Donnerstag, 26. März 2009

Lodestone - Lodestone


(USa, 1981, Lodestone Records)
01. Nomad
02. Golden rod
03. And then I met you
04. Take me there
05. Last days
06. One more on the shelf
07. Celebrate
08. Kim's song

In England gab es 1979 bis 1981 die NwoBHM, welche in ihrer gesamten Pracht auch gen USA schwappte und dort Bands wie METALLICA maßgeblich beeinflussen sollte. Dass aber die amerikanische Heavy Metal Szene 1981 gar nicht so schlecht bestückt war, wurde in Europa nur am Rande wahrgenommen. Klar, die Phreaks haben sich RIOT mit ihren Guy Speranza Alben angehört, sie mochten die RODS und VAN HALEN, eventuell noch KISS. Aber sonst? Nun, der Underground war voll mit Bands, die es an Eigenständigkeit und Ausdruckskraft locker mit den Briten haben aufnehmen können. AMULET (1980), CRYSYS (1981), WHITE BOY & THE AVERAGE RAT BAND (1980), IMPECKABLE (1979), SURVIVOR (1979, nicht die Band mit EYE OF THE TIGER) oder eben LODESTONE von 1981. Die meisten dieser Kapellen waren allerdings absolute Undergroundbands, die ihre Platten schön selbst veröffentlichen mussten, da sich trotz musikalischer Klasse kein Label finden lassen wollte. So auch bei LODESTONE. Die Musik der Band war recht erdig und heavy, hatte viele Hardrockelemente in sich, aber auch schon ein Gefühl für frühen Heavy Metal. Der Sänger gehörte zu diesen mittelhohen, helleren Stimmen, die mit viel Charisma und Gefühl, dafür weniger technischer Perfektion der Band ihr Gesicht gaben. Die ersten beiden Songs „Nomad“ und „Golden rod“ sind mittelschnelle Fetzer mit durchgehend jaulender Leadgitarre und schweren, sägenden Riffs, die sehr cool und erdig in den Körper des geneigten Heavyrockers fuhren, um ihn wie in Trance umherspringen zu lassen. Bodenständig und dabei packend, unkompliziert, aber geschmackvoll inszeniert, so präsentiert sich die Band. Der dritte Song „And then I met you“ beginnt als melancholische, herrlich unkitschige Ballade, explodiert jedoch nach der Hälfte der Spielzeit in einen ebenfalls mittelschnellen Heavy Metal Sound hinein, der durchaus auch von der britischen Insel hätte stammen können. Sehr schön ist die Tatsache, dass hier bei den Aufnahmen nicht mit mehr Spuren gearbeitet wurde, als dass man Instrumente hatte. So gibt es einen längeren Solopart, bei dem sich die Leadgitarre über einem straighten Lauf aus Bass und Schlagzeug ordentlich austoben und in wildesten Eruptionen ergehen darf. Wer hierbei nicht rücklings auf dem Boden liegt und ekstatisch zuckend die Luftgitarre mitzupft, hat wohl auch kein Gespür für die Ursprünge des Heavy Metal. Gigantisch! Insgesamt hat dieser metallische Ablauf einen sehr epischen Ausdruck, eigentlich sogar der ganze Song. Die Stimmung ist eher gedämmt, nachdenklich und sehr intensiv. Kommen wir nochmal zum Sound. Der ist natürlich ruppig und kann sich mit den heutigen Hochglanzdigitalproduktionen nicht messen, zeigt aber erstens wesentlich ehrlicher die Band hinter der Musik, zeigt die eigentliche Substanz der Songs, lässt das Album seine Power alleine schon aus den Kompositionen heraus gewinnen. Der rohe Klang dürfte NwoBHM Fanatiker aber nicht stören. Nächster Song, „Take me there“, eingeleitet von einem dramatischen, verspielten Part mit mystischen Synthesizermelodien, geht er in einen zurückhaltend tänzelnden, dunklen Hardrocker über, auch hier mit sehr intensiven Synthesizerläufen, die eine düstere, geheimnisvolle Stimmung verbreiten. Ein sehr magischer Song, der es auch auf eine der ersten beiden MANILLA ROAD Scheiben oder das Debüt der englischen LEGEND hätte bringen können. Warum nur ist aus LODESTONE nichts mehr geworden? Ich verstehe es nicht, wenn ich einen solchen, sinisteren Hardrocksmasher hören darf. Die Synthies werden hier sehr selbstverständlich eingesetzt und vertiefen nurmehr die Atmosphäre. Von AOR Seichtheit war das wirklich weit entfernt. Eher peacig setzt „Last days“ ein, hat einen schwebenden Westcoast Einschlag, mit leicht folkigen Anklängen in der Melodieführung. Dann aber kommen wildere Breaks im typischen Heavystil, ein wuchtig doomiger Beat und ein schweres Hauptriff, schon ist wieder ein Epicmetalkracher geboren. Ich kann über die aktuellen, pathosüberfrachteten Kitschbands im epischen Metal nur gähnen, wenn ich solch frischen, ruppigen Stoff genussvoll in meine Seele aufsauge. Dieses Mal gibt es unter den furiosen Soli sogar eine zweite Spur für die dezente Rhythmusgitarre. Die Band steckt mit Sicherheit noch tief in den 70ern. Ähnlich wie MANILLA ROAD oder CIRITH UNGOL, die beiden etwas bekannter gewordenen Epic Metal Kultbands aus der gleichen Epoche auf ihren Debütwerken. Ein weiterer ruhiger, dabei aber zutiefst beschwörender Song folgt mit „One more on the shelf“. Und auch hier ist der ruhige Part nur eine Einleitung, wird rasch von einem mittelschnell treibenden Heavyrock mit eingängiger, sehr dramatischer Melodie und feurigen Soli abgelöst. Wäre der Sound nur etwas professioneller, so wie bei BLACK SABBATH, RIOT oder IRON MAIDEN, die Band hätte wesentlich mehr erreicht. Oh, ich bemerke gerade, dass sich bei „One more on the shelf“ ruhige und heftigere Momente ablösen, gekonnt, gekonnt. Man setzt auch auf zurückhaltend wuchtige, aber treibendere Rockpassagen mit progressivem Ausdruck und geheimnisvollen Melodien, welche die Sinne kitzeln, die Fantasie anregen und den Hörer vollends gefangennehmen. LODESTONE hatten, ähnlich wie viele ihrer Leidensgenossen aus dem US Hardrockuntergrund, wirklich fantastische Stücke am Start, die sich schon beim ersten Anhören als Ohrwürmer mit Langzeitwirkung entpuppten, für die tumbe Masse aber wohl zuviel Tiefgang aufwiesen. Der durchschnittliche Rocker war eben damals schon auf das angewiesen, was ihm der Hai im Anzug in der Labelchefetage zum Fressen vorwarf. „Celebrate“ ist noch so ein düsterer Heavyrocker, welcher sogar im Solo ganz offen auf BLACK SABBATH anspielt, irgendein Song von der „Sabbath bloody sabbath“ wurde da zitiert. Ich habe eine meterdicke Gänsehaut. Eine Martin Birch Produktion für dieses Album und Toni Iommi hätte sich warm anziehen dürfen. Wo bleiben die ganzen Reissue Freak Labels, wenn man sie braucht? Abschließend gibt es „Kim's song“ zu hören, welcher schon sehr theatralisch, emotionsgeladen beginnt. Dann zu einem schönen Mid Tempo Rocker im besten NwoBHM Stil wird, dessen beschwörende Gesangslinie einen augenblicklich gefangen nimmt. Die Soli brodeln, jaulen und tosen Dir nur so um die Ohren, die Riffs schallen zornig und sogar eine sphärisch – spacige Synthesizerpassage in der Songmitte wird geboten. Mit fast zehn Minuten Länge ist das hier auch der ausladendste Track. Mystisch, mit verspielt progressiver Struktur und einem Gefühl von „kosmischer Musik“ geht es in einen eruptiven Heavy Metal Part mit betörenden Leads über hypnotischem Beat. Und so sehr sich der Song auch dreht und wendet, man hat nie das Gefühl, dass er auch nur eine Sekunde aus dem Fluss käme. Die Leadgitarre tobt sich mal wieder aus, die Saiten dampfen regelrecht. Ich wundere mich, dass heute kaum eine Band mehr solche Songs schreibt, eigentlich ja gar keine mehr, eventuell noch BROCAS HELM und SLOUGH FEG. Verspielt, komplex, aber nicht kompliziert, immer im Fluss, melodisch und doch mystisch, geheimnisvoll, anregend. Selbst mit aktuellerer Produktion müsste da doch ein gigantisches Meisterwerk rauskommen. Wenn ich diese Scheibe höre, dann komme ich nicht umhin die Höchstnote zu zücken, selbst mit dieser ruppigen Produktion. Aber das Problem hatten ja auch DARK QUARTERER mit ihrem Debüt. Ich glaube, ich habe eine neue Platte für meine TOP 100 gefunden. Interessierte Fanatiker sollten mal unter www.rockadrome.com den guten Dennis Bergeron (ehemals Monster Records) kontaktieren und solange nerven, bis er einen Rerelease bringt. Pflichtscheibe! 10/10

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