diese Scheibe. Vielleicht erinnert einen die Produktion an die heutige Zeit, aber natürlich verdirbt sie den Charakter der Stücke nicht, wie leider bei vielen anderen Bands immer und immer wieder. Sie ist warm, lebendig, freundlich. Ravens‘ Head geben wirklich einen Dreck auf irgendwelche Dogmen, die ihnen vielleicht die Truemetalsippschaft aufdrücken wollen könnte. Sicher, dort könnte ein nicht unwesentlicher Teil ihrer Klientel hausen, aber deswegen sich gleich zum Affen machen und in Klischees suhlen, die ohnehin schon einen realsatirischen Zug angenommen haben, no fucking way. Hardrock und Metal gehen bei den Australiern Hand in Hand, marschieren einträchtig beieinander in Richtung Schlachtfeld Musikindustrie, wo sie hoffentlich eine Chance zum Marodieren bekommen. Wenn Rachel ganz frivol die Lippen spitzt und fragt: „Do yu believe“, was schreit Ihr da wohl? YES!YES!YES!YES! Killer!

VERGANGENE GROSSTATEN: CLOVEN HOOF - Cloven hoof


(1984, Neat Records, UK, 34.09)
01. Cloven Hoof
02. Nightstalker
03. March of the Damned
04. Gates of Gehenna
05. Crack the Whip
06. Laying Down the Law
07. Return of the Passover
Man muß der heutigen Metalgeneration ja mal ein paar Schläge auf den Hinterkopf verpassen, damit sie sich ihrer wahrhaftigen Herkunft besinnt und der Magie, die sie selbst schon längst verdrängt hat, wieder Herr wird. Und was eignet sich dazu nicht hervorragender als eine alte Cloven Hoof Scheibe? Obschon die späteren Alben wie „Dominator“ und „A sultan’s ransom“ von gar erstklassiger Qualität waren ist das dämonisch - theatralische Debüt wahrlich das bekannteste und verbreitetste Werk der Briten. Und es geht sogleich in die Vollen mit der Bandhymne „Cloven Hoof“. Sie beginnt mit einem treibenden, mittelschnellen Part, auf dem eine eruptiv erscheinende Gesangslinie liegt, geht über in einen ruhigen, dunklen Abschnitt, der etwas beschwörendes an sich hat, macht eine Biege zurück zur schieren Kraft des Stahls, läßt für kurze Zeit nochmal die Ouvertüre in Erscheinung treten und begibt sich weiter des Weges, eine andere ruhige Passage leitet den sehr intensiven Schluß ein, über dem sich infernalische Soli türmen. Sänger David hat eine angenehme, in mittleren Lagen beheimatete Kraftstimme, mit der er den Songs den letzten Schliff verpaßt. Cloven Hoof sind in ihrer Ausrichtung sicher unkompliziert und dennoch nicht oberflächlich. „Nightstalker“ ist im Anschluß an „Cloven Hoof“ eine straighte Bangerhymne mit eingängigem Refrain und schön schwerem Riffing, hat alles in allem einen erdigen Touch. Dennoch auch hier können es die Engländer nicht lassen, einen Song im Song einzubauen, ein Solopart mit abgeändertem, tänzelnden Rhythmus und düsterer Melodie. GEIL! Quasi den „Nightstalker“ symbolisierend, wie er Dich des Nachtens heimsucht, hehehe. Da laufen einem doch eiskalte Schauer über den Rücken. Ein kurzes Instrumental, getragen und doch von Heavygitarren dominiert, ein Marsch der Verdammten, schließt sich an. „March of the damned“ hat eine melancholisch wirkende Melodie, welche über einen wahrlich majestätischen Ausdruck verfügt. Nächstes Stück ist die Hymne „Gates to Gehenna“, oftmals als LP Titel angesehen. Ein mittelschneller Heavysong basierend auf einem Triolenrhythmus, mit gewaltigem Refrain und einigen sehr sphärischen Breaks. Die Ausstrahlung hat etwas sehr dämonisches, als sei einer der Fürsten der Finsterniß persönlich im Studio zu besuch gewesen und man hätte ihm zu Ehren nun einen Willkommenssong angestimmt. So sollte Metal klingen, besessen, einfach nur besessen, man höre hier nur Sänger David, wie er seine Obsession hinausschreit. Cloven Hoof verfügten damals nicht gerade über einen absoluten Supersound, auch für 80er Verhältnisse nicht, dem Material hat das jedoch nur gutgetan, es explodiert nahezu vor Lebendigkeit und furioser Leidenschaft. „Gates to Gehenna“ wechselt übrigens auch kurzzeitig seine Ausrichtung, ein Song im Song, diesmal etwas länger. Die verwendeten Parts sind allesamt straight und nachvollziehbar arrangiert, so daß die Hörerschaft keine Furcht vor übertriebener Zurschaustellung musikalischer Fähigkeiten haben muß. Und wem der vorherige Song zuviel des Guten war, der wird mit „Crack teh whip“ entschädigt, einem einprägsamen Hardrocker stampfender Natur, dessen Gitarrenlinien einfach, aber auch verdammt heavy und effektiv sind. Cloven Hoof sind quasi die britische Antwort auf Cirith Ungol und Manilla Road, rockig eben, ultraheavy, kauzig, erfüllt mit Magie und inspiriert, einen völlig eigenen Weg zu gehen. „Laying down the law“ ist ein weiterer Beweis für diese These, straight ahead schreddernd, mit kraftvollen Berserkervocals und wieder diesen betörenden Melodien. Episch und dazu noch völlig wahnsinnig wird es mit dem neunminütigen „Return of the passover“. Es beginnt mit einem wahrlich an Düsterniß kaum zu übertreffenden Part, bei dem nur Gitarren zu hören sind, einige heavy, andere vorsichtig vorausfühlend, wieder andere infernalisch gestrichen wie mit einem Geigenbogen. Eine satanische Symphonie zur Einstimmung und dann ein stampfendes Riffinferno mit einer Dich fortreißenden Melodieführung. Wieder simpel, dennoch aber extrem beschwörend in der Wirkung. Die majestätischen Soli bei diesem Song und seine schiere Wucht lassen ihn zu einem absoluten Klassiker seiner Ära werden. Man wird von seiner Intensität einfach hinfortgeweht, ohne auch nur annähernd Widerstand leisten zu können. Der ganze Song hat zuweilen einen echt doomigen Charakter, was damals nicht ungewöhnlich war. Für alle NWoBHM Heads natürlich eine Pflichtübung, auch wenn die meisten die elegantere Spätphase mit Sänger Russ North und eternalen Kultscheiben wie "A sultan's ransom" bevorzugen. Ich finde beide Welten, in welchen der gespalt'ne Huf je stand, unsterblich betörend schön.