Dienstag, 31. März 2009

VERGESSENE JUWELEN: Blitz - Oga erutuf

(USA, 1978, Tema Records, 36 min)
01. Just a singer
02. Don't wanna be bussed
03. Holden me down
04. Dear honey
05. Gemini girl
06. Jaymie
07. Mr. Natural
BLITZ waren eine Rockband aus Cleveland / Ohio, die sich in den frühen 70ern gegründet und einem glammig orientierten, aber vorwärtsdenkenden Hardrock verschrieben hatte. 1975 nahm man ein Album auf, welches wohl 1978 veröffentlicht wurde, danach verliert sich langsam ihre Spur in den düsteren Winkeln der Zeit. Ich schreibe daher 1978 als VÖ Jahr hin. Auf jeden Fall waren sie mit ihrem Sound hochmodern. Ihr Hardrock war melodisch und verspielt, hatte eine rotzige freche Art, die schon fast am Punk dran war und wurde sehr theatralisch dargeboten. Der Klang der Scheibe war etwas roh und nackt, die Gitarren hätten wuchtiger donnern können, die Leadgitarre ihre Soli mehr im Vordergrund ausspeihen dürfen, aber das ist nur ein kleiner Makel angesichts der coolen Musik. Spielen konnten die Typen auf jeden Fall und das zählt. Man hört auf den Song, der sich dreht und wendet, zeitgleich absolut cool wirkt. Mit oftmals wuchtigen Schlägen treibt der Schlagzeuger Songs voran, kann sich aber auch in den etwas atmosphärischeren Momenten zurücknehmen. Bei "Holden me down" im Mittelteil ist dem so. Der Song ist ohnehin recht entspannt und softer als seine beiden Vorgänger, angenehm poppig, aber nicht verweichlicht. BLITZ setzen vielfach auf mehrstimmigen Gesang, was die Stücke abrundet. Ich bin mir nicht sicher, aber die Texte scheinen sehr eher auf Wein, Weib und geile Autos abzuzielen, also typische KISS Geschichten. Dagegen ist ein Song wie "Dear honey" musikalisch recht fantasievoller Space Glamhardrock mit packenden Riffs und betörend versponnenem Gesang. Stellt Euch SWEET mit HAWKWIND gekoppelt vor. Geht nicht? Oh, dann fehlt Euch im Gegensatz zu BLITZ die Fantasie. Ich möchte ihre Scheibe mal als ein Goldstück der lokalen Szenen in den USA beschreiben, die in Sammler und Phreakkreisen so illustre Bands wie FULL MOON, WINTERHAWK, TRUTH & JANEY, SORCERY (beide) oder AMULET hervorbrachten. Gerade Mitte bis Ende der 70er war da unheimlich viel los, mit unheimlich viel Kreativität. Die ultimativ Harten sind BLITZ nicht, die ultimativ Progressiven auch nicht, aber sie nehmen sich wohl aus jedem möglichen Blickwinkel der Rockmusik ihrer Zeit an. Ein toller Schweber ist das melodische "Gemini girl", welches ja schon vom Titel her den Weltraum herbeiruft. Schöner Melodicrock mit perlenden Synthies und einschmeichelndem, nicht zu derbem Riffing. Eine Hymne, die JOURNEY oder BOSTON in ihren epischeren Momenten nicht besser hätten hinzaubern können. Hitverdächtig und doch mit viel Substanz aufgebaut. Längere Instrumentalparts vernebeln einem die Sinne, ohne wirklich psychedelisch zu sein. Die Zeit war definitiv vorbei und BLITZ orientieren sich garantiert nicht an den Altvorderen. Sie wissen halt den Hörer mit intensiven Läufen zu hypnotisieren. "Jaymie" wirkt dann eher wie eine damals zeitgemässe "Middle of the Road" Ballade, die auch von den kommerzielleren Bands hätte stammen können. Etwas ähnliches hatten wir ja schon bei SHAFTSBURY. Aber der Song nervt nicht, sondern hat ebenfalls seine spacigen, dunkleren Momente, wenngleich nur wenige. Fein gemacht. Das abschließende "Mr. Natural" ist ein wenig fade, eine nette Ballade, ruhig, besinnlich, aber auch ein wenig monoton. Kein Highlight auf der Scheibe, aber derer gibt es vorher ja einige. Fünf sehr gute stehen zwei eher unspektakulären Songs entgegen, ich gebe mal eine gute 7,5 / 10 und empfehle trotzdem, sich das Album tiefzutun, wenn die Chance besteht. Hier z.B. http://www.robotsforronnie.blogspot.com/

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