Samstag, 13. September 2014

BURN PILOT - Intense



(Eigenvertrieb / Pink Tank Records, 2014)
01. Matador
02. Rain song
03. Feedback mind
04. True gem
05. Reverse pulse
06. No catharsis

Ihr kennt das? Eine befreundete und durchaus heiß verehrte Band, in meinem Falle die Fuzzrocker BONE MAN aus Kiel, gibt ein onzert und man geht wegen dieser Band hin, wird aber von den Vorbands vollkommen weggeblasen? In diesem Falle waren es MOEWN aus Hamburg, die ihren ersten Gig mit Bravour spielten und die blutjungen, aber irrsinnig umtriebigen BURN PILOT aus Bielefeld. Man mag den Ort für ein Gerücht halten, aber die Musik der drei jungen Männer ist die pure, ungeschönte Wahrheit. Wobei schön als Attribut immer Ansichtssache ist und das hier zu besprechende sechste Album der Band in zehn Jahren (dabei ist Drummer und Sänger Sidney grad mal 22) Bestehen hat viele schöne Momente. Allein der Titel ist schon ein Statement. "Intense", was für ein Wort. Es beschreibt die Musik perfekt, die physische, spirituelle und emotionale Wucht der sechs Songs, die mit einer gesunden Länge ausgestattet sind und in ihrer Dynamik von betörend zu eruptiv und zurück federn. Nur, was machen BURN PILOT hier für Musik?

Man hört, dass sie über die Jahre einiges an Musik in sich aufgesogen haben, man merkt, dass sie dabei vollkommen frei all das in die Stücke bringen, was diese vorwärts treibt und regelrecht in die Sinne des Hörers hinein explodieren lässt. Ich möchte dem Titel des sechsten Stückes widersprechen. Die Katharsis erfolgt durch anhören, aber auch durch das aktive spielen dieser Songs. Grob gesagt ist das hier ein donnernder, kräftiger Heavyrock mit verspielten Strukturen und wilden, bizarren, aber sehr packenden und mitreißenden Rhythmen, der hypnotisch und psychedelisierend wirkt, selbst wenn es aus den einlullend ruhigen Momenten in die furiosen Ausbrüche hinein und innerhalb dieser brodelnden musikalischen Urgewalt mächtig rund geht. Stoner, Psychedelic, Wüstenrock, Punk, verdrehter Krautrock, vielleicht Prog, in Anbetracht der vertrackten rhythmischen Figuren, die die Jaffe Brüder Sidney (Drums) und Joel (Bass) sich hier mit immenser Leichtigkeit aus dem Ärmel schütteln und auf denen Gitarrist Jonas seine Akkordmauern aufschichtet.

Du hörst diese Platte an und die Welt um Dich herum steht in hellen Flammen. Sidney, der auch den Gesang übernimmt, schreit sich bei den explosiveren Momenten voller Inbrunst die Kehle blutig, kommandiert seine Band, treibt sie voran mit einer ehernen Entschlossenheit. Und diese Entschlossenheit ist zu jeder Sekunde zu spüren. Mit einer an Todesverachtung grenzenden Leidenschaft stürzen sich BURN PILOT in die gewagtesten Passagen hinein und bezwingen die sich aufbäumenden Songstrukturen. Jede Note spricht hierbei zu Dir und setzt einen Meilenstein in Deiner Seelenwelt. BURN PILOT haben auch ihre Momente, wo sie eine relativ angenehme Eingängigkeit an den Tag legen, wo sie dem nahekommen, was an alternativ angehauchtem Rock in den Popcharts war, obschon sie stets dessen kleine, böse Brüder bleiben, die das Überschreiten jener Grenze vermeiden, hinter der sich der Alternativerock durch seine übertriebene und ihn seines Sinns beraubende Kommerzialisierung selbst gefickt hat.

Der Sound ist toll. Sehr druckvoll, lebendig und mit großer räumlicher Tiefe gesegnet. Auf meiner Anlage hört man Bass und Schlagzeug recht deutlich über die Gitarre herrschen, ob das nun an meiner Technik liegt oder so sein soll, das mag jeder selbst für sich entscheiden. Jonas kämpft mit all seiner Kraft seinen Platz im Klanggefüge gegen seine Mitstreiter frei und behauptet sich. Sie sind ohnehin spielerisch eine Allmacht und gewinnen die Herzen ihrer Hörerschaft zu jeder Sekunde für sich, egal ob in den strikt durchkomponierten oder verschwommen gezeichneten jammigen Passagen. Alles trifft mit einer schon schmerzhaften Präzision auf den Punkt und lässt die Stücke bei aller Sperrigkeit nachvollziehbar und einprägsam wirken.

"Intense" ist ein einnehmendes, emotionsgeladenes und lustvolles Album, zu dem mir die als Vergleiche heranziehbaren Referenzbands fehlen, weil ich noch eher unbeleckt von all diesen Richtungen bin. Eines weiß ich aber. Freunde ausgefallener, wirklich alternativer und alles mit ihren Gefühlen in Brand steckender Rockmusik, die einen sehr eindeutigen Bezug zu drückend schwülen, Halluzinationen hervorrufenden Wüstenrockepen und freigeistig dahergespieltem Krautrock hat, sollten diese Bielefelder antesten und sich ihrer Diskographie bemächtigen.

Keine Kommentare: