Dienstag, 31. März 2009

Touch The Spider - I spit on your grave






















(D, 2008, Private, ca. 100 min)

CD1:
01. Circle Of Lies
02. Where Are You From
03. Don't Call Me Mad
04. Graven Image
05. Back From The Dead
06. Make Me Sick
07. Spit On Your Grave
08. Cruel And Mean
09. Blues For Nicole
10. Worlds Collide
11. Since You Are Gone
12. Six Feet
13. House Of Shame
CD2:

01. Abra Macabra
02. You Are Not Alone
03. The Sense Of Life
04. Wicked Wench
05. Shades Of Grey
06. You Know
07. Street Cleaner
08. Tears Don't Lie
09. Can You Hear Me
10. Sabbath Of Blood
11. Noo Fear
12. Watch Me Bleed
13. Motel Room
14. Premonition
15. Gloomy Sunday


Ein Irrsinn, was der deutsche Underground noch so auszuspeihen in der Lage ist. Ich dachte, Happy Schlagermetal Wahn, Trendhörigkeit, Müllcore, pardon, "Metal" - Core und Wacken hätten hier gewütet wie die Pest 1349 in Norwegen. Nichts da, immer noch gibt es die Unverwüstbaren, diejenigen, die sich keinen Dogmen, egal welcher Subgenres harter Rockmusik beugen wollen. Von einem solchen Krauteigengewächs will ich hier berichten. TOUCH THE SPIDER war jahrelang der Spruch, wenn man auf die Website von BLACK WIDOW RECORDS (Genua, Italien) wollte und die Eingangsmaske mit einer Schwarzen Witwe im Netz vor sich sah. Geniale Huldigung an eines der kultigsten Plattenlabel überhaupt! Nun ist die Musik auf "I spit on your grave" auch wahrlich keine Allerweltsmucke, sondern ein gar sinisteres Gebräu. Das Album kommt im schönen Digipack als Doppel CD, bietet also für das Geld sehr viel rein quantitativen Gegenwert, dem die Qualität in nichts nachsteht. Sie danken PENTAGRAM, SAINT VITUS, BLACK SABBATH und THE OBSESSED, HAWKWIND und SAMHAIN (MISFITS Nachfolgeband Glenn Danzigs), unter anderem, meinen Ohren nach hätten da noch PAUL CHAIN, BAUHAUS, JOY DIVISION und einige andere Postpunk Truppen hingehört, denn derlei Elemente lassen sich durchaus in manchen etwas flotteren Momenten ausmachen. TOUCH THE SPIDER gehen damit einen ganz eigenen Weg, der sie in Bereiche abseits von Ruhm und Reichtum führen wird. Eine Kultband für die Wagemutigen ward somit geboren, eine Band, die wirklich sinistere Musik spielt, sich Gothic, sich Doom, sich Alternative nennen darf, ohne den gängigen Vorurteilen der Undergroundler gegenüber vielen sich heute in diese Szenen einordnende Bands gerecht zu werden. Wenn man "progressiv" nicht allein mit vertrackten Frickelmetalsongs gleichsetzt, dann hat man hier eine absolut progressive Band. Spacig und morbide sind die von den beiden Musikern erzeugten Stimmungen, regen zum Nachdenken an, blasen Dir die Seele aus, reißen Dich tief hinein in dunkelrotbraune Welten, die schon mit Moos überwuchert sind. TOUCH THE SPIDER sind eine dieser Bands, die sich niemals der Massentauglichkeit beugen werden. Der Sound auf der Scheibe ist sehr räumlich, verhallt und irgendwie feucht kühl mit staubigem Akzent, wie direkt aus der Gruft. Dazu passt das Artwork der Scheibe, dazu passt die Todesthematik, welche sich wie ein roter Faden durch das Album zieht. Ich finde zwar schon, dass die Band einige richtig treibende, packende Hits an Bord hat, bei glatt achtundzwanzig Stücken ist das auch keine Kunst, aber das Füllmaterial bleibt aus. Hier sind nur Stücke, die von "eindringlich" bis "aufwühlend" alle Stadien emotionalen Ausdrucks durchleben. Ich habe oben ein wenig Namedropping betrieben, um die Sache einzugrenzen und eventuell für Namedroppingfreunde interessant zu machen, aber ich will ehrlich sein, versucht mal, diese Band in eine Form zu pressen, die morbide Songmasse wird immer über den Rand quellen und sich vor Dir auftürmen, bis sie über Dich schwappt und Dich erdrückt. Zum Spiel der beiden Herren kann ich nur sagen, dass es exakt auf den Punkt kommt. Hier sind Könner am Werk, die sich eben nicht in ständiger Selbstdarstellung ergehen müssen. Die üppige Fülle an Musik wird natürlich die Fast Food Konsumenten er - und abschrecken, ich denke, dass es auch so gewollt ist. Nach Bandangaben werkelt man bereits an den Alben 2 und 3, die wiederum nicht unter 15 Songs auskommen werden. Gigantisch? Yessir! Eine Band wie diese ist Gold wert in einer Zeit der Gleichschaltung auf allen Ebenen. Kreativ, spirituell und charismatisch! Ich bin verliebt.

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